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Sternenhimmel, die muslimische Hauptstadt Serbiens und ein großes Service


Eine serbische Reise
Sonntag, 24. September

Strecke: Acmačići/Camp Uvac – Sjenica – Novi Pazar

Wenn mitten in der Nacht die Blase drückt, sorgt das gewöhnlich nicht für Frohsinn. Raus aus dem warmen Schlafsack, rein in die kalte Nacht. Ein prall gefüllter Sternenhimmel wie aus dem Bilderbuch entlohnt für die frostige Schlafunterbrechung.
Die Freund_innen aus Novi Sad verabschieden sich – «man sieht sich immer zwei Mal». Über malerische Bergwelten erreichen wir Novi Pazar. Einzig die immer wiederkehrenden Müllhalden trüben den Blick auf die idyllische Landschaft. Novi Pazar ist die Hauptstadt der serbischen Bosniaken. In den Straßen-Cafés wird Kaffee oder čaj anstatt von Bier getrunken und die Stadt besticht durch ihren orientalischen Flair. Gleichzeitig gilt sie durch die muslimische Dominanz in der Bevölkerung als Unruheregion in Serbien.
Abseits davon wird heute wieder einmal, nach sechs Nächten im Zelt, in gemachten Betten geschlafen. Und auch ein «großes Hygiene-Service» ist längst überfällig. Ansonsten ist heute ein Tag in Slow-Motion, jetzt ruft der Muezzin und der Atheist bekommt großen Durst.

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Ein Fluss, ein Schiff und ein Panorama aus der Vogelperspektive


Eine serbische Reise
Samstag, 23. September

Strecke: Acmačići/Camp Uvac – Uvac Canyon – Acmačići/Camp Uvac

Die Sonne kehrt zurück. Unser Vermieter bietet Bootstouren durch den Uvac-Canyon an, unser heutiges Tagesprogramm. Das Naturreservat Uvac beheimatet eine Kolonie Gänsegeier mit einer Flügelspannweite bis zu drei Meter. Das Schöne daran ist, es gibt sie nicht nur auf Infotafeln zu sehen, zahlenmäßig weit überlegen kreisen sie über unseren Köpfen. Vor zehn Jahren war der Uvac-Canyon touristisch noch völlig unerschlossen, mittlerweile gibt es ihn in einer (noch) sehr sanften Variante. Unzählige Windungen werden durchschifft bis ein schmaler Pfad steil bergauf zu einer unbeschreiblichen Aussicht führt – unter unseren Augen windet sich die Schlange Uvac, soweit das Auge reicht, keine Straßen, keine Häuser, nur unberührte Natur. Eine Höhle bringt uns wieder auf Augenhöhe mit dem Fluss. Von den Eindrücken überwältigt schaukeln wir erschöpft und glücklich zurück zum Anlegeplatz. Zurück im Camp stoßen wir mit Jelen-Pivo auf eine neue Freundschaft an, Marija und Nemanja aus Novi Sad – Živeli, Prost! Mit Würfelpoker wird ein aufregender Tag abgerundet

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Die Brücke über die Tara, mitten unter Kühen und ein Mini-Camp am Berg


Eine montenegrinisch/serbische Reise
Freitag, 22. September

Strecke: Dobrilovina – Đurđevića-Tara-Brücke – Pljevlja – Prijepolje – Nova Varoš – Acmačići

Als Morgenritual gibt es Tee und Kaffe vom Camping-Gaskocher noch vor dem Frühstück im Camp. Die Bergwelt rundherum ist wolkenverhangen, die Temperaturen weit entfernt vom Wohlfühl-, gerade noch im Plus-Bereich. Rund um die Tara-Brücke ein kurzes Eintauchen in den Tourismusbereich – sehr beliebt ist das Seilrutschen über den Canyon. Über Pljevlja geht es zurück nach Serbien, ein weiterer Canyon wartet. Nova Varoš gilt als Tor zum Naturschutzgebiet Uvac, eine selten hässliche Kleinstadt. Die Suche nach der Tourismus-Info wird zur Expedition. Wir machen uns selber schlau und durchforsten das Internetz. Nahe den Bergdorf Acmačići stoßen wir auf einen Mini-Campingplatz, in der Nachbarschaft einige wenige Bauernhöfe, Kühe, Hendl und Ziegen. Der Uvac-Fluß liegt unweit entfernt unter uns. Unser Vermieter bietet uns für mogen eine Flusstour an. Ein kurzer Spaziergang bietet einen Vorgeschmack. Unten das Wasser und wir, oben kreisen die Weißkopfadler. Zur Begrüßung, wie sollte es anders sein, gibt es Rakija, zum Abendessen traditionelle Hausmannskost. Alles was die Küche verlässt kommt aus eigener Produktion, alles ganz einfach, alles hervorragend! Die von gestern noch immer nasse Wäsche baumelt zwischen Autospiegel und Viechzaun im Wind am Strick

