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Ein Rechts-Links-Hop-On-Hop-Off-Problem, Belfast in Arbeit und unqualifizierte Augen/Ohren


2. Tag: Montag, 15. Juli

Belfast

Ein Bett und ein Erfrischungsgetränk haben sich noch eingestellt, gegen einen Burger sprach die fortgeschrittene Uhrzeit.
Ein Irish-Breakfast bringt alles wieder in die Ordnung. In Belfast lauert die Gefahr an jeder Ecke, die Rechts-Links-Problematik macht die erste Ausfahrt zum Abenteuer. Schau genau! Und immer andersrum als gewohnt! Hop-On-Hop-Off auf der Busroute durch die Stadt, nur ohne Bus dafür am Faltrad. Belfast eine zerrissene Stadt – teils verfallen, teils rausgeputzt, teils in Arbeit. Zuerst runter zum Fluss. Der Langan (irisch: An Lagáin) entspringt in den Bergen von County Down, fließt durch die Stadt und mündet in der Bucht von Belfast. An seiner Mündung residiert das Titanic-Belfast-Museum. Der Luxusliner verließ 1912 zum ersten und letzten Mal den Belfaster Hafen, der Rest ist Geschichte. In der Nacht zum 15. April versank er im eiskalten Atlantik. Eine Tragödie! An Tragödien hat Belfast keinen Mangel – da wäre noch der immerwährende Nordirlandkonflikt. Der Konflikt («The Troubles») zwischen Katholiken und Protestanten, Republikaner und Loyalisten, IRA und Ulster Volunteer Force, Iren und Briten nimmt kein Ende. Er hat sich beruhigt aber «The Troubles» sind noch immer am Köcheln. Die Falls Road (katholisch-irisch) und die Shankill Road (protestantisch-britisch) sind von einer «Friedensmauer» («Peace Line») getrennt, einer durchlässigen Mauer die bei Bedarf oder über die Nachtstunden geschlossen werden kann. Tagsüber gehört die «Peace Line» den Tourist_innen. Taxi- und Busladungen werden ausgeschüttet und «The Wall» ist um hunderte «Messages» reicher. Jede Seite hat ihre Helden, auf der Falls Road wird Bobby Sands (Mitglied der IRA, starb am 5. Mai 1981 an den Folgen eines Hungerstreiks) auf Wandbildern («Murals») verehrt, in der Shankill Road wird die Queen gehuldigt. Der Lokalaugenschein zu Fuß bringt mehr Verwirrung als Erleuchtung. Ein unqualifizierter Erlebnisbericht: Eine Polizeikontrolle wegen eines Fotos. Alkoholverbot im öffentlichen Raum rund um die Falls-/Shankill-Road. Ein republikanischer sowie ein loyalistischer Pubbesuch. Beide Pubs haben ihre «Hinterzimmer» im Freien für Tabak-Junkies. In beiden Pubs laufen Pferde um die Wette. Und in beiden Pubs wird ordentlich getschechert. In der Shankill-Road ist gerade «Happy-Hour», eine Alleinunterhalterin singt «There’s a bad moon on the rise» (CCR). Die Belegschaft sowohl die Herren als auch die Damen sind am späteren Nachmittag bereits hochgradig übererfrischt! Alles sehr nette Menschen. Eine Biereinladung später, mittendrin: «Austria? Australia!» «No Australia. Vienna! Austria! Close to Germany!» «Germany? Nazi!» «Nein! Aber …!» Kauderwelsch auf der einen Seite, Hauptschulenglisch auf der anderen – No way! Besser nach Hause, zu viele Eindrücke, zu viele Gedanken, zu wenig Erkenntnis – der Schädel brummt. Morgen geht es raus aus der Stadt – Ruhe! – aber für heute ein erschöpftes Baba!

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Ein Haus, ein Bett und vier Mal Untergatte


1. Tag: Sonntag, 14. Juli

Strecke: Wien – Dublin – Belfast (Flug/Bus)

Anreisetag ist ungleich Freudentag: Flughafen, Rad falten, in einer Kiste verstauen, ebenfalls alle «gefährlichen» Gegenstände wie Essbesteck, Fahrradwerkzeug, Zelt-Heringe, … So ein Hering zwischen den Rippen kann tödlich sein! Also, rein in die Aufgabe-Kiste. Alles andere wie Bett, Gewand, Hygieneartikel, Hi-Tech-Allerlei (Kamera, I-Pad, Kabelsalat, …) müssen ins Handgepäck! Weniger ist mehr ist das große Geheimnis der Packkunst und fast nix ist am meisten!
Ist die erste Hürde überwunden, verspätet sich der Abflug, die Luft im Flugvogel ist nicht besser als die in der U6 und die Erfrischungsgetränke sind überteuert! Auch dieser Kelch (Anm. Ärger) wird vorübergehen. Beim Landeanflug zarte Anflüge eines Glücksgefühls. Halbzeitpause. Brompton abholen, Busstation suchen, Sitzplatz erkämpfen. Das allerletzte Ticket Richtung Belfast wird mein Eigen! Hälfte Zwei. Kein Platz, die Radtasche ruht auf meinem Schoß, Bewegungen sind unmöglich. Meine innere Ruhe ist beängstigend! Die vorbeifliegende Landschaft ist in erster Linie grün, grün in allen Schattierungen. Den Grenzübertritt nach Nordirland hab ich verschlafen, farblich hat sich nichts verändert. Am Horizont warten Belfast, ein Bett, ein Burger und ein Erfrischungsgetränk – Cheers!

PS.: österreichisch-deutsch: Untergatte-Schlüpfer