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Ein Kranzerl, ein Ketterl, ein Spritzer, …


Montag 13. Jänner

… das klingt wie aus dem Delikatessen-Greißler. Im Rad-Feinkost-Laden der Cooperative Fahrrad (www.fahrrad.co.at) bekommt der Reiseradler wertvolle Tipps vom Profiradler und das Reise-Brompton nach rund 5.000 gefahrenen Kilometern entlang des Eisernen Vorhangs ein notwendiges Pflegepaket: neue Kette, neue Kranzerl, neue Bremsbackerl und ausreichend Spritzer Öl. Der Profiradler Dominik Mandl hat für jede noch so patscherte Frage des Reiseradlers eine kompetente Antwort. Unter Anleitung des Meisters wird das geschundene Faltrad nach allen Regeln der Kunst auffrisiert. Volle zwei Stunden wird gezangelt und geschmiert, alles nach Dienstschluss. Die Heimreise fühlt sich an wie ohne Treten, das Brompton radelt wie von alleine.
Danke Dominik!

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Zusammenfassung: Fasten in einer Genuss-Region


Sonntag 29. Jänner

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Zeitig in der Früh haben wir unsere Hungerburg Richtung Wien verlassen. Obwohl, Mikulov sowie die Region Lednice-Valtice sind ein kleines Stück vom Paradies, zum Wandern, zum Radfahren, zum Weinverkosten, aber Fasten in einer Genuss-Region ist eine harte Nuss. Zurück nach Hause trieb uns die Aussicht auf einen Apfel zu Mittag, Erdäpfel am Abend, die eine oder andere Tschick. Und vielleicht auch ein kleines Bierchen?
Zusammengefasst: 6 Fastentage, zwei Radausflüge, 10 Wanderungen/Spaziergänge und 4,2 am Eisernen Vorhang hängengebliebene Kilo. Weiters der Vorsatz etwas maßvoller mit den „guten Dingen“ des Lebens umzugehen.

Servus, baba, die nächste Etappe entlang des Eisernen Vorhangs führt von Travemünde an der Ostsee zurück nach Wien und startet Mitte Juni.

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Eiseskälte, Supermarkt und ein Ersatzfoto


Samstag 28. Jänner

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Letzter Tag! Stille Vorfreude macht sich breit, nur noch einmal schlafen. Heute noch ein letzter Stadtspaziergang durch Mikulov. Draußen ist es saukalt. Gefühlte 14, tatsächliche 8 Minusgrade. Es gibt nur wenige Straßen die noch nicht durchwandert sind, keine Ecke die fremd ist, kein Schleichweg der noch nicht entdeckt ist. Die Kombination von Schmuckkästchen und Ostflair kann bezaubern, trotz Eiseskälte. Als Endpunkt der Stadtflanerie steht ein Supermarktbesuch auf der Liste. Gesunde Sachen für den Sonntag! Es ist unfassbar wie ungerührt die gekauften, aber auch die anderen Schmankerl im Moment lassen. Kein Hunger, nur Gusto.
Der letzte Nachmittagsspaziergang führt nach Lednice. Dort haben sich die Lichtensteins auch wichtig gemacht: Ein rießiger Park, verschlungene Wasserwege, ein verspieltes Märchen-Schloss, ein Minarett, … Der Gipfel, schön anzuschauen und trotzdem vertrottelt, eine „künstliche“ Ruine. Das Beweisfoto muss ich leider schuldig bleiben, bei den vorhandenen Temperaturen hat der Akku den Geist aufgegeben. Das Ersatzfoto wurde drei Tage vorher geschossen, passt dennoch exakt. Aber jetzt schnell schlafen, morgen wartet feste Kost und noch eine Zusammenfassung.

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Wunschträume, Pollauer Berge und ’s scheene Lebm


Freitag 27. Jänner

Schön langsam wird es zach. Gedanklich sind wir schon längst zu Hause bei der ersten Nahrungsaufnahme, beim ersten Bier, bei der ersten Tschick. Nur der morgendliche Sonnenschein spendet Trost. Als Alternative zu Kalorien und Nikotin, eine Radtour und viel frische Luft. Es lockt das Landschaftsschutzgebiet Pálava und die Pollauer Berge. Das Pausengetränk als Belohnung für erkämpfte Anstiege bleibt der Kräutertee. Nur noch zwei Tage! Nach der Mittagszeremonie führt der Wille noch einmal in die harmonische Hügellandschaft der Pollauer Berge, diesmal zu Fuß. Am Höhepunkt der Schneewanderung stehen wir am Plateau der höchsten Erhebung, Děvín (Maidenberg, 554 m), mit dem Blick auf das „südmährische Meer“, die aufgestaute und zugefrorene Thaya. Scho schee ’s Lebm, auch in mageren Zeiten.

