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Perfekte Welle, perfekter Strand


6. Tag: Sa. 24.03.

Short-Stories aus Portugal (6)

Salema – Cabo de São Vicente – Sagres – Praia da Ingrina – Lagos

Erhöhtes Regen- und Windaufkommen während der Nacht, trotzdem, unser Zelt steht auch bei Tagesbeginn noch wie ein Einser! Der Regen geht, der Wind bleibt. Am Cabo de São Vicente, dem südwestlichsten Punkt Festland-Europas, hat er, der Legende nach, schon einige unachtsame Besucher über die Klippen gefegt. Den Wellenreiter_innen einen Strand weiter ist der stürmische Blasius hingegen ein willkommener Gefährte. Reiten auf der perfekten Welle, aber auch der eine oder andere «Köpfler» ist mit im Programm.
Der perfekte Strand liegt wenige Kilometer weiter östlich der Bier-Metropole Sagres. Praia da Ingrina, ein Traum von einem Strand. Links Klippen, rechts grüne Hügel, in der Mitte feinster Sand. Die Krönung ist ein charmant bodenständiges Wirtshaus in der ersten Reihe fußfrei – alle Punkte!
Zurück in Lagos wartet heute Wiener Küche auf uns, ein ofenfrischer Schweinsbraten zubereitet von unseren Lieblings-Portugallier_innen Margit und Max! Dazu gibt es stilecht portugisisches «Super Bock». Saúde, auf Euch!

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Atlanktikwellen, Meeresrauschen!


5. Tag: Fr. 23.03.

Short-Stories aus Portugal (5)

São Marcos da Serra – Monchique – Aljezur – Ariffana – Salema

Regen auf allen Wegen durch Hügelwelten nach Monchique, der berigen Metropole des Schlechtwetters, an den Hängen der höchsten Erhebung der Algarve, des Fóia (902 m). Durch Nebelwelten geht es zurück Richtung Atlantik. Die Nähe zum Nass erhöht auch das Aufkommen menschlicher Naturen. Es bleibt erträglich. Atlantikwellen, Meeresrauschen! Auf geschundenen Wegen von Klippe zu Klippe. Spektakuläre Ausblicke geben sich die Hand und irgendwann trauen sich auch einige Sonnenstrahlen aus der Deckung – ein kurzes Vergnügen. Kurz vor Licht aus, das Zelt steht, das Schlechtwetter wartet. Am Strand von Salema bekommen zwei hungrige Bäuche eine bekömmliche Füllung „Fresh-Fish-Food“. Später im Camping-Wirtshaus wartet die Erfrischung, der Weg zur Schlafstadt ist berechenbar, der Himmel darf brechen!

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Hügelwelten


4. Tag: Do. 22.03.

Short-Stories aus Portugal (4)

Cabanas de Tavira – Vila Real de Santo António – Foz de Odeleite – Mértola – Castro Verde – São Marcos da Serra

Alles wieder gut, ein sonniges Frühstück am Wasser macht den Algarven-Trubel und die Nacht im Campingplatz-Käfig vergessen. Einen Steinwurf von der spanischen Grenze, der Fluss Guadiana trennt Portugal von Spanien, wartet das portugisische Hinterland. Ein einsames Asphaltband führt durch eine bucklige Welt: rote Erde, saftig grüne Wiesen, gelbe Blumenflecken, Hochebenen, keine Autos, keine Menschen, dafür überall Störche. Wenige Ansiedlungen wie das Schmuck-Städtchen Mértola und das unaufgeregt schöne Castro Verde betten sich in das Landschaftsbild.
Letzte Ausfahrt São Marcos da Serra. Eine schroffe, an ein Andendorf erinnernde Ortschaft trotzt auf einem steilen Hügel der Zeit. Enge Gassen, vereinzelte kleine Läden und ein spärlich besuchtes Café Central drängen sich um einen schlichten Platz mit Weitblick ins Umland. Auf Abwegen über holprige Pisten erreichen wir unsere gut versteckte Campingoase mitten in der Prärie.

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Auf Irrwegen


3. Tag: Mi. 21.03.

Short-Stories aus Portugal (3)

Gestern noch im Paradies, macht die Romantik heute Pause. Auf der Suche nach «mehr» besorgen wir uns im Übermut ein Vierrad um die Algarve zu entdecken. Kurz zusammengefasst: die schönen Fleckerl aus der Erinnerung sind unauffindbar, mehrstöckige Reihenhäuser haben sie abgelöst, selbst die Campingplätze haben sich in Festungen verwandelt. Die malerischen Küstenstreifen können die Bausünden nicht wettmachen und die Portugis_innen verkommen zu Statist_innen, das Land ist fest in britischer Touri-Hand. Das Glück ist ein Vogerl, heut‘ ist es ausgeflogen – unsere Feldbetten sind von Zäunen umgeben und kein einziges lokales Wirtshaus in Sicht, selbst dem Mitteilungsbedürfnis geht die Luft//Lust aus …

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Drunter und drüber


2. Tag: Di. 20.03.

Short-Stories aus Portugal (2)

