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«Oldies but Goldies on Tour» (5): Omiš & Hinterland


Mittwoch, 24. Oktober

Zum Gaudium asiatischer Reisegruppen sind heute morgen die Römer in die Altstadt von Split eingedrungen. Arme Schweine in vertrottelten Kostümen. Mobile Bildermacher auf langen Stangen sind im Dauereinsatz! Schnell raus aus der Stadt …
Omiš:
Der Küstenort südlich von Split war einst eine Seeräuberhochburg. Heute ist Omiš ein fast harmloses Touristen-Dorf umgeben von hohen Felsen, mit einer herzeigbaren Altstadt, einer Burg, einem Fluss und einem ausgedehnten Strand. Gefährlich sind nur noch die Gehsteige, «Goldie-Karli» holt sich nach einem Sturz auf holprigen Umwegen ein blutiges Knie! Bis zum 94er ist alles wieder gut verheilt – versprochen!
Wir folgen dem Cetina-Fluss gegen den Lauf ins Hinterland. Felsendurchbrüche, geschundene Serpentinen-Straßen, steil abfallende Schluchten, traumhafte Ausblicke und ein Wasserfall. Aber irgendwann mündet auch die aufregendste Strecke in einer Autobahn und die führt retour nach Split. Das größte Abennteuer des heutigen Tages steht noch aus: bis der Tisch sich biegt, unser letztes Abendmahl!
Abendprogramm: im Bahnhofs-Tschocherl ist eine Bestellung nicht mehr von Nöten, der Herr Ober bringt automatisch das richtige Set – «Hvala» vielmals!

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«Oldies but Goldies on Tour» (4): Šolta


Dienstag, 23. Oktober

Im Gegensatz zum Schiffernakel nach Brač ist die Fähre nach Šolta fast leer. Eine kleine Hand voll Touristen und der Postbus mit den neuesten Nachrichten vom Festland.
Šolta:
Gerade einmal 57 Quadratkilometer klein, besitzt Šolta eine einzige Hauptstraße. 17 Kilometer lang von Maslinica bis Stomorska, dazwischen liegt der Hauptort der Insel, das verschlafene Grohote. Die Abwege von der Hauptroute sind an den Fingern einer Hand zählbar, eine Abzweigung führt in die Bucht von Nečujam. Die «Goldies» waren bereits vor 55 Jahren in Nečujam. Damals gab es noch keine asphaltierte Hauptstraße, keine Autofähre und so gut wie keine Unterkünfte. Die Melancholie fängt an zu schwingen: «Goldie» Eins an «Goldie» Zwei: «Damals, weißt du noch …, schön das noch einmal zu erleben!» Anders als Brač ist Šolta nicht XL sondern S, weniger überlaufen, es gibt unzählige lauschige Badeplätze und eine goldene «Sandnase» ins Meer hat Šolta auch. Klarer Punktesieg für Šolta!
Abendprogramm @ Split: same, same (in Worten: Bahnhofs-Tschocherl mit Meerblick)!

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«Oldies but Goldies on Tour» (3): Brač


Montag, 22. Oktober

Wir kehren Split den Rücken und widmen uns der Insel Brač. Die Fährlinie «Jadrolinija» verbindet das Festland mit den benachbarten Inseln.
Brač:
Die drittgrößte Adria-Insel wirbt mit ihrer Hauptattraktion, dem «Goldenen Horn», aber alles der Reihe nach. In Supetar legt der Schiffsriese an, entleert Pendler, Touristen und jede Menge Blech auf Rädern. Drei mehr oder weniger bemerkenswerte Stationen begegnen uns bis zu unserer Rückschiffung in Richtung Split. Ložišća im westlichen Teil der Insel liegt kriminell romantisch in Hügelwelten gebettet. Die einzige, einspurige Hauptstraße durch die Ortschaft wird abwechselnd jeweils nur in eine Richtung befahren. Der im Südwesten gelegene Küstenort Milna befindet sich bereits im Winterschlaf. Die Meute an Urlauber_innen ist längst abgereist, die meisten Lokale sind bumm zu und an den Ufern parken die unzählbaren Yachten der «Gstopften»! Die große Enttäuschung kommt zum Schluss an der Südküste bei Bol – das «Goldene Horn». Ein klingender Name für viele Tonnen Sand, die sich mehr oder weniger zufällig zu einer «Nase» direkt ins Meer hinaus geformt haben. Ein Schlaumeier aus der Tourismusindustrie hat dazu die Trademark «Goldenes Horn» erfunden und die Insel Brač verdient sich damit eine «Goldene Nase». Na Brač! Morgen wartet Šolta auf uns, die «kleine Schwester» von Brač.
Abendprogramm @ Split: same, same!

