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Eine Mission, wo ein Wille auch ein Weg und der schönste Platz auf Erden


6. Tag: Dienstag, 17. September

Strecke: Zlatibor – Gostilje – Nova Varoš – Uvac Canyon

Streckenlänge: 128 km

Bergauf, bergab führt eine schmale Nebenstraße durch eine sanfte bucklige Welt nach Gostilje. Ein kleines Nest mit großem Wasserfall. Diesmal gibt es Wegweiser zu dem auf terrassenförmig angelegtem, mit Holzbrücken und Steintreppen verbundenen Areal. Bevor der große Besucher_innen-Ansturm beginnt sind wir schon wieder auf der Weiterreise. Eine Hochschaubahn führt durch Kiefernwälder und Weideflächen zurück auf die Hauptroute nach Nova Varoš. Nova Varoš, eine selten unbeschreiblich hässliche Kleinstadt, ist das Tor zum unbeschreiblich beeindruckenden Uvac-Canyon. Eine angekündigte Touristen Info war schon vor zwei Jahren unauffindbar.
Auf der Suche nach der großen Schlange. Der Uvac und die Wege zum Fluss/Stausee sind ein streng gehütetes Geheimnis. Keine Wegweiser, kein Nichts. Der einfachste Weg ist der nach Rastoke, von wo aus kleine Boote auf dem Wasserweg in den Canyon führen. Aber diesmal ist der Landweg die Mission. Wer den richtigen Einstieg nicht findet landet im Nirgendwo. Wer wagt gewinnt! Und wer den Zugang erst einmal gefunden hat, den erwartet mitten in der Einschicht aus heiterem Himmel eine einwandfreie Hinweistafel. Das Knacken der kyrillischen Schriftzeichen ist der zweite Schritt zum Glück. Über eine 15 Kilometer lange Rumpelpiste wird das Ziel erreicht, erhaben trohnt ein Felsvorsprung, unterhalb windet sich durch unzählige Kehren der Uvac Jezero. Ein unvergesslicher Blick! Knapp hinter dem Felsvorsprung gibt es seit einem Jahr einen kleinen Getränke Imbiss der um 18 Uhr sperrt. Ab jetzt gehört der Uvac, der Canyon, die Umgebung, das Tischerl an der Felskante uns ganz alleine. Der schönste Platz auf der Welt!
Genau hier wird jetzt aufgekocht, die Sonne im Rücken, den Uvac im Blick, rundherum nur unberührte Natur. Auf der Speisekarte stehen Nudeln mit Spinat- und Käsesauce beigleitet von einer Flasche Vranac. Nie mehr Wegbewegen von diesem Platzerl!

ps: Das Zelt steht zwischen Wölfen und Bären mitten im Wald.

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Baustellen, Almlandschaften und allgegenwärtige statt urspüngliche Kuhinja


5. Tag: Montag, 16. September

Strecke: Ovčar Banja – Zlatibor Umgebung – Zlatibor

Streckenlänge: 122 km

Von Baustelle zu Baustelle rollen wir von Zentral-Serbien über eine imaginäre Grenze nach Süd-West-Serbien. Auch in der Region um Užice sind fast alle Hauptverbindungen «in Arbeit», manche gar geschlossen. Das Erholungsgebiet Zlatibor grenzt im Westen an Bosnien Herzegowina und gilt als Wanderparadies, im Winter als Skisportzentrum. Das Dumme ist nur, die Wanderwege sind nicht ausgeschildert, die allgemeinen Wegweiser dürftig und der kleine Campingplatz in der Einöde unauffindbar. Omnipräsent hingegen sind die Hinweistafeln für die unzähligen Klöster, alle fünf Kilometer ein «Manastir», für glaubensresistente Reisende auf der Suche nach Natur und Wanderwegen ein Stolperstein. Eine weitere Erkenntnis, Fischfang kommt vor Badespaß, der einzigartig gelegene Ribničko jezero bietet eine malerische Kulisse, dafür aber ungeeignete Zugänge. So muss wieder das Automobil herhalten, einsame Straßen durch eine traumhafte Berg-Landschaft. Die höchste Erhebung ist der Berg Tornik mit seinen 1.497 Metern über dem Grund. Aber auch die weniger erhabenen Hügeln haben ihren Reiz, die Umgebung von Zlatibor wirkt wie ein einziges riesiges Alm-Panorama, nur leider ohne bewirtschaftete Alm-Hütten. Ein ganz anderes Bild präsentiert die gleichnamige Ortschaft, ganz Zlatibor gleicht einem großen Vergnügungspark. Rege Bautätigkeit, Hotels, Rummelplätze und zum Verkauf angebotener Ramsch an jeder Ecke, der Tourismus kennt keine Mitte – Alles oder Nix.
Das ursprüngliche Abendmahl im Restoran Ognjište mitten in der Prärie von Rudine muss leider abgesagt werden – «Heute Ruhetag!» – stattdessen gibt es allgegenwärtige «Srpska kuhinja» mit «puno mesa», also viel Fleisch!

