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Beobachtungen an einem radfreien Tag


16. Tag, Samstag 25. Juni

Strecke: Zajecar – Knjazevac – Pirot – Dimitovgrad (SRB) – Dragoman (BG)

Streckenlänge: 185 km (Bus/Zug)

Menschenschlangen vor der Bank.
Jedem Serben sein Herrentascherl zum Umhängen.
Die männlichen Bäuche sind beachtlich und ihre Träger sichtlich stolz darauf.
Der Einkauf wird per Hand, oder auf der Fahrrad-Lenkstange nach Hause transportiert.
Die Straßenhunde sind friedlich und integriert, manchmal fällt ein Happen ab.
Rauchen ist fast überall und jederzeit erlaubt, nur nicht im Bus.
Der Busfahrer hat wenige Zähne, dafür umso mehr Schmäh.
Mir geht es wie dem österreichischen Nationalteam, ich bin außer Form.

Mit dem Bus geht es dreieinhalb Stunden holprig durch das Land. Die Hügel wachsen zu Bergen, Flüsse fließen, Schluchten fallen, ein Wasserfall stürzt, alles sehr romantisch, vom Bus aus! Dimitrovgrad sollte meine heutige Bettstation sein, doch der tägliche Zug nach Dragoman (BG) fährt in einer Stunde. Die meiste Zeit für die 15 Kilometer lange Strecke nehmen die Grenzkontrollen in Anspruch. Serbien, Danke und Baba!

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Selbstgespräche & Danke Faltrad


15. Tag, Freitag 24. Juni

Strecke: Kladovo – Korbovo – Milutinovac – Grabovica – Brza Palanka – Negotin – Zajecar (Bus)

Streckenlänge: 80 (Rad-)km      Fahrzeit: 4 h 30 min

(Negotin – Zajecar, 70 km/Bus)

Die letzte Nacht im Hotel Derdap war großartig. Direkt an der Donau gelegen, mit einer ordentlichen Portion Ostblock-Charme ausgestattet, bietet es einen wunderbaren Blick auf den Schdrom, sowie die gegenüberliegende rumänische Industriestadt Drobeta-Turnu Severin. Das heutige Programm: Eine kleine Landpartie sollte es werden. Viele kleine Dörfer, viel Landschaft und immer links, die Donau. Jeden Abend, nach einer Dusche, bei einem Erfrischungsgetränk, möchte ewig weiterreisen. Tags darauf zur Tagesmitte (ich starte täglich um Sieben), wenn die Kräfte Mittagspause machen, würde ich am liebsten im Garten sitzen und dem Schnittlauch beim Wachsen zuschauen.
Die gelbe Sau war wie schon die letzten Tage in Bestform. 35 Plus. Die Hügel aufwärts hab ich dann überrissen, es geht abwärts. Mit mir. Die Oberschenkel ziehen, der Rücken schmerzt, das Sitzfleisch ist mürbe und im Fahrrad hat sich ein Vogelnest versteckt (es zwitschert ständig, soviel ich auch schmiere). Auch der Wind geht immer in Opposition zur Fahrtrichtung. Bis Negotin hab ich gekämpft wie ein Löwe, mich dann umorientiert, mein Brompton zusammengefaltet und es im Bauch des Überlandbusses nach Zajecar verschwinden lassen. Ich glaube es kommt ein neuer Player ins Spiel. Morgen werde ich einen Bus-Tag einlegen.

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Himmel und Hölle wohnen dicht nebeneinander


14. Tag, Donnerstag 23. Juni

Strecke: Berzasca – Dubova – Eselnita – Orsova (RUM) – Kladovo (SRB)