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Familienzusammenführung, die Tara lockt und ein unfreiwilliges Bad


Eine montenegrinische Reise
Donnerstag, 21. September

Strecke: Žabljak – Đurđevića-Tara-Brücke – Dobrilovina – Mojkovac – Dobrilovina

Eine lange Regennacht ist gut überstanden, campen hält frisch. Heute steht nur eine Kurzstrecke auf dem Programm, runter von den Bergen zum Tara-Canyon. Im Rafting-Camp Kapija Kanjona (www.kapijakanjona.com) kommt es zu einer Familienzusammenführung, die Kinder (auch in der Gegend unterwegs) haben uns das Traumplatzerl an der Tara empfohlen. Reisen ist ein Kommen und Gehen, die Jugend zieht weiter Richtung Norden, die Alten bleiben. Im Vorfeld wir noch Wiedersehen und gleichzeitig Abschied gefeiert – landesüblich mit Šljivovica. Eine einsame Straße führt gegen den Strom Richtung Mojkovac, die Tara hält sich meist in der Tiefe verborgen, nur selten gestattet sie einen Blick auf ihren Verlauf. Das Vorhaben einen Frisch-Fisch zu fangen ist noch immer nicht abgehakt. Nächster Versuch. Vom Camp aus führt ein verschlungener Pfad durch den Wald runter zum Fluss. Ein Traumplatzerl gibt Hoffnung. Wobei, die andere Fluss-Seite ist immer die schönere. Gedacht. Getan. Hose aufgekrempelt und rüber. Wasser ist das beste Vergrößerungsglas, seicht ist nur der Blick, schon steht mir der Fluss bis zur Brust. Eiskalt. Flüche verhallen im Flussrauschen. Abbruch.

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Reduzierte Körperpflege, abenteuerliche Panoramastraßen und Wetterumschwung


Eine bosnisch/montenegrinische Reise
Mittwoch, 20. September

Strecke: Patkovina/Drina Camp – Foča – Drinatal – Hum (SRB) – Šćepan Polje (MNE) – Trsa – Žabljak

«Am Tag, als der Regen kam» (Dalida). Wenn der Himmel aus allen Öffnungen weint, gehen Camping und reduzierte Körperpflege Arm in Arm, umso mehr als der Weg zur Pflegestation unangemessen weit ist. Der Abschied vom Drina Camp fällt schwer, wunderbarer Platz, herzliche Betreuung, wunderbare Küche – eine Empfehlung.
Über Foča geht es erneut bergauf, bergab durchs Drinatal zur montenegrinischen Grenze. Direkt an der Grenze vereinigen sich die Flüsse Tara und Piva zur Drina, die Piva eingerahmt von steil aufragenden Felswänden. «Ich fahre mit dem Auto, alles geht so schnell, links der Berg, rechts die Schlucht …» (Minisex), die Straße windet sich durch unzählige unbeleuchtete Tunnel. Ab der Abzweigung nach Žabljak gehts steil bergauf bis zur Baumgrenze. Spätestens jetzt beginnt die Durmitor-Nationalpark-Traumwelt. Schafherden kreuzen die Straße, karge Berglandschaften so weit das Auge reicht. In Žabljak ist es vorbei mit der Abgeschiedenheit – Hotels, Pensionen, Restaurants – und alle wollen zum Crno Jezero, zum Schwarzen See, umgeben von 2.000er Gipfel. Kurze Sonnenfenster und Regen wechseln sich ab. Im Mlinski-Camp, ein montenegrinischer Empfang: Kaffee und Schnaps. In einer Regenpause wird das Zelt aufgebaut, es erwarten uns Temperaturen um die null Grad. Dank «Treksport» (www.treksport.com) ist uns das relativ «wurscht»! Im Aufenthaltsraum spazieren die Hühner zwischen den Tischen, noch schnell eine Jause und ab in die Schlafsäcke!