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Tägliche Rituale, Ausflug in den Märchenwald und zurück in die Realität


Donnerstag 26. Jänner

Die Ereignisse wiederholen sich: Nackte Füße im Schnee, in der Früh. Mikulov-Runde samt Berg, am Vormittag. Rote Rüben/Karotten-Saft, zu Mittag. Anschließend ruhen. Der Nachmittag wird kreativer gestaltet, der Landschaftsgarten Lednice-Valtice drängt sich auf. In diesem „Märchenwald“ hat sich das Haus Lichtenstein mit nicht immer ins Bild passenden Bauten verewigt. Mitten im Wald aus heiterem Himmel macht sich eine Art Triumphbogen groß – der Dianatempel, ebenso unvermittelt erscheint an einer Lichtung die Hubertuskapelle, am Waldrand auf einem Hügel thront eine Reistenkolonnade, nach dem Abbild der Wiener Gloriette. Ein Hauch von Disneyland, nur ohne Rosa und eingebettet in reale Natur. Am Nachhauseweg kreuzt auch noch ein Reh unseren Pfad, nein nicht Bambi, ein echtes. Ein roter Sonnenball zieht sich zurück. Im Licht der untergehenden Sonne wirkt alles noch unwirklicher, fast wie im Kino. Nichts wie zurück in die Fastenrealität, eine leere Suppe wartet.

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Schneefahrbahnen, Grenzblicke und das südmährische Meer


Mittwoch 25. Jänner

Tag drei, der Magen ist leer, der Hunger ist weg, nur der Gusto geistert durch die Gedanken. Es ist an der Zeit das Brompton zu entfalten um die Genusssucht im Kopf zu vertreiben. Am Grenzübergang Valtice – Schrattenberg, 14 Kilometer südöstlich von Mikulov, beherbergt das ehemalige tschechische Grenzgebäude ein „Museum des Eisernen Vorhangs“. Im Jänner natürlich geschlossen. Dafür gibt die Freiluftausstellung „Achtung.Staatsgrenze – Pozor.státní hranice“ des Fotografen Alex Halada, Einblicke in Perspektiven von Anwohner_innen beiderseits der Grenze, persönliche Blicke auf das was war und das was ist. Die Strecke dorthin verläuft teilweise auf noch stark verschneiten Nebenstraßen. Das Brompton macht auch in dieser Ausnahmesituation eine gute Figur, einzig der Fahrer ist mit dem ungewohnten Bodenbelag überfordert. Mittags wartet heute die Rote Rübe und als Nachmittagsprogramm lädt Dolní Věstonice am Fuße der Pollauer Berge auf einen Strandspaziergang entlang des „südmährischen Meeres“ (Aufstauung der Thaya) ein. Der Abend hat sein starres Programm: Wenn draußen das Kunstlicht angeht wird drinnen auf Ruhemodus umgeschaltet.

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Kneippen, Spazieren und Spiele statt Brot


Dienstag 24. Jänner

Mit den nackerten Füßen im Schnee beginnt der zweite Fasttag. Es dauert keine Minute bis es sticht, bis in den Kopf. Kneippen nennt sich diese Tortur. Sobald das Stechen nachlässt wird es wohlig warm. Für den Vormittag steht ein Stadtrundgang auf dem Programm. Das südmährische Mikulov liegt einen Katzensprung nördlich von Drasenhofen, gleich hinter der Grenze und präsentiert sich als Schmuckkästchen: Ein Schloss in der Mitte, daneben der Heilige Berg samt Kapelle, dazwischen altertümliche Gassen und an jeder Ecke lauert eine Verlockung: Kavárna, Hospoda, Vinotéka, … Apropos Wein, Mikulov ist neben Valtice eines der Weinbauzentren umzingelt von Riesling-Trauben. Themenwechsel, mittags steht heute ein „Vierterl“ von der Karotte auf der Karte. Nach der verordneten Mittagsruhe wartet der Heilige Berg und auf seinem Gipfel die Wallfahrtskirche des heiligen Sebastian. Keine Angst, fasten macht nicht gläubig, trotzdem der Ausblick ist – auch Grau in Grau – ein Traum. Statt in eine Gaststube führt der Weg zurück ins Appartment, intern „Hungerburg“. Spiele und Bücher ersetzen abendliches Kulturprogramm.