ps: Der heutige Zeltplatz ist weit entfernt von jeglicher Yugo-Romantik, dafür aber sehr funktionell.

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Ein Buchenberg, viele leere Kilometer und Campen mit Tito-Flair


 

4. Tag: Sonntag, 15. September

Strecke: Valjevo – Aranđelovac – Bukulja – Ovčar Banja

Streckenlänge: 200 km

Ein Holztisch, rundherum Holzbänke, in der Mitte ein Holzschirm, eine Liegewiese, daneben die sprudelnde Gradac. Zeltaufbau bei Scheinwerferlicht. Das an sich traumhafte Nachtquartier hat nur einen gravierenden Haken – Menschen sind Schweine! – das Naherholungsgebiet ist übersät von Müll.
«Der Frühe Vogel fängt den Wurm», bei Tagesanbruch jagen Fliegenfischer nach geschmackigen Forellen, ein kunstvolles Schauspiel. Der Kurort Aranđelovac liegt zu ebener Erde des Bukulja Berges. Durch Buchenwälder (Bukulja steht für kleine Buche) führt ein markierter Wanderweg (Wanderweg für heimische Verhältnisse wäre zu weit gegriffen, einigen wir uns auf Spazierweg) auf die Spitze des Berges. Ein «ostalgischer» Aussichtsturm gewährt tiefe Einblicke rundum ins Land, zu seinem Fuße wird Rakija und Kaffee serviert. Am Weg dorthin drängt sich noch einmal das Thema Abfallwirtschaft auf, leere Farbkübel am Weg sammeln den Unrat und warten total überfüllt auf Entleerung! Pummvoll trotz des wenig frequentierten Weges, die serbischen «Benzinbrüder» nehmen lieber die asphaltierte Spur zum Ziel!
Der anvisierte Fischteich wird auf Grund des fahruntauglichen Pfades verworfen, die Alternative der Garaško jezero bietet keinen befriedigenden Untergrund für unser mobiles Haus, die Liebste ist not amused!!! Bei einem Pivo wird die Karte neu berechnet und es findet sich doch noch ein, für beide Seiten passender Ausweg, die Ovčar-Kablar-Schlucht, wo die Zapadna Morava (westliche Morawa) die Felsen von Ovčar und Kablar durchtrennt. Bergstraße rauf, Bergstraße runter über den Rudnik Pass, durch Čačak durch und endlich bei Sonnenuntergang ist die westliche Morava erreicht. Das ultimative Wohlfühlplatzerl lässt sich auch hier nicht finden. Im letzten Moment taucht ein unangkündigtes Auto-Camp auf, eines aus der goldenen Jugoslawien-Zeit inklusive Tito-Flair und Schranz-Hocke-Schifahrer-Klo. Großartig! Ende gut, Alles gut!

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Serbische Toskana, gesunde Anarchie und Wohlfühlmomente an der Gradac


3. Tag: Samstag, 14. September

Strecke: Zasavica – Šabac – Valjevo

Streckenlänge: 120 km

Über Nacht hat sich der Campingplatz gefüllt, ein Wochenende steht an. Wir begleiten die Save noch ein Stück in Richtung Belgrad, bei Šabac wird abgebogen, den Bergen entgegen. Kurz nach Šabac beginnt die serbische Toskana, Hügelwelten soweit das Auge reicht, Obstanbau und natürlich der allgegenwärtige Kukuruz (für unsere Berliner Freund_innen: = Mais). Valjevo liegt am Fuße einer Bergkette, besitzt eine überschaubare Weinstraße und ein «kleines Wunder» (verspricht die Touri-Info), die Gradac Schlucht. Für Valjevo gilt, wie für viele serbische Kleinstädte, schön sind sie nicht, dafür sexy. Abgerockte Architektur, Ost-Charme, unzählige Cafes und ein gesundes Maß an Anarchie.
Die Gradac ist gerade einmal 12 Kilometer lang, schlängelt sich durch eine Schlucht und nicht nur der Fluss auch das gute alte Feuerross bahnt sich auf dieser Strecke seinen Weg von Belgrad nach Bar.
Die gefahrene Kilometerleistung bleibt heute stark unter dem Durchschnitt, dafür werden immer öfter die Beine lang gemacht, bei Erfrischungsgetränken und einem guten Buch. Wildenten und Fische streiten sich um die zugeworfenen Brotreste. Weiters im Angebot Wassermühlen, Badeteiche und wunderbare Fischgerichte. Übrigens, unsere Betten werden heute wieder direkt am Wasser gebaut.