Streckenlänge: 100 km      Fahrzeit: 6 h

Immer den Fluss entlang. Vor lauter verliebtem Schauen auf den Schdrom vergesse ich viel zu oft aufs Treten. So bringt man keine Kilometer zusammen. Manchmal bläht er sich auf und macht sich breit, dann wieder zieht er den Bauch ein und präsentiert sich gertenschlank, der Schdrom. Daneben blüht der Wildwuchs, Eidechsen nehmen ein Sonnenbad, Felswände schrauben sich in die Höhe und die Frösche geben den Ton an. Es ist einsam auf der Straße, wenige Dörfer, wenige Autos und weit und breit keine Trink-Tankstelle in Sicht. Diese Idylle (Flüssigkeitszufuhr ausgenommen) ändert sich erst ab Eselnita. Ab Orsova wird es dann unangenehm und die letzten fünfzehn Kilometer Richtung serbisch/rumänischer Grenze werden zum Hindernislauf. Die ursprüngliche Landstraße wird zur LKW-Autobahn und hat alles im Programm was Radfahrer_innen gar nicht brauchen: Einen fast nicht vorhandenen Pannenstreifen, noch dazu teilweise sandig, der Asphalt wirft sich, viele Brücken wo der Pannenstreifern komplett verschwindet, unbeleuchtete Tunnels. Die LKW-Fahrer permanent am Gas. Bremsen? Gibt es nicht. Hupen! Im Sinne von „Schleich dich Depperter“! Meine Sünden hätte ich abgebüßt, wäre ich gläubig. Nach Seitenwechsel (Rumänien/Serbien) kehrt wieder Ruhe ein. Ein harter Arbeitstag zwischen Himmel und Hölle und Kladovo ist meine heutige Oase.

ps: der/die letzte Radtourist_in hat bei Sopron meine Wege gekreuzt.

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Alte Bekannte & ewig lockt der „Schdrom“


13. Tag, Mittwoch 22. Juni

Strecke: Bela Crkva (SRB) – Zlatita (RUM) – Socol – Divici – Moldova Veche – Coronini – Berzasca

Streckenlänge: 104 km Fahrzeit: 5 h 50 min

In der Früh war er plötzlich weg, der Bela Crkva See. Der Morgennebel hat ihn verschwinden lassen. Die frisch gewaschene Wäsche war noch da. Dafür feucht.
Mit dem Grenzübergang nach Rumänien ändert sich die Landschaft, sie wird hügeliger, rauer und die Straßen ruppiger. Und auf einmal meldeten sich wieder alte Bekannte. Von der Seite sind sie gekommen, ansatzlos, unerwartet. Straßenhunde. Aggressiv bellend, mir dicht auf den Fersen. Drei Attacken, passiert ist nix. Wahrscheinlich eine willkommene Abwechslung in so einem rumänischen Hundeleben.
Etwas später, auf einmal war er da. Der „Schdrom“. Die Donau, und mit ihr auch die Sonne. Mir geht das Herz auf. Erst weit wie ein See, später schlank und bergig eingerahmt, bildet sie die Grenze zu Serbien. Neun Länder verbindet die Donau auf ihrem Weg ins Schwarze Meer. Ist das nicht ein Zeichen? Ernst Molden singt auf seinem aktuellen Album „Mia san da Schdrom“, verstehen wir es im Sinne von Vereinigung und Zusammenhalt. Jetzt!

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„Männer sind Schweine“


12. Tag, Dienstag 21. Juni

Strecke: Vrsac – Vajdalak – Bela Crkva (Karte)

Streckenlänge: 45 km      Fahrzeit: 2 h 30 min

Vrsac war einen Stopp wert. Quirlige Kleinstadt umgeben von Wein, da lässt es sich aushalten. Aber das Verweilen an schönen Plätzen lässt der Zeitplan nicht zu. Doch heute ist das Radeln Nebensache. Das Ziel ist Bela Crkva, die Donau ist nicht mehr weit entfernt, genauso wie die rumänische Grenze. Mein aktuelles Bett steht in einem Wohnwagen, dieser lagert an einem ruhigen See nahe der Ortschaft. Weltklasse!
Die heutigen Hauptprioritäten liegen auf Radservice (eine kleine Panne unterwegs war schnell behoben) und vor allem Wäschewaschen! Wäschetechnisch schaut es ungefähr so aus: Es gibt eine Radfahr-Dress (tagsüber) und eine Ausgeh-Panier (abends). Beide müssen so zwei, drei, …., egal, Tage halten. Im Extremfall ergibt sich die Duftnote Katzenklo. Das Problem ist folgendes. Die Suche nach einer geeigneten Bettenstation verläuft nicht immer wunschgemäß, dann müssen die technischen Anforderungen passen, dann Körperpflege, bloggen, facebooken und letztlich stellt sich die Frage – Erfrischungsgetränk oder Wäschewaschen? No Comment!
Im Übrigen freu ich mich schon auf morgen und den „Schdrom“.