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Fasten am Eisernen Vorhang …


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Montag 23. Jänner

… das kingt, zugegeben, etwas vertrottelt, aber: erstens, ist der Jänner sowieso ein unerotischer Monat, da ist auch nix verhaut wenn man gleich auf alle einem wichtigen Lustbarkeiten wie Bier, Wein, Zigaretten, Schweinsbraten, Knödel, … verzichtet. Nulldiät. Außer Tee in ekelhaften Mengen, ein viertel Liter Gemüsesaft zu Mittag und einen Teller leere Gemüsesuppe am Abend. Und zweitens, bringt so eine einwöchige Kur Frischluft in die verkopfte Winterdepression, lässt einem Flügel wachsen (ohne Dose) und bedient sich großzügig der angesammelten Fettreserven. Win-Win. Und warum am Eisernen Vorhang? Darum! Weil: das gerade Thema ist, das verträumte tschechische Städtchen Mikulov in einer knappen Stunde von Wien aus zu erreichen ist, die Region Mikulov-Valtice-Lednice zwei UNESCO Weltkultur und Naturerbe-Gebiete beherbergt und weil die Gegend zum Wandern, Spazierengehen und Radfahren einfach ein Traum ist. Apropos Radfahren, das Brompton spielt bei dieser „Extratour“ ausnahmsweise nur eine Nebenrolle. Eine Hauptrolle spielt die Liebste die mit mir auf alle Genussmittel verzichtet. Aber Schluss jetzt, die Fastensuppe wartet

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Grenzslalom, Herzerlstraße und ein Tschocherl im Wein


Sonntag 06. November

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Ratsch an der Weinstraße – Sulztal – Herzerlstraße (SLO) – Langegg (A) – Sveti Duh (SLO) -Schloßberg (A) – Remschnigg (SLO/A) – Glanz – Sulz – Ratsch an der Weinstraße

Unsere Brompton Falträder wollten heute partout den Kofferraum nicht verlassen. So haben wir zu Automobil und per pedes unsere südsteirische Reise fortgesetzt. Haben den Klapotetz besucht (mehrmals), haben Grenzen überschritten (mehrmals) und sind in Buschenschanken eingekehrt (mehrmals). Nebelwelten, Sonnenschein, Schnürlregen – das alles innerhalb der wenigen Tageslichtstunden. Weiters im Programm: vom herabfallenden Laub verdeckte Wege, die Herzerlstraße, den Heiligen Geist samt Kirche, schlafende Grenzbewacher, einen slowenisch-steirischen Most-Bauernhof (Tipp: www.tertinjek.at) und das „Tschocherl“ (wienerisch für: urige Kneipe) auf der Weinstraße: „Meine Damen und Herren, eines hab ich noch … ‚Sierra Maddre‘ … und noch eine Mischung …“ Wir waren schon sehr müde, haben applaudiert, den letzten Schluck getrunken und sind in die Nacht geeilt, der Sonntags-Tatort wartet!

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Nebelland, Mur-Radweg und das Grüne Album


Samstag 05. November

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Strecke: Ratsch an der Weinstraße – Ehrenhausen – Spielfeld – Mureck – Oberau – Fahrrad- und Fußgängerbrücke nach Slowenien – Apace (SLO) – Gornja Radgona – Bad Radkersburg (A) – Spielfeld – Ehrenhausen – Ratsch an der Weinstraße
(von Ehrenhausen bis Bad Radkersburg mit dem Rad, 49 km)

Geplante Feste finden nicht statt, so ist das auch mit der Wettervorhersage. Satt angesagtem strahlenden Sonnenschein dominierte das graue Band in allen Schattierungen. Der Mur war es egal, die Wassermassen bewegten sich unbeeindruckt Richtung Drau. Wir hatten keine Wahl. Dafür entschädigten uns die Nebelwelten der Südsteirischen Weinstraße und dem Mur-Grenz-Radweg konnte selbst die Düsterstimmung seine Romantik nicht nehmen.
Die spontane Extratour in das südsteirische Grenzland haben wir Natalie Ofenböck und dem Nino aus Wien zu verdanken, präziser gesagt, ihrem „Grünen Album“ (Edition Bader/Problembär Records), gespickt mit phantasievollen Briefen, modern naiven Zeichnungen und einer wunderbaren Mischung aus Volksmusik und Wiener Rock’n’Roll. Inspiration pur! Das Abendprogramm haben uns die beiden auch mit auf den Weg gegeben: Buschenschank, Brettljausn und a „Vier-Finger-Mischung“! Der Klapotetz muss bis morgen warten.