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Graue Theorie, Abfahrt Lederhose und eine Republiksflucht


3. Tag: Mittwoch, 13. Dezember

Strecke: Gössitz – Teistungen – Neustadt/Harz

Vorstellung und Wirklichkeit sind nicht miteinander verwandt! Die Realität der letzten Nacht: 18 Uhr, Camping-Wirtshaus sperrt zu. 18.30 Uhr, eingraben in den Schlafsack. 22 Uhr, erstes Mal ausgeschlafen. 02 Uhr, zweites Mal ausgeschlafen. 03 Uhr, raus in die Kälte, pinkeln bei Temperaturen unter Null. 06 Uhr, endgültig wach. Morgentoilette. Die Zähne klappern. 07 Uhr, mit dem Gaskocher Kaffee kochen.
Heute keine Experimente, keine verführerischen Landstraßen, nur kurz durch das zart verschneite Thüringer Vogtland, dann ganz pragmatisch rauf auf die Autobahn. Mit «Hirsch Fisch» kommt die gute Laune zurück – «In da Toschn, drinn is a Foto, do is ana drauf der freindlich locht». Auch die Autobahn-Abfahrt «Lederhose» sorgt für Heiterkeit. In Teistungen bei Duderstadt, direkt an der ehemaligen Deutsch-Deutschen-Grenze, wartet Siegfried Rothensee um von seiner Republiksflucht aus der DDR zu erzählen. Inzwischen sind 53 Jahre vergangen, beim Erzählen kämpft Siegfried Rothensee noch immer mit der Geschichte. Sein Bruder ging für einen gescheiterten Fluchtversuch mehrere Jahre in den Knast. So viel Zeitgeschichte braucht seine Zeit, die Sonne hat sich längst verabschiedet, Schneeregen begleitet mich zur heutigen Schlafstation. Mein mobiles Haus steht in Neustadt/Harz. Autoscheinwerferlicht hilft beim Aufbau. Es schneit. Jetzt noch eine echte Thüringer Bratwurst und ab in den Schlafsack.