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Serbien in Arbeit, unberührte Natur mit vielen Viechern und Save statt Donau


2. Tag: Freitag, 13. September

Strecke: Bezdan – Apatin – Novi Sad – Sremska Mitrovica – Zasavica

Streckenlänge: 230 km

Das flüssige Frühstück, ein Gaskocher-Kaffee wird in voller Montur am Schdrom eingenommen, hohe Baumreihen verstellen die wärmenden Sonnenstrahlen. Das zweite, feste Frühstück, gibt es in Apatin, ebenfalls direkt an der Donau. Eine blecherne Vogel-Skulptur ziert die Strandpromenade, schwerfällig kämpfen sich Lastenschiffe gegen die Strömung. Das für heute angedachte Ziel Valjevo wird wieder nicht erreicht, diesmal liegt es nicht an der verpfuschten Plan(ungs)wirtschaft, diesmal liegt es an den kleinen Landstraßen, allesamt «in Arbeit». Es erweckt den Eindruck, Serbien befindet sich im Umbau. Wenige Kilometer, viel Zeit! Aulandschaften, viele Felder, vorwiegend Mais-Anbau, kleine Ortschaften bis sich irgendwann Novi Sad vor uns aufbaut. Auch die Hauptstadt der Vojvodina hat sich verändert, der Modernität verschrieben, sich der Zeit angepasst. Nur die alten, von der Nato zerbombten Brückenpfeiler erinnern noch an den Nato-Krieg gegen Serbien (1998 – 1999).
Steil geht es durch den Nationalpark Fruška Gora, später führen weitere Baustellen nach Sremska Mitrovica und an die Save. Spätestens jetzt wird klar, Valjevo wird auf morgen verschoben. Im Naturreservat Zasavica wartet ein Campingplatz auf seine einzigen Gäste. Die Zasavica, ein Fluss zwischen Drina und Save umgeben von Sumpfland, Feuchtwiesen, Weiden und Wald. Viele Viecher, schwimmende, fliegende und solche auf vier Beinen freuen sich, diese noch weitgehend unberührte Naturlandschaft ihr Zuhause nennen zu dürfen. Das Abendmahl wird heute nicht an der Donau, sondern an der Save serviert und statt Fischgulasch steht heute Kuttelsuppe am Speiseplan. Laku noć!

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Serbische Müllentsorgung, mehrmalige Grenzübertritte und ewig lockt der «Schdrom»


11. Tag: Donnerstag, 27. September

Strecke: Zasavica – Sremska Mitrovica – Šid (SRB) – Ilok (HR) – Vukovar (HR) –Erdut (HR) – Apatin (SRB)

Nach einer frostigen Zeltnacht wärmt die Sonne während des Frühstücks am nördlichen Save-Ufer in Sremska Mitrovica. Es geht weiter auf Kurzstrecken bis zur heutigen Endstation nahe Apatin.
Kurz nach Šid am malerischen Sotsko Jezero, zu Füßen der Fruška Gora (Nationalpark am rechten Donauufer, in der serbischen Provinz Vojvodina), gibt es uein nrühmliches Beispiel von Müllverarbeitung – Alles rein in den Blech-Container und Feuer frei!
Der nächste Stopp liegt direkt am «Schdrom» (Donau), an der Nabelschnur, am Herzfluss, in Ilok. Bis zur ungarischen Grenze trennt er das ehemalige Jugoslawien in Kroatien und Serbien. Den «Schdrom» gegen den Strich geht es weiter in Richtung Vukovar. Im Kroatienkrieg war die Region um Vukovar das am stärksten unkämpfte Gebiet, die Wunden sind bis heute sichtbar. Im Stadtbild verheilt die Vergangenheit ungleich schneller als im zwischenmenschlichen Alltag, der noch immer von Kroaten und Serben bewohnten Stadt. In Erdut geht es für heute zum letzten Mal über die Grenze und unser Zelt steht schon wieder im Nirgendwo. Irgendwo in den weitläufigen Donau-Auen. Zur Nahrungsaufnahme müssen wir zurück nach Apatin, ein unpackbarer Sonnenuntergang direkt am «Schdrom» begleitet die Nahrungsaufnahme!