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«Oldies but Goldies on Tour» (2): Trogir, Primošten, Rogoznica


Sonntag, 21. Oktober

Geschlafen wie ein Kaiser. Gefrühstückt wie die Kaiser inmitten des ehemaligen Palastes. Wir widmen uns gestärkt der nahe gelegenen Nachbarschaft.
Trogir:
Um den historischen Stadtkern – Wohnhäuser und Paläste aus den Perioden der Romanik, Gotik, Renaissance und Barock – fließt Wasser herum. Reisegruppen drängen sich durch die engen Gassen der Kulissenstadt. Trogir diente als Drehort für das Karl-May-Abenteuer Winetou III: «Der Häuptling hörte die Glocken von Santa Fe und ahnte Böses … Old Shatterhand galoppiert durch die engen Steinstraßen um seinem Blutsbruder das Leben zu retten … Der Ausgang der Geschichte ist bekannt … der weiße Bruder scheitert, der edle Häuptling beißt ins Gras und hält Einzug in die ewigen Jagdgründe!
Primošten (Bild), Rogoznica:
Zwei ehemalige Fischerdörfer an der adriatischen Küste. Das Fischen ist mit den Jahren aus der Mode gekommen, inzwischen bringt der Tourismus die Butter aufs Brot der eingeborenen Bevölkerung. Allerdings, anders als in Trogir ist in Primošten und Rogoznica der Vorhang schon gefallen. Die Rolläden sind heruntergelassen und wo sich in den Sommermonaten noch die Massen zwängten ist es an diesem Sonntag Nachmittag mucksmäuschenstill. Die Cafés leer bis geschlossen. Einzig die Bronze-Statue des einsamen «Fischers» muss an der Strandpromenade ausharren.
Zurück in Split:
Meine lieben «Goldies» horchen schon an der Matratze, als übriggebliebener «Oldie» nehm ich noch einen letzten Schluck im Bahnhofs-Resti «Ferata» am Hafen mit Blick auf die Fähr-Schiffernakeln.

ps: für «Selfies» sind die Hände zu kurz, darum zwei «Goldies» im Bild und ein «Oldie» bedient den Auslöser.

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«Oldies but Goldies on Tour» (1): Split


Samstag, 20. Oktober

Diesmal ist es nicht der «Eiserne Vorhang», diesmal ist eine andere «Magical Mystery Reise» unter der Überschrift: «Oldies but Goldies on Tour»!
Zusammen sind wir 221 Jahre jung, alle drei noch grün hinter den Ohren mit großer Lust an berechenbaren Abenteuern. Berechenbar übersetzt ist gleich: Füße vertreten, Fischplatte essen, Erfrischungsgetränke kippen, Ausflüge in die nähe Umgebung, chillen, … Die großen Abenteuer haben wir bereits hinter uns, beziehungsweise stehen uns noch bevor … Die Akteure: Hermi (Tante), Karli (Onkel) und Mario (da Bua), gemeinsam sind wir ein unschlagbares, erprobtes (Reise)Team. In den nächsten Tagen gibt es «(unprofessionelle) Selfies & (semiprofessionelle) Kurznachrichten» von der Küste.
Split: Zweitgrößte Stadt Kroatiens, «Hauptstadt Dalmatiens» an der Adriaküste und der römische Kaiser Diokletian hat sich hier gleichermaßen verewigt als auch wohlgefühlt. In diesem Sinne: Leben wie die Kaiser!