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Höchste Zeit „Danke“ zu sagen!


11. Tag, Montag 20. Juni

Strecke: Kikinda – Rusko Selo – Nova Crnja – Torak – Krajisnik – Secani – Konak – ab Konak bis Vrsac (Bus) (Karte)

Streckenlänge: 101 (Rad-) km Fahrzeit: 5 h 55 min (Mit dem Bus: 60 km)

Heute möchte ich EUCH ALLEN demütig Blumen streuen und DANKE sagen! Danke fürs Begleiten, fürs Liken, für all die aufmunternden Worte und Zeilen! DANKE. Gleichzeitig möchte ich mich dafür entschuldigen, dass ich selten bis gar nie antworte. Meine wohl überlegte Ausrede lautet: Treten, Schauen, Fotografieren, Bloggen, Instagramen, Facebooken, Körperpflege, Wundversorgungen, Wäschewaschen (dazu morgen mehr), Nahrungsaufnahme, Radpflege, …, das alles schafft mich. Sorry.
Speziellen Dank an mein Zauberteam Lili und Wini für Promotion und Internetzauftritt und meinem Freund Uwe Mauch für seinen liebevollen Blogeintrag („Lebensnah“) auf der Kurier-Website.  An meinen „Bobo-Porsche“ (© Reinhold „Schoko“ Schachner/Most-Experte), mein brompton-Faltrad. Und natürlich an meine Liebste, für Alles von bis.
Zum heutigen Tag. Die Temperaturen waren im Wohlfühlbereich und letztendlich sind es doch wieder 100 gefahrene Kilometer geworden. Und kein Bett in Sicht! Da hab ich drauf gesch….. Darauf gepfiffen und die fehlenden 60 Kilometer, bis zur nächsten Schlafstation, den öffentlichen Bus genommen.

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Alles inklusive, Handshake, „gute“ Zäune – „schlechte“ Zäune


10. Tag, Sonntag 19. Juni

Strecke: Subotica – Kanjiza – Banatsko Arandelovo – Mokrin – Kikinda (Karte)

Streckenlänge: 99 km Fahrzeit: 5 h 31 min

Dem gestrigen Trauerspiel habe ich noch vor Beendigung der regulären Spielzeit den Rücken gekehrt.
Der heutige Tag startete as usual: Gelbe Sau, viel Landwirtschaft, … Das Nachmittagsprogramm hatte da schon mehr zu bieten. Zuerst, über Kilometer, Platten-Wege (wie Platten-Bauten nur ebenerdig verlegt mit unbehandelter Oberfläche) und ein Hagelgewitter (kirschgroß). Sehr aufregend.
Ungarn liegt zwar schon eine Tagesreise hinter mir, aber da wär noch was. Auch wenn in Ungarn politisch nicht alles im Reinen ist, Benehmen haben sie die Ungarn. In lokalen Erfrischungslokalen werden noch Hände geschüttelt. Nicht nur den unter sich bekannten Menschen – nein – Allen! Die bessere Alternative zum gängigen „Hallo“.
Und noch einmal zum grauslichen Thema Zäune. Den „bösen“ Zaun hatten wir gestern, der Vollständigkeit halber will ich auch von den „guten“ Zäunen sprechen. Denjenigen die den Radler vor übermotivierten Vierbeinern bewahren. Sie sind für Zweibeiner in beide Richtungen durchlässig und haben auch eine gewisse, aus der Zeit gefallene, romantisch sentimentale Note (siehe „Fotos“).