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Wieder nix Fisch, draußen kalt und drinnen warm


Eine bosnische Reise
Dienstag, 19. September

Strecke: Patkovina/Drina Camp – Foča – Drinatal – Patkovina/Drina Camp

»Der frühe Vogel fängt den Fisch», um sechs Uhr morgens mach ich mich auf den Weg. Neuer Tag, neues Anglerglück, so war der Plan. Wieder nix. Schlimmer noch, jetzt liegen auch die letzten beiden metallischen Fischköder am Drina-Grund zwischen Steinen verheddert. In Foča wird aufgerüstet für den Nachmittag, neue Fischköder wandern ins Einkaufssackerl. Als Fleißaufgabe fahren wir heute schon Mal die morgige Strecke durchs Drinatal Richung Montenegro. Wo noch vor Jahren die Einsamkeit zu Hause war, wachsen Wildwasser-Camps aus der Erde. Zurück im Drina-Camp wird noch einmal an den Fischfangkünsten gefeilt. Angebissen hat wieder keiner, aber Teilerfolge beim Auswerfen und im Umgang mit dem Gerät machen Hoffnung! Inzwischen hat es stark abgekühlt, aber im Zelt bleibt der Wind draußen und im Schlafsack die Wärme drinnen, somit alles im Wohlfühlbereich.

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Die Drina-Brücke, eine weitere Kulissenstadt und eine Frisch-Fisch-Niederlage


Eine serbisch/bosnische Reise
Montag, 18. September

Strecke: Mokra Gora (SRB) – Višegrad (BiH) – Goražde – Patkovina

Das Kusturica Kulissendorf war «nett», aber eben unecht: Ein Ivo Andrić Boulevard, eine Maradonna Straße, ein Che Guevara Weg, ein Stanley Kubrick Kino – ein Schnäppchen für Kusturica-Fans only. Die Bosnische Grenze ist nur mehr einen Katzensprung entfernt. Als erstes empfängt uns Višegrad mit seiner symbolhaften Brücke über die Drina. Nur 28 Kilometer vom «Küstendorf» entfernt befindet sich in Višegrad eine zweite Kusturica Wunderwelt: «Andrićgrad». Wo einst gesportelt wurde steht heute eine weitere Filmkulisse für die geplante Verfilmung des Andrić Klassikers «Die Brücke über die Drina». Sehr viel Scheinwelt in Anbetracht dessen was uns die Brücke alles erzählen könnte: Über gute Zeiten, wo Moslems, Christen, Juden und Orthodoxe sich friedlich die Brücke teilten und über schlechte Zeiten, von Vertreibung und Völkermord im Bosnienkrieg. Weiter geht es gegen den Lauf der Drina Richtung Ursprung, bei Patkovina nahe Foča dürfen wir zum ersten Mal unter Bäumen unser Zelt aufbauen (https://www.autocampdrina.com), die Drina zum Greifen nahe. Nur der Plan mit dem frischen Fisch ist im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen: Ein Blinker (Fischköder) liegt am Grund der Drina vergraben, den nächsten musste ich zwei Mal vom Drina-Grund wieder herauftauchen. Weiters mehrmalige «Wickel» mit der Angelschnur. Eine Niederlage auf allen Ebenen! Heute Abend doch wieder Fisch aus der Wirtshausküche.

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Rakija zum Frühstück, kein Frischfisch an der Leine und schlafen in der Filmkulisse


Eine serbische Reise
Sonntag, 17. September

Strecke: Vrhpolje – Bajina Bašta – Perućac – Nationalpark Tara – Zaovinsko Jezero – Mokra Gora