Durch Felsspalten, Höhlendurchgänge, über Klippen, auf sandigen Pfaden – von Praia zu Praia. Eine unwirkliche Landschaftsformation jagt die nächste, unterbrochen von Bausünden und Leuchttürmen. Die Temperaturen lassen die Kleidung Schicht um Schicht im Rucksack verschwinden. Nächster Hügel, nächste Klippenfront, nächstes Traumpanorama, nächste Bausünde, genau in dieser Reihenfolge. Die Bausünden sind für die hart arbeitende Arbeiterklasse aus dem Boden gestampft worden, um ihnen ihr schwer verdientes Bares abzuknöpfen. Die wirklich unverschämt schönen Flecken sind mittels Zäunen abgeschirmt und trennen das Kapital vom Rest der Welt. Nach jeder Bucht ändert sich die Landschaft, Kopf und Augen tanzen aufgrund der Naturkulissen. Rund 20 Kilometer später in Burgau findet die Praia-Tour bei lokalen Erfrischungsgetränken ihr Ende. Max und Margit unsere lieben Portugallier_innen kommen mit ihrem Vierrad um unser müdes Fleisch retour nach Lagos zu transportieren.

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Launiges Lagos


1. Tag: Mo. 19.03.

Short-Stories aus Portugal (1)

Urlaub bei Freunden – ausnahmsweise in Portugal ganz ohne Brompton.

An einigen Stränden ist der Sand verschwunden, an anderen deckt er alles zu. Genauso launig wie das Sandaufkommen verhält sich der Himmel, einmal schifft es aus offenen Schleusen, Minuten später ist das Nass wieder vertrocknet. Lagos, du verrückte Stadt, steil abfallende Klippen, kilometerlange Sandstrecken. Die Gäste haben die Kleinstadt an der südlichen Algarve fest im Griff. Die Lokale, die Häuser, die Geschäfte befriedigen vordergründig die Bedürfnisse der auf Kurzbesuch Zugereisten. Diejenigen, die einen Meldezettel in der Kleinstadt besitzen müssen sich hinten anstellen und besetzten die Ränder. Nur den Möwen gehört die ganze Stadt.

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Kirkenes hier, Russland da und der große Flugzirkus


7. Tag: Dienstag, 27. Februar

Strecke: Kirkenes – Oslo – Amsterdam – Wien (Flug)

Ein letztes Frühstück an Bord, dann beginnt das Rückreise-Drama, einen ganzen Tag wird es verschlingen. Voraussichtliche Ankunft Wien: 22.40 Uhr. Aber noch sitzen wir vor unseren Spiegeleiern und kämpfen mit unseren Lachsbergen, Kirkenes vor unserem Fenster. Kirkenes ist der „nördlichste“ (schon wieder) Festland-EU-Außenposten, wenige Kilometer in Richtung Osten steppt der russische Bär.
Der Flughaven Kirkenes befindet sich ein Stück weit außerhalb der Stadt und ist sehr süß klein – jetzt beginnt die Rückreise-Tortur. Einzelheiten erspare ich euch, die würden zu weit führen … wir hören uns. Vielen Dank für eure Reisebegleitung!
Alles Liebe
Mario

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Das „Nördlichste“, das Nordkap und „Gscheade im Pelz“


6. Tag: Montag, 26. Februar

Strecke: Hammerfest – Honningsvåg – Nordkap

Logbuch 6. Tag, das Thema zum Tag steht felsenfest: Das Nordkap! Eine gebuchte Tour lässt sich diesmal nicht verhindern, zu knapp ist die Ausflugsfreizeit. Ausgangspunkt für die 40 Kilometer lange Fahrt zum nördlichsten Punkt Europas, was so auch wieder nicht stimmt, ist der Fischerort Honningsvåg. Schon wieder die Sache mit dem „nördlichsten Dies-und-Das“, genau gesagt müsste es heißen: „Der nördlichste Punkt Europas, der auf Straßen vom europäischen Festland aus erreicht werden kann“, aber Schluss mit den Spitzfindigkeiten. 45 Minuten geht es mit dem Bus durch die Schneewüste, auch die Fahrbahn ist ganz in Weiß gehalten, alles ist weiß, soweit der Blick auch reicht. Die letzten Kilometer fährt uns ein Schneepflug voran um das üppige Weiß zu verschieben. Das Nordkap befindet sich am letzten Zipfel der Insel Magerøya im Bezirk Finnmark. Eine Reisebegleitung verkürzt uns die Fahrzeit mit Wissenswertem und kommt gleich zum Punkt: „Hier in Honningsvåg haben wir die nördlichste Bürgermeisterin, den nördlichsten Kreisverkehr, das nördlichste Seniorenheim, den nördlichsten Unterwassertunnel, die nördlichste Fahrschule, das nördlichste … der Welt.“ Die nördlichste thailändische Reisebegleiterin der Welt hat Witz! Abseits der Geographiekunde geht es um Volkskunde – sagen Sie niemals Lappen zu den Samen, das wäre politisch unkorrekt und schon hab ich Helmut Qualtinger im Ohr: „Lappen, des san Gscheade im Pelz“ und muss politisch unkorrekt lachen. Am „nördlichsten“ Ziel von Europa befinden sich eine Aussichtsplattform, ein Globus und rundherum hunderte Knipser_innen. Es ist alles gesagt … Nur noch eines, ich gestehe: ein Selfie hab ich auch gemacht!
Die Fahrt retour ist, wie schon die Hinfahrt, landschaftlich beeindruckend und informativ lustig.
Das Nordkap haben wir gesehen, es folgt das letzte Abendmahl (heute mit Rentier-Steak) und morgen in Kirkenes wartet der Blechvogel der uns wieder nach Hause bringt – Skål!