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Grenzwertige Zäune und ungewollter Patriotismus


9. Tag, Samstag 18.Juni

Strecke: Bezdan – Backi Breg (SRB) – Csátalja (HU) – Gara – Bácsbokod – Bácsalmás – Csikéria – Kelebia (SRB) – Subotica (Karte)

Streckenlänge: 118 km Fahrzeit: 6 h 25 min

DIe Nacht an der Donau, kitschiger Sonnenuntergang inklusive, hat mein Landschaftstrauma vergessen gemacht. Doch während sich die Donau Richtung Novi Sad und Belgrad ihren Weg bahnt, nimmt die Radroute die entgegengesetzte Strecke, wieder nach Ungarn. Obwohl wir alle es wissen, davon gelesen und bewegte Bilder gesehen haben, macht das reale Bild noch einen Zacken betroffener. Der Zaun. Noch 1989 skandierten die Bürger_innen der ehemaligen DDR „die Mauer muss weg“ und verbannten in Folge den „Eisernen Vorhang“ in die Geschichtsbücher. 17 Jahre später muss das vermeintliche Glück wieder geschützt werden. Die gesamte ungarisch/serbische Grenze streckt er sich aus und macht Grenzorte zu Geisterdörfer. So erlebt in Csikéria. Leere Straßen, fast keine Menschen, geschlossene Geschäfte. Gruselig, sogar bei Licht.
Darüber hinaus, Felder bis zum Horizont. Und immer anwesend die „gelbe Sau“. Verantwortlich für meine ungewollt patriotische Einfärbung: Rot (linker Arm), Weiß (Brust/Bauch), Rot (anderer Arm). In diesem Sinne. Geh jetzt Fuassboischaun.

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Alte Geschichte, jüngere Geschichte und ein Platzerl im Paradies


8. Tag, Freitag 17.Juni

Strecke: Donji Miholjac – Belisce – Beli Manastir – Batina (HR) – Bezdan (SRB) (Karte)

Streckenlänge: 87 km Fahrzeit: 4 h 45 min

Ein Nachtrag. In Donji Miholjac, der gestrigen Endstation, hat sich Franje Josipa der 1. (Franz Joseph I.) ein Denkmal gesetzt. Mitten im Zentrum. Alter Kaiser! Aber das ist eine alte Geschichte. Die Jüngere macht betroffen. In Belisce biegt die Drava von der Rad-Route Richtung Osijek ab, um sich mit der Donau zu vermischen. Ihre nördlichen Au-Wälder säumen noch immer Minen-Warnschilder, inzwischen 21 Jahre nach Ende des Kroatienkrieges!
Bei Batina macht sich dann die Donau breit und bildet die Grenze zwischen Kroatien und Serbien. Auf der anderen Flussseite, bei Bezdan, direkt an der Donau versteckt sich eine kleine Csárda. Das heutige Reiseziel. Ein Wirtshaus am letzten Zipfel Serbiens. Mit Worten schwer zu beschreiben. Ein Platzerl im Paradies wäre treffend. Und jetzt fällt mir mein Freund Ernst Molden ein, der der Donau ein ganzes Album gewidmet hat. Da heißt es verbindend: „Mia san der Schdrom …“ Noch Fragen?

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Die Drava und das Kreuz mit dem Kreuz


7. Tag, Donnerstag 16. Juni

Strecke: Barcs (HU) – Terezino Polje (HR) – Gradina – Novaki – Vaska – Noskovci – Cadavica – Donji Miholjac  (Karte)

Streckenlänge: 90 km Fahrzeit: 5 h

Neuer Tag neues Glück. Die Sensationen haben nicht stattgefunden, trotzdem gibt es Neuigkeiten.
Die Drava (Drau) hat sich als Grenzfluß zwischen Ungarn und Kroatien ins Geschehen eingemischt. Nach dem Seitenwechsel immer zur Linken, gibt sie sich meist schüchtern versteckt. Ein Erfrischungbad hat sie dann doch zugelassen. Weiters: Beeindruckend, die kroatische Vorliebe der Rohbauweise. Eine erste überstandene Hundeattacke. Und das Rasenmähen scheint ganz oben auf der Liste der hiesigen Lieblingsbeschäftigungen zu stehen. Ansonsten: Mais und Getreide soweit das Auge reicht, diesmal aus kroatischer Landwirtschaft. Da bleibt viel Zeit zum Grübeln neben dem Treten, auch kein Nachteil. Nicht nur schwerwiegende Tatsachen werden gewälzt, auch leichtgewichtige Themen kommen zum Zug. Aus aktuellem Anlass ist mir ein schon etwas angegrauter Wolfgang Ambros Schlager wieder in den Sinn gekommen: Mir geht es wie dem Jesus, mir tut das Kreuz so weh …“