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Der Muezzin ruft, Gegenwind und was endlich einmal gesagt werden muss


25. Tag, Dienstag 05. Juli

Strecke: Edirne – Inece – Kirklareli (Karte)

Streckenlänge: 67 km      Fahrzeit: 4 h 33 min

Schwer überfordert! So viele Kulturen in so kurzer Zeit. Gestern beim Abendessen (Hühnerleber, eine Spezialität) hat mich der Muezzin erschreckt. Punkt 21 Uhr. Sehr laut! Viele Gastarbeiter sind zur Zeit auf Heimaturlaub. Am Nachbartisch, die Jugend unterhält sich auf Deutsch, die Eltern sprechen mit der Verwandtschaft Türkisch. Auch mein gestriger Friseur arbeitet in Deutschland, macht gerade Urlaub bei seiner Familie und hilft im Laden eines Freundes aus. Sozusagen eine Haar- und Bartkorrektur im Pfusch.
Heute sollte es eine Spazierfahrt werden. Fast. Das Herausfinden aus der Stadt war eine Aufgabe für Fortgeschrittene. Die Straße immer leicht hügelig, der Belag bekömmlich, meine Freund_innen die Wolken haben die gelbe Sau perfekt abgedeckt, aber der Gegenwind! Gute 60 Kilometer Gegenwind. Er hat die vermeintliche Spazierfahrt zur Tortur werden lassen. Durchschnittsgeschwindigkeit unter 15 km/h. Der schlechteste Wert seit Beginn der Reise! Wurscht, ich bin gut angekommen.
Und was ich schon lange berichten wollte. Ein Hoch auf die Mini-Märkte! ABC-Markt, Magazin Mixt, Mini-Market, … oder wie auch immer. Fast jedes Dorf besitzt so einen Mikro-Laden, wo es von Wasser und Brot bis zum Waschmittel die wichtigsten Gegenstände des täglichen Lebens zu erwerben gibt. Ab dem Grenzübergang Berg (A/SK) ist das ganz selbstverständlich. Solche Greißler, die aus dem heimischen Alltag komplett verschwunden sind, sind für die/den Reisende(n) von unschätzbarer Bedeutung. Diese Läden sind multifunktional ausgestattet und in manchen Dörfern der einzige Treffpunkt. Praktisch Wirtshaus, Trafik, Lebensmittelmarkt und Sozialamt in einem. Tagtägliche Lebenshilfe, also wirkliche Super-Märkte!
Zurück ins Heute, auch wenn die türkischen Mini-Märkte für meine Bedürfnisse nicht ausreichend sortiert sind – trotzdem großartig! Wunderbarer Cay und möglicherweise ganz tolle Geschichten, nur verstanden hab ich sie nicht.

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Flachland auf Bergland, Grenze auf Grenze, große Stadt auf kleine Stadt


24. Tag, Montag 04. Juli

Strecke: Ivajlovgrad (BG) – Kyprinos (GR) – Rizia – Kastanies – Edirne (TR) (Karte)

Streckenlänge: 44 km      Fahrzeit: 2 h 26 min

Eine kleine Spritztour sollte es heute werden. Trotzdem ist viel passiert. Zwei Grenzübertritte. Aufs Bergland der vergangenen Tage folgt Flachland. Brettleben geht es durch Griechenland. Felder, Sonnenblumen, kleine Dörfer, nette Menschen, dennoch blieb es bei einem Kurz-Gastspiel, schon wartet die nächste Grenze. Bewaffnete Grenzsoldaten sowohl auf griechischer als auch auf türkischer Seite. Eine alte Geschichte. Auf das verschlafene Ivajlovgrad und die griechische Landidylle folgt das pulsierende Edirne. Viele Menschen, viele Moscheen, ein Bazar nach dem anderen, viel Verkehr, viel Lärm. Sonne und Gewitter wechseln sich ab. Und jetzt ist es an der Zeit, der Pelz im Gesicht muss weg, ein türkischer Friseur muss her. Voilà!
Das Blog-Schreiben gestaltet sich mühsam, ständig werde ich zum Tee trinken eingeladen. Vier Einladungen habe ich schon hinter mir. Zum Thema Trinken. Die Getränkekarte hat sich radikal verändert, auf der Liste stehen Cay und Ayran ganz oben. Zum Wohl.