Huzulen, ein unerbittlicher Straßenhund und ein böser Zaun


3. Tag: Mittwoch, 3. Juni 2026

Strecke: Rachiw –  Dilowe – Solotwyno – Tjatschiw – Chust

Streckenlänge: 105 km

Heute wird aufgesattelt, immer der Theiß entlang. Die Gegend um Rachiw gilt als Huzulenhochburg, der Geschichte des Bergvolks widmet sich ein eigenes Museum. Es geht durch das Biosphärenreservat Karpaten, in Dilowe orteten monarchische Geografen einen der inzwischen vielen Mittelpunkte Europas. Ein Denkmal von 1887 untermauert diese These.

Nach Dilowe wird die Theiß zum Grenzfluss zwischen der Ukraine und Rumänien. Auf ukrainischer Seite begleitet sie ein scharfer Grenzzaun. Zusätzlich patrouilliert das Militär um kriegsmüde Wehrpflichtige an der Fahnenflucht zu hindern. Ein unfreundlicher Straßenhund lenkt die Aufmerksamkeit weg vom Zaun, die darauffolgende Verfolgungsjagd geht um Haaresbreite an das Team Bobo-Porsche (Brompton Faltrad).

Ab dem Grenzübergang zu Rumänien (Sighetu Marmației) verliert die Strecke ihre Reize. Statt kleinen Einfamilienhäusern mit üppigen Vorgärten, reihen sich unpassende „Schlösschen“, teilweise noch im Rohbau an beide Seiten der Straße, zusätzlich nervt das verstärkte Verkehrsaufkommen. Gesichtslose Kleinstädte und Dörfer wechseln sich ab. In Chust ist Endstation. Chust ist anders, auf einem Hügel sitzt eine Ruine, der Hauptplatz ist großzügig angelegt und es bietet Angebote für Zerstreuung. Allgemein auffallend die hohe Frauenquote und die kaum vorhandenen Männer im Mittelalter. Die meisten Männer im Stadtbild schauen von Plakaten, neben ihnen eine gelb-blaue Fahne, unter ihren Köpfen Blumengestecke. Obwohl der Wiener Stephansdom an Kilometern gemessen näher liegt als die Front im Osten des Landes, macht der Krieg keine Unterschiede. Beim Abendessen setzt sich der Krieg an den Tisch, ein Afghanistan-Veteran und ein Frontsoldat auf Heimaturlaub messen sich mit ihren Erfahrungen. Ein tragisches Match …