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Serbische Müllentsorgung, mehrmalige Grenzübertritte und ewig lockt der «Schdrom»


11. Tag: Donnerstag, 27. September

Strecke: Zasavica – Sremska Mitrovica – Šid (SRB) – Ilok (HR) – Vukovar (HR) –Erdut (HR) – Apatin (SRB)

Nach einer frostigen Zeltnacht wärmt die Sonne während des Frühstücks am nördlichen Save-Ufer in Sremska Mitrovica. Es geht weiter auf Kurzstrecken bis zur heutigen Endstation nahe Apatin.
Kurz nach Šid am malerischen Sotsko Jezero, zu Füßen der Fruška Gora (Nationalpark am rechten Donauufer, in der serbischen Provinz Vojvodina), gibt es uein nrühmliches Beispiel von Müllverarbeitung – Alles rein in den Blech-Container und Feuer frei!
Der nächste Stopp liegt direkt am «Schdrom» (Donau), an der Nabelschnur, am Herzfluss, in Ilok. Bis zur ungarischen Grenze trennt er das ehemalige Jugoslawien in Kroatien und Serbien. Den «Schdrom» gegen den Strich geht es weiter in Richtung Vukovar. Im Kroatienkrieg war die Region um Vukovar das am stärksten unkämpfte Gebiet, die Wunden sind bis heute sichtbar. Im Stadtbild verheilt die Vergangenheit ungleich schneller als im zwischenmenschlichen Alltag, der noch immer von Kroaten und Serben bewohnten Stadt. In Erdut geht es für heute zum letzten Mal über die Grenze und unser Zelt steht schon wieder im Nirgendwo. Irgendwo in den weitläufigen Donau-Auen. Zur Nahrungsaufnahme müssen wir zurück nach Apatin, ein unpackbarer Sonnenuntergang direkt am «Schdrom» begleitet die Nahrungsaufnahme!

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Länder im Schnelldurchlauf, offene Wunden und ein Fluss namens Una


2. Tag: Dienstag, 18. September

Strecke: Dedenitz (A) – Ptuj (SLO) – Zagreb (CRO) – Slunj – Bihać (BiH)

Zuerst war es der Nebel der sich dicht über den Feldern breit machte, dann arbeitete sich die Sonne durch die Bäume in Richtung Himmel und mit ihr kamen die Rehe.
Vier Länder im Zeitraffer: Einen letzten Katzensprung durch Österreich, auf schmalen Landstraßen durch Slowenien, auf breiten Highways bis Karlovac und weiter auf geschlungenen Wegen durch Kroatien bis ins bosnische Bihać, wo einsam am Ufer des Una Flusses unser Zelt-Haus steht.
Ab Karlovac zeigen sich immer noch die nicht verheilten Wunden des Jugoslawienkrieges – verwaiste Häuser, Einschusslöcher, Kriegsruinen. Die Kleinstadt Bihać erlangte als belagerte Enklave weltweite Aufmerksamkeit. An der Oberfläche ist wieder Ruhe eingekehrt und im «Restoran Sunce» direkt an der Una springen die Fische, freuen sich die Enten über Brotreste und die Pljeskavica schmecken wie damals. Einzig der nicht hohe, dafür breite Wasserfall rumort.

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Das lange Band, ein Achterl im Dreiländereck und ein Fisch Paprikasch im Paradies


Eine serbische Reise
Freitag, 15. September

Strecke: Wien (A) – Budapest – Mohac (HU) – Batina (HR) – Bezdan (SRB)