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Ein dampfender Fluss, ein Feuchtgebiet und jede Menge freigängiger Viecher


10. Tag: Mittwoch, 26. September

Strecke: Vrhpolje – Mali Zvornik – Loznica – Badovincoi – Zasavica

Die Hunde aus der Nachbarschaft sind sehr nachtaktiv, unsere Haushunde antworten bereitwillig und postwendend.
Auch frühmorgendlich sind die süßen Vierbeiner ungebrochen aktiv und erschweren den Bekleidungsvorgang. Dichte undurchschaubare Schleier tauchen auf, die Drina dampft. Bis Loznica weicht sie uns nicht von der linken Seite, später verschwindet sie aus dem Blickfeld, wir biegen ab in Richtung Sremska Mitrovica. Spätestens morgen sehen wir uns wieder, wenn sich die Drina in der Save Richtung Donau verfüssigt hat. Wider Erwarten finden wir ein Traumcampingplatzerl mitten in der Prärie, nahe der Save. Das Nest heißt Zasavica und liegt in einem der letzten, authentisch erhaltenen Feuchtgebiete Serbiens. Im angeschlossenen Naturschutzgebiet tummeln sich jede Menge freibewegende Viecher: Esel, Pferde, alle möglichen Arten von Rindviechern, Federvieh, Schweine, Schwäne, Schlangen, … Das Wirtshaus vorort serviert zum lokalen Pivo, Gulasch vom Mangaliza-Schwein. Und, das alles und noch viel mehr fast für uns alleine!

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Die Drina, eine geschichtsträchtige Brücke und eine zweifelhafte Fantasiestadt


9. Tag: Dienstag, 25. September

Strecke: Foča – Goražde – Višegrad – Bajina Bašta – Vrhpolje

Die Fühtemperaturen erreichen wenige Grade über Null, alle verfügbaren Schichten werden angelegt. Ein erdiges Frühstück gibt neue Energien.
Der heutige Tag führt von Licht an bis Licht aus entlang der Drina. Die erste Station ist Goražde, nach dem Ende des Bosnienkrieges (1992 – 1995) die einzige mehrheitlich von Bosniaken bewohnte Stadt an der Drina. Višegrad, keine 40 Kilometer entfernt hat in seiner jüngeren Geschichte wenig Ruhmreiches zu berichten. Die Stadt lebt bis heute von seiner einzigartigen Brücke (seit 2007 UNESCO-Weltkulturerbe) und dem dazugehörigen Roman (Ivo Andrić, «Die Brücke über die Drina»). Nur, von der einst multikulturellen Stadt ist nichts mehr übrig. Die letzte Aufregung die zweifelhafte Attraktion «Andrićgrad», eine vom serbischen Regisseur Emir Kusturica künstlich aus dem Boden gestampfte, 2014 fertiggestellte Fantasiestadt. Ausgerechnet auf dem Gelände eines Sportzentrums das einst als Internierungslager für bosnische Muslim_innen genutzt wurde.
Wir verlassen Bosnien in Richtung Serbien, durchqueren den wildromantischen Tara-Nationalpark und landen wieder an der Drina, die ab sofort bis zu ihrer Mündung in die Save die Grenze zwischen Bosnien und Serbien markiert. Auch heute werden die Zeltbetten an der Drina gemacht, auf dem Gelände des «Etno Selo Vrhpolje», einem «Wunder-Wirtshaus» direkt am Fluss. Eine «Maximum-Grillplatte» und nix geht mehr, außer «Laku noć» (Gute Nacht)!

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Muezzin, Temperatursturz und eine Kleinstadt namens Gacko


