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Go Jajce, Driving by Wetterlage und Winnetou forever!


6. Tag: Samstag, 22. September

Strecke: Jajce – Tomislavgrad – Kravica Wasserfälle

Frühtau, Morgennebel, faule Hunde rund um unser Zelt und Löskaffee aus dem Blechhäferl. Das Camping-Resti hat noch geschlossen, jetzt müssen die letzten Kekse herhalten.
Oberhalb des Pliva Wasserfalls thront die zentralbosnische Kleinstadt Jajce samt Burg. Wir wählen unser heutiges Tagesziel, die Kravica Wasserfälle, nach dem Wetterbericht aus dem Internetz. Der Bergsee Prokoško jezero muss wegen prophezeiter Schlechtwetterlage aussetzen. Es geht trotzdem über die Berge Richtung Süden, auf 900 Meter über dem Meer liegt das nach dem ersten kroatischen König benannte Tomislavgrad. Die bosnischen Kroaten zelebrieren ihre Abstammung mit Kroatien-Flaggen an jeder Ecke. Auf den letzten Kilometern werden Landschaft als auch Klima immer mediterraner. Die angenehme Einsamkeit der Anreise endet abrupt am Parkplatz zu den Kravica-Wasserfällen – Menschen en masse. Die Zufahrt zum Zeltplatz mit dem Automobil wird uns verwehrt, was heißt: Zelt, Bett und Küche tragen! Die Wasserfälle auf Augenhöhe rufen den großen Häuptling aus den ewigen Jagdgründen zurück ins Bild. Winnetou forever! Der Halli-Galli rundherum bringt uns wieder in die Gegenwart. Unser Zelt steht in unmittelbarer Nähe der Kulisse und wir warten nur noch darauf, dass sich die Ausflügler in ihre Stein-Wigwams zurückziehen … Tschüss-Baba!!!

ps: Jajce im Bild, die Kravica-Fälle werden morgen nachgereicht.

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Viel Gegend, sehr kompliziert und Schlechtwetterprogramm


5. Tag: Freitag, 21. September

Strecke: Kulen Vakuf – Bosanski Petrovac – Ključ – Jajce

Die Landschaft? Viel Berg, viel Wald, viel Fluss, viel «Šljiva» (Zwetschke, sowohl fest als auch flüssig). Kleine Straßen mit und ohne Asphalt laufen Flüssen entlang und klettern Bergstraßen hinauf. Viel unberührte Gegend, weitgehend unbesiedelt, Serpentinen winden sich einen Pass auf 1.040 Meter Höhe hinauf, oben ein einsames Wirtshaus, umgeben von einem geschundenen Dorf, unten erstreckt sich ein Hochplateau. Vereinzelt wird unterwegs in Waldgebieten vor Personenminen gewarnt. Ab Ključ wird die Besiedelung wieder dichter und wir rollen ein in die Republika Srpska. Ein ehemaliger österreichischer Bundeskanzler hätte gesagt: «Das ist alles sehr kompliziert!» Bosnien und Herzegowina setzt sich aus den Regionen Bosnien im Norden und der Herzegowina im Süden zusammen. Politisch wird es «komplizierter», hier wird zwischen der Föderation Bosnien und Herzegowina (mehrheitlich Bosniaken und bosnische Kroaten), der Republika Srpska (mehrheitlich bosnische Serben) und dem Distrikt Brčko getrennt. Wieder zurück in der Föderation steht unser Zelt heute am Plivsko Jezero nahe Jajce. Unerwartet einsetzender Regen verhindert weitere Abenteuer. Unser Schlechtwetterprogramm: Duschen, Essen, Trinken!

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Ein Traumplatzerl, Rakija zur Begrüßung und ein Nationalpark-Paradies


