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Bella Ciao ihr Partisanen, der Auspuff gibt den Geist auf und ein buddhistischer Fernfahrer namens Walter


12. Tag: Montag, 23. September

Strecke: Shelegur Farm – Ersekë – Korçë – Ohridsee

Streckenlänge: 135 km

Wir wachen vor den Kühen auf, das Thermometer auf der 1.020 Meter hochgelegenen Alm zeigt frische 12 Grad.
Eine weitere Berg-Und-Tal-Fahrt. Griechenland begleitet uns heute den ganzen Tag zu unserer Linken. Unterwegs immer wieder Partisanendenkmäler, auch jede Stadt, jede Kleinstadt, jedes Dorf hat ihr eigenes.
Es scheppert unüberhörbar! Die Stör-Geräusche unter unserem «Roten Blitz» lassen sich nicht mehr ignorieren. Das Glück der Tüchtigen führt uns ohne Umwege zu einer Werkstatt. Eine Hebebühne, fünf Männer bewundern den Unterboden des Wagens mit dem fremden Kennzeichen. Der Auspuff hat ein Problem. Eingerissen. Kein Problem. Ein Mann, ein Schweißgerät und «Zack, Zack, Zack», zehn Minuten später ist das Automobil wieder fahrbereit. Einmal zahlen bitte! Die schlampig übersetzte Antwort: «Geht auf’s Haus!» Das geht natürlich gar nicht! Wo der Tourismus noch nicht angekommen ist, ist die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Menschen nicht zu überbieten.
Ersekë ist mit seinen 900 Metern über dem Meer die höchstgelegene Stadt Albaniens, ein altes Steindorf ganz in der Nähe der ideale Platz für eine Mittagspause. Riesige Industrieruinen begleiten die Einfahrt in die Bierstadt Korça, eine architektonisch zerrissene Stadt. Moderne Bau-Verirrungen, eine breite Fußgängerpromenade, ein Theatherplatz und ein nicht ins Stadtbild passender Aussichtsturm. Der «Red Tower» ist das Verbrechen eines Deutschen Architekturbüros. Ein schmuck renoviertes Basarviertel mit großteils noch leerstehenden Geschäftslokalen mündet auf einem großzügigen mit Lokalen gesäumten Platz. Korçë trägt den nicht schlüssigen Beinamen «Kleines Paris».
Bis zum Ohridsee ist es jetzt nur noch ein Katzensprung. Ein wunderbarer Zeltplatz direkt am Wasser unweit der nordmazedonischen Grenze ist die heutige Endstation. Im angeschlossenen Wirtshaus sitzt der inzwischen pensionierte, buddhistische Fernfahrer Walter. Walter war mit seinem LKW bereits in den frühen 80er-Jahren, noch zu Hoxhas-Zeiten in Albanien unterwegs. Seine Liebe zu Land und Leuten hat bis heute gehalten.