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Fast ein Raufhandel, der Wind macht die Stimmung und ein unsichtbarer Pub


10. Tag: Dienstag, 23. Juli

Strecke: Killala – Ballycastle – Downpatrick Head – Glenamoy – Carrowteige – Benwee Head

Streckenlänge: 71 Kilometer

Mein Nebenan am Tresen des «John Lynn’s» ist Teilzeitfarmer, leben davon geht sich nicht aus, «es gibt zu wenig Geld für Fleisch und Milch», sein Job bei Coca-Cola ernährt die Familie. Die abendliche Koch-Session wird von einer offensichtlich Wahnsinnigen und ihrem offensichtlich normalen Schäferhund unsanft unterbrochen. Beleidigungen werden ausgesprochen, Schimpfwörter fallen, Gegenstände fliegen durch die Luft, fast kommt es zum Raufhandel. Irgendwann schleicht sie die B…. und es darf weitergekocht werden.
Der Tag beginnt wie jeder Zelttag mit einem Häferl-Kaffee. Die Sonne zeigt sich, obwohl die drohend schwarzen Wolken, immer auf Bereitschaft am Himmel mitziehen. Heute kommen fast alle Windrichtungen zum Einsatz, es beginnt mit Rückenwind, später kommt er von links und noch später auf Konfrontationskurs. Mit der Windrichtung ändert sich auch die jeweilige Stimmung. In den besten Momenten gibt es Anflüge vom Gefühl der absoluten Freiheit!
Der Downpatrick Head mit seinem gigantischen Brandungspfeiler ist der erste Kick des Tages (Foto). Zu Fuß geht es über eine Gasbuckelpiste zum Klippenrand. Ab Ballycastle verändert sich die Landschaft, die Gegend wird rauer. Es verschwinden die Häuser, es verschwinden die Automobile und es verschwinden auch teilweise die Zäune, die Schafe haben Freigang! Die heutige Endstation ist der Benwee Head, ein einsamer Zipfel am Ende der Insel. Klippen und grüne Hügel soweit das Auge reicht. Am Weg dorthin wenige verstreute Häuser, eine einsame Einkaufsmöglichkeit und ein unsichtbarer Pub. Kein Wegweiser, keine Bierwerbung, kein Garnichts. Beim dritten Anlauf gibt es dann doch noch Internetz und Guiness!