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Ein Tag in der Spielzeugstadt: Mauern, Türmchen, Traumpreise


7. Tag, Donnerstag 22. September

Strecke: Tallinn

Heute haben sich unsere Bromptons einen Ruhetag verdient. Der Vorabend war unspektakulär, geplante Exzesse finden nicht statt. Um halb zehn waren wir wohlgeordnet in unserer Bettstation. Da wäre nämlich folgendes: Tallinn präsentiert sich als Schmuckkästchen, besitzt eine großteils erhaltene Stadtmauer, viele Türmchen und viel Schnickschnack. Alles pipifein herausgeputzt. Die Tourist_innen strömen durch die verwinkelten Gässchen, stoßen entzückte Uuuhs und Aaahs aus und berappen fürs große Bier 5,90 Euro! Das geht sich für die Eingeborenen nicht aus, die bewegen sich außerhalb der Spielzeugstadt, wo die Fassaden bröckeln und die Farben verblassen. Da werden die Pfand-Flaschen gesammelt und der Tschick vom Boden fertig geraucht. Aufkommender Regen treibt uns in eine Straßenbahn. Einmal Endstation tour retour. Die Architektur außerhalb der Mauer wirkt zusammengewürfelt, ein typisches Holzhaus neben einem Plattenbau, daneben ein Neubau-Verbrechen. Und trotzdem sind die Ränder, wenn schon nicht schmucker, interessanter. Und eines hab ich noch – Pinkeln ohne Konsumation kostet einen ganzen Euro. Wir wollen wieder aufs Land!

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Landflucht, Direttissima und eine Spracheinführung


6. Tag, Mittwoch 21. September

Strecke: Vösu – Kotka – Kahala – Kiiu – Haavakannu – Koogi – Maardu – Tallinn

Streckenlänge: 83 km Fahrzeit: 5 h 33 min

Nein Gelassenheit, Ja Panik! Wir fliehen in die große Stadt auf der Suche nach Lärm, Spaß, Rock’n’Roll und einer Warmwasserdusche. 83 Kilometer im Stück nehmen wir dafür in Kauf. Wir kehren der Holzfällerromantik den Rücken. Das klingt jetzt alles sehr drastisch, verifizieren lässt sich nur der Wunsch nach heißem Wasser. Ungeduscht treiben wir unsere Bromptons und uns selbst zu Höchstleistungen und nehmen die Direttissima-Verbindung. Wir nähern uns von Nord-Osten der Stadt, es folgt Waldfriedhof auf Waldfriedhof. Dann die Stadteinfahrt. Tallinn im Gegenlicht, davor das Meer erste Reihe fußfrei, eine Kaimauer und jetzt: eine Genuß-Tschick!
Abschließend noch eine kurze Spracheinführung: Guten Morgen heißt „Terre Hommikust“, Fluss „Jogi“, Weg heißt „Tee“, Hafen „Sadam“, Käsmu heißt nicht „Milchkuh“ und jetzt Hüvasti – „Baba“.