3. Tag: Mittwoch, 19. September

Strecke: Bihać – Orašac – Kulen Vakuf

Nächtliche Probleme mit meinem aufblasbaren Bett, dem mehrmals die Luft ausgegangen ist. Platzende Nähte, ein Montagsfabrikat!
Beim morgendlichen Frühstück oberhalb einer Una-Kaskade ist das nächtliche Liegeproblem auch bald wieder vergessen. Der heutige Tag ist voll und ganz auf den Una-Fluss ausgerichtet. Die Una entspringt im kroatischen Grenzgebiet zu Bosnien, markiert über eine weite Strecke die Grenze zwischen den beiden Ländern, mündet in die Save und erreicht weiter über die Donau das Schwarze Meer. Heute sind es nur rund 30 Kilometer bis zur nächsten Station. Am Weg immer wieder vom Wildwuchs überwucherte Ruinen des Balkankrieges.
In Kulen Vakuf befindet sich ein «Traum-von-Campingplatz» direkt an der Una. Der Besitzer kann sich auch in Deutsch verständlich machen, er verbrachte die Kriegsjahre in Krems an der Donau. Zur Begrüßung gibt es selbstgebrannten Rakija. Der Nachmittag gehört dem Una-Nationalpark, eine sandige Rumpelpiste führt bis auf wenige Meter zum Štrbački buk, dem höchsten Wasserfall im Nationalpark. Von hier aus geht es zu Fuß weiter auf schmalen Pfaden in die Wildnis, einzig die angekündigten Bären bleiben in ihrer Deckung. Ein Traumtagerl mit ganz viel «Sunce» (Sonne). Die schwerste Entscheidung kommt zum Schluss: Der Camping-Wirt hat ein Feuerl angeworfen, Una-Pastrmka (Forelle) oder bosnisches Kesselgulasch stehen zur Auswahl – die Auflösung folgt morgen – Prijatno!

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Länder im Schnelldurchlauf, offene Wunden und ein Fluss namens Una


2. Tag: Dienstag, 18. September

Strecke: Dedenitz (A) – Ptuj (SLO) – Zagreb (CRO) – Slunj – Bihać (BiH)

Zuerst war es der Nebel der sich dicht über den Feldern breit machte, dann arbeitete sich die Sonne durch die Bäume in Richtung Himmel und mit ihr kamen die Rehe.
Vier Länder im Zeitraffer: Einen letzten Katzensprung durch Österreich, auf schmalen Landstraßen durch Slowenien, auf breiten Highways bis Karlovac und weiter auf geschlungenen Wegen durch Kroatien bis ins bosnische Bihać, wo einsam am Ufer des Una Flusses unser Zelt-Haus steht.
Ab Karlovac zeigen sich immer noch die nicht verheilten Wunden des Jugoslawienkrieges – verwaiste Häuser, Einschusslöcher, Kriegsruinen. Die Kleinstadt Bihać erlangte als belagerte Enklave weltweite Aufmerksamkeit. An der Oberfläche ist wieder Ruhe eingekehrt und im «Restoran Sunce» direkt an der Una springen die Fische, freuen sich die Enten über Brotreste und die Pljeskavica schmecken wie damals. Einzig der nicht hohe, dafür breite Wasserfall rumort.

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Nach dem Auftritt ist vor der Reise


1. Tag, Montag 17. September 2018

Strecke: Leipzig – Prag – Wien – Dedenitz

Wenn der Rausch ausklingt … Ein heftiger Chorausflug drängt sich vor die Balkan-Tour. Der CHORKRAWALL 2018 live @ Gieszer 16 in Leipzig. Fünf Chöre aus vier Ländern. Der Stadtteil Plagwitz ist neben Connewitz das subkulturelle Zentrum der Stadt. Punks, Freaks, Trallala, … Fabrikshallen, Graffitis, alternative Wohnprojekte, Nachbarschaftsgärten, bewirtschaftete Baulücken (Tipp: Der wilde Heinz, ein Brettergasthaus), Spätis, Brass-Banditen, Rotkäppchen-Sekt, … Kurz zusammengefasst: das Stimmgewitter (anarchistischer Chor der Straßenzeitung Augustin) hat die Hütte gerockt, sowohl auf der Bühne als auch auf der Aftershowparty! Wenn der Rausch ausklingt ist der Tag am nächsten!
Aus-Stopp-Retour: Leipzig, Prag, Wien, raus aus dem Tourbus, rein in ein kleines Automobil und weiter geht die Reise. Unsere Bromptons bleiben diesmal zu Hause, im Kleinwagen geht es Richtung Ex-YUgoslawien. Nach zwölf Stunden Autobahn steht das Zelt unter Obstbäumen, neben Maisfeldern, die slowenische Grenze ist in Greifweite. Auf einer Streuwiese des Hollerhofes wo einst der deutsche Liedermacher und linksdrehende Kabarettist Dietrich Kittner (1935 – 2013) sein letztes Zuhause fand. Jetzt noch ein Backhenderl, ein Flascherl Heckenklescher (Wein/Rabiatperle) und gute Nacht!