Unterwegs am langen grauen Band, ohne Unterbrechung von Wien bis nach Mohac, beides an der Donau. Ohne Pause. Ab Mohac geht es auf Bundesstraßerln weiter, bei Udvar durchschneiden wir den ehemaligen «Eisernen Vorhang» in Richtung Kroatien. Das kroatische Gastspiel ist ein kurzes. Pause jetzt. In Batina, im Dreiländereck Kroatien, Ungarn, Serbien, wartet 105 Meter über’m «Schdrom» (Donau) ein Glaserl Wein auf uns. Ein erhabenes Monument inmitten von Weinbergen erinnert an die Schlacht von Batina, wo sowjetische und jugoslawische Verbände 1944 die deutschen Besatzer in einer blutigen Schlacht besiegten. Heute trennt die Donau das einst verbündete Jugoslawien. Die erste Endstation der Reise ist die Pikec Csarda bei Bezdan am letzten Zipfel Serbiens. Ein Stück Paradies direkt an der Donau. Donauschiffe ziehen vorbei, Fische zeichnen sich in großen Kreisen unsichtbar im Wasser ab. Die Sonne hat sich inzwischen hinter dem «Schdrom» versenkt, ein Fisch-Paprikasch krönt den ersten Abend.

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Alte Geschichte, jüngere Geschichte und ein Platzerl im Paradies


8. Tag, Freitag 17.Juni

Strecke: Donji Miholjac – Belisce – Beli Manastir – Batina (HR) – Bezdan (SRB) (Karte)

Streckenlänge: 87 km Fahrzeit: 4 h 45 min

Ein Nachtrag. In Donji Miholjac, der gestrigen Endstation, hat sich Franje Josipa der 1. (Franz Joseph I.) ein Denkmal gesetzt. Mitten im Zentrum. Alter Kaiser! Aber das ist eine alte Geschichte. Die Jüngere macht betroffen. In Belisce biegt die Drava von der Rad-Route Richtung Osijek ab, um sich mit der Donau zu vermischen. Ihre nördlichen Au-Wälder säumen noch immer Minen-Warnschilder, inzwischen 21 Jahre nach Ende des Kroatienkrieges!
Bei Batina macht sich dann die Donau breit und bildet die Grenze zwischen Kroatien und Serbien. Auf der anderen Flussseite, bei Bezdan, direkt an der Donau versteckt sich eine kleine Csárda. Das heutige Reiseziel. Ein Wirtshaus am letzten Zipfel Serbiens. Mit Worten schwer zu beschreiben. Ein Platzerl im Paradies wäre treffend. Und jetzt fällt mir mein Freund Ernst Molden ein, der der Donau ein ganzes Album gewidmet hat. Da heißt es verbindend: „Mia san der Schdrom …“ Noch Fragen?

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Die Drava und das Kreuz mit dem Kreuz


7. Tag, Donnerstag 16. Juni

Strecke: Barcs (HU) – Terezino Polje (HR) – Gradina – Novaki – Vaska – Noskovci – Cadavica – Donji Miholjac  (Karte)

Streckenlänge: 90 km Fahrzeit: 5 h

Neuer Tag neues Glück. Die Sensationen haben nicht stattgefunden, trotzdem gibt es Neuigkeiten.
Die Drava (Drau) hat sich als Grenzfluß zwischen Ungarn und Kroatien ins Geschehen eingemischt. Nach dem Seitenwechsel immer zur Linken, gibt sie sich meist schüchtern versteckt. Ein Erfrischungbad hat sie dann doch zugelassen. Weiters: Beeindruckend, die kroatische Vorliebe der Rohbauweise. Eine erste überstandene Hundeattacke. Und das Rasenmähen scheint ganz oben auf der Liste der hiesigen Lieblingsbeschäftigungen zu stehen. Ansonsten: Mais und Getreide soweit das Auge reicht, diesmal aus kroatischer Landwirtschaft. Da bleibt viel Zeit zum Grübeln neben dem Treten, auch kein Nachteil. Nicht nur schwerwiegende Tatsachen werden gewälzt, auch leichtgewichtige Themen kommen zum Zug. Aus aktuellem Anlass ist mir ein schon etwas angegrauter Wolfgang Ambros Schlager wieder in den Sinn gekommen: Mir geht es wie dem Jesus, mir tut das Kreuz so weh …“