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Wider besseren Wissens, das schüchterne Nordlicht und ein Traum von Tromsø


5. Tag: Sonntag, 25. Februar

Strecke: Harstad – Finnsnes – Tromsø

Manche „Reinfaller“ sind einem eigentlich schon vor der Tat bewusst, so geschehen beim gestrigen Kurzausflug in das „Magic Ice“ von Svolvær: Eisskulpturen mit angeschlossener Ice-Bar – Rein-Raus – ein Touristennepp mit Ansage. Der zweite bleibende Eindruck dieses Kurzaufenthaltes bleibt in der Nase hängen: ein Fischgeruch aufgrund des zum Trocknen aufgehängten Kabeljaus auf dem Weg zum Stockfisch (Trockenfisch). Der Highlight des gestrigen Tages kam als Nachspeise kurz vor Mitternacht: das erste schüchterne Nordlicht!
Die heutigen, frühmorgendlichen Tageshöchstwerte betragen frostige minus 23 Grad, gefühlte minus 30! Schnell wieder rein in den wohlig warmen Bauch des Schiffes. Trotzdessen, die weissen Massen rundherum beeindrucken jeden Tag auf’s Neue. Am frühen Nachmittag landen wir in der als „Tor zum Eismeer“ gerufenen Hauptstadt des Nordens, in Tromsø. Apropos Norden, das Attribut „nördlichste/r“ fällt ständig und im Falle von Tromsø: nördlichste Katherdrale, nördlichste Brauerei (Macks Ølbryggeri), nördlichster Bierkeller, … der Welt! Nur was bringt der nördlichste Bierkeller der Welt, wenn er sonntags geschlossen hat?! Auf „nördlichst“ gepfiffen, der schönste Platz in Tromsø ist jener am Hausberg über der Stadt. Die „nördlichste“ Seilbahn – Spaß – bringt schwindelfreie Besucher_innen in wenigen Minuten auf über 400 Meter. Der darauffolgende Ausblick auf Stadt-, Fjord-, Insel- und Berglandschaft lässt sich in Worten nur unzulässig kitschig formulieren.
Die gesammelten, überwältigenden Eindrücke bei einem Erfischungsgetränk zu verarbeiten, geht heute leider nicht (siehe oben). Muss eben der Supermarkt aushelfen, aber auch jener verkauft sonntags nur Erfrischungsgetränke mit maximal 2,5% Sprit. Egal, ein wunderbarer Tag geht zu Ende und wird mit auf’s Schiff geschmugelten „Niedrig-Sprit-Erfrischungsgetränken“ ins Bett getragen. Ach ja, das Nordlicht war auch wieder da!

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Der Schnee erreicht das Schiff, Polarkreistaufe und ein Kaff namens Bodø


4. Tag: Samstag, 24. Februar

Strecke: Polarkreis 66°33’N – Bodø – Svolvær

Kurz nach 7 Uhr in der Früh wird der Polarkreis überquert, sehen tut man nix, der Nebel hat die ohnehin unsichtbare Grenze verschluckt. Auf Deck 7 wird Champagner ausgeschenkt, satte 10 Euro der Schluck – Geschäft ist Geschäft. Inzwischen hat die weiße Pracht auch das Deck der Polarlys erreicht und die Außentemperaturen sind auf 3 Grad unter Null gerutscht.
Zur Belustigung der Reisegesellschaft kommt Gott Neptun zu Besuch, gemeinsam mit dem Käpten vollzieht er die Polarkreistaufe – Eiswasser und Eiswürfel in die Krägen der Willigen – zur Gaudi der Gaffer. Als Belohnung wartet ein Schnaps, Yes Sir!
Rechtzeitig zum Landausflug färbt sich der Himmel wieder blau. Nächste Haltestelle: Bodø. Eine Kleinstadt, Zuhause würden wir sagen ein Kaff. Wieder so eine Legostadt, aber diesmal absolut charmebefreit. In der ersten Reihe stehen Hotels, in der zweiten breiten sich Geschäfte aus, in der dritten wohnen die Menschen und vor den Hotells schwimmen kleine und größere Schiffe. Ein g’scheites Fotomotiv findet sich auch keines, zusammenfassend ließe sich sagen: Bodø war ein Reinfall. Darüber hinaus purzeln die Temperaturen, es ist bitterkalt bei gefühlten minus 15 Grad. Der restlichen Nachmittag dient dazu, die gefrorenen Glieder wieder aufzutauen.