«Rakija bringt die Menschen zusammen», unser Gastgeber serviert zum türkischen Kaffee gleich ein Stamperl «Sliwo» (Zwetschkenschnaps). Nach dem dritten sind wir sehr weit beisammen, die Drina in Greifweite. Um es vorwegzunehmen, wir haben den Absprung geschafft. Wir folgen der Drina auf der Suche nach einem geeigneten Campingplatz um endlich unser Zelt an der Drina einzuweihen. Fehlanzeige. Auch der erste Versuch einen Drina-Fisch an die Angelleine zu bekommen wird vertagt. Stattdessen schrauben wir uns hinauf in den Tara Nationalpark. Eine unwirkliche Berglandschaft, wir umrunden den Zaovinsko See und hoffen noch immer auf Zeltplatz und Frischfisch. Abermals Fehlanzeige. Auf entbehrungsreichen Straßen landen wir letztendlich in einer Filmkulisse in Mokra Gora. Der Filmregisseur und Musiker Emir Kusturica hat hier für seinen Film «Das Leben ist ein Wunder» ein althergebrachtes Holzhüttenbergdorf das «Küstendorf» aufgebaut, heute ein Touristen-Hotspot mit Übernachtungsmöglichkleiten. Luxus statt Zeltromantik. Reisen ist ein unplanbarer Film.

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Von der Donau zur Drina, Felder-Hügel-Berge und eine verpasster Sonnenuntergang am Fluss


Eine serbische Reise
Samstag, 16. September

Strecke: Bezdan (SRB) – Sombor – Prigrevica – Futog – Sremski Mitrovica – Šabac – Vrhpolje

Mit der Sonne erwachen die Hähne und begrüßen lautstark den Tag. An der Donau ist noch alles ruhig, einzig eine Frau schuppt ihren frischen Fisch. Unser Frühstück wird von schreienden Möwen begleitet. Ein Feldermeer begleitet uns über Sombor nach Prigrevica. Meine inzwischen verstorbene Tante Rosi stammt aus dieser Ortschaft zwischen Sombor und Apatin. Ein kleines vergessenes Dorf inmitten von Landwirtschaft, mit einer kleinen zerrütteten Fußgängerzone und einer katholischen Kirche ohne Dach, aus der die Bäume wachsen. Für die Kinder am Spielplatz sind Besucher_innen aus dem gar nicht so fernen Wien eine willkommene Abwechslung. Sie machen Späße über uns. Zur Mittagszeit zeigt das Thermometer satte 34 Grad. Bei Futog, nahe Novi Sad, treffen wir noch einmal auf die Donau und setzen per Fähre über. Wunderbare Hügelwelten führen uns über die Fruska Gora, die serbische Weinebene nach Sremski Mitrovica. Über Berge und eine unwirkliche Steinschlagstrecke erreichen wir die Drina. Für eine in Kilometer gemessene, relativ kurze Strecke, verbrennen wir unangemessen Benzin und Zeit: 324 gefahrene Kilometer, fast ein ganzer Tag. Den Sonnenuntergang an der Drina verpassen wir ums – in Wien würde man sagen – Oaschlecken. Die Drina markiert hier die Grenze zwischen Serbien und Bosnien. Ein privater Bettgeber direkt am Fluss und eine serbische Grillplatte runden den Tag ab – Živeli!

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Das lange Band, ein Achterl im Dreiländereck und ein Fisch Paprikasch im Paradies


Eine serbische Reise
Freitag, 15. September

Strecke: Wien (A) – Budapest – Mohac (HU) – Batina (HR) – Bezdan (SRB)

Unterwegs am langen grauen Band, ohne Unterbrechung von Wien bis nach Mohac, beides an der Donau. Ohne Pause. Ab Mohac geht es auf Bundesstraßerln weiter, bei Udvar durchschneiden wir den ehemaligen «Eisernen Vorhang» in Richtung Kroatien. Das kroatische Gastspiel ist ein kurzes. Pause jetzt. In Batina, im Dreiländereck Kroatien, Ungarn, Serbien, wartet 105 Meter über’m «Schdrom» (Donau) ein Glaserl Wein auf uns. Ein erhabenes Monument inmitten von Weinbergen erinnert an die Schlacht von Batina, wo sowjetische und jugoslawische Verbände 1944 die deutschen Besatzer in einer blutigen Schlacht besiegten. Heute trennt die Donau das einst verbündete Jugoslawien. Die erste Endstation der Reise ist die Pikec Csarda bei Bezdan am letzten Zipfel Serbiens. Ein Stück Paradies direkt an der Donau. Donauschiffe ziehen vorbei, Fische zeichnen sich in großen Kreisen unsichtbar im Wasser ab. Die Sonne hat sich inzwischen hinter dem «Schdrom» versenkt, ein Fisch-Paprikasch krönt den ersten Abend.