8. Tag: Montag, 24. September

Strecke: Mostar – Gacko – Foča

Zerrissenes Mostar: Wenn der Muezzin ruft, schalten manche Lokale die Musik lauter, andere schalten sie ab. Die Brücke hat sich geleert, der Mond über ihr ist im Zunehmen, wir sitzen ihr gegenüber und die Kalbsleber schmeckt hervorragend!
Weiter geht die Reise in Richtung Foča, wieder einmal über bergiges Gelände. Von gestern auf heute hat es um satte 23 Grad auf frostige 9 Grad abgekühlt. Die Kleinstadt Gacko präsentiert sich so wie ihr Name klingt: Kohletagebau rundherum, ein dazugehöriges Kraftwerk, marode Häuser, ein desolater Busbahnhof, einzig das Kriegerdenkmal und die othodoxe Kirche glänzen. Dazu gibt es orkanartige Windböen sowie Starkregen. Dober dan Tristesse! Wir finden im «Downtown Pub Gacko» Unterschlupf. Montags zur Mittagszeit, das Bierlokal ist bummvoll, alles junge Menschen, die Frauen allesamt aufgedonnert, die Burschen in erster Linie cool. Alles sehr bizarr, kein Ort um Wurzeln zu schlagen …
Nach einer Woche Sommer sind wir abrupt im Spätherbst angekommen, tiefliegende Wolken, Dauerregen. Auf den gewundenen Straßen trotten unbegleitete Kühe und lange unbeleuchtete Tunnel graben sich durch Bergwelten.
Die Liebste hat einen neuen Sport – Bildbeschreibungen während der Fahrt. Das ist wie Fernsehen für sehbeeinträchtigte Menschen: Kuhherde links. Vulkanizer rechts. Österreichisches Kennzeichen entgegenkommend. Traumhaftes Bergmassiv im Rückspiegel. Stinkende Müllhalde voraus. …
Der Campingplatz im Familienbetrieb direkt an der Drina nahe Foča ist sehr romantisch, auch bei Sauwetter! Wir warten auf eine Regenpause um unser Haus aufzustellen und verbringen die Wartezeit in Foča, einer selten hässlichen Stadt mit einer noch hässlicheren Geschichte. Aber als kleines Zeichen, nach Zerstörung und Vertreibung werden Moscheen wieder aufgebaut.
Das Wasser tröpfelt nur noch vom Himmel, aber jetzt …

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Ein Hotspot für uns allein, Maria über Alles und eine Brücke zwischen Welten


7. Tag: Sonntag, 23. September

Strecke: Kravica Wasserfälle – Međugorje – Mostar

Dort wo sich gestern noch hunderte Touristen gedrängt haben ist bei Tagesanbruch außer uns niemand zu sehen, einzig die Wasserfontänen stürzen noch immer tosend über den Felsen. Auch die Sonne hält sich noch im Verborgenen. Bei so einer Kulisse schmeckt sogar der Löskaffee aus dem Blechhäferl … Noch bevor die Reisebus-Horden über die Kravica-Fälle, nahe der kroatischen Grenze, herfallen ist das Zelt im Automobil verstaut und wir rollen dem nächsten Hotspot entgegen. In Međugorje gibt es nur ein Thema – «Maria über Alles»! Seit in den 1980er Jahren Einwohner von Marienerscheinungen berichteten läuft der katholische Pilger_innen-Tourismus auf Hochtouren. Busladungen erwartungsvoller Bet-Brüder-und-Schwestern verströmen sich auf dem Gelände der St.-Jakobus-Kirche. Es ist Sonntag, das Gotteshaus ist brechend voll. Rundherum in den Souvenierläden regiert der Devotionalien-Kult: Maria in allen Ausführungen, Engerl im kroatischen rot-weiss-roten Schachbrett-Dress, heiliger Šljivovica, … Weiter, weiter! Nach Mostar ist es nur mehr eine Kurzstrecke. Heute gibt es nach sechs Zeltübernachtungen erstmals wieder ein gemachtes Bett. Aber auch in Mostar ist die Welt nicht ganz in Ordnung. Eine Brücke über den Fluss Neretva verbindet zwei ehemals verfeindete Lager. Der Kampf um die Stadt zwischen Bosniaken und bosnischen Kroaten hat tiefe Wunden hinterlassen. Äußerlich im Stadtbild omnipräsent, köchelt es zwischenmenschlich noch immer unter der Oberfläche. Die 2004 nach der Zerstörung wiedereröffnete Brücke ist auch aktuell das Herzstück der Stadt und es kommt immer wieder zu Verstopfungen aufgrund der hohen Besucher_innen-Dichte. Auch hier werden im Basar zweifelhafte Erinnerungsstücke angeboten: Patronen-Kugelschreiber, -Panzer, -Flugzeuge!
Abgesehen davon, mein Ziel endlich einmal «Janjetina» (unter Asche geschmortes Lammfleisch) auf den Teller zu bekommen, ist nach sieben Tagen Bosnien erneut gescheitert. Aber, aufgegeben wird ein Brief!

ps: Mostar im Bild wird morgen nachgeliefert!