Mit der Kombi Bahn, Bus und Rad bis zum Startpunkt


2. Tag: Dienstag, 2. Juni 2026

Strecke: Satu Mare – Baia Mare – Sighetu Marmației (RO) – Solotwyno (UA) –  Welykyj Bytschkiw – Dilowe – Rachiw

Die „brutalistische“ Wetterlage geht in die Verlängerung, die Schleusen bleiben offen, Starkregen ohne absehbares Ende. Auch die Odyssee der Anreise setzt sich fort. Von Satu Mare geht heute kein Bus in die rumänische Grenzstadt Sighetu Marmației, also mit der Bahn weiter nach Baia Mare. Der Busbahnhof der Stadt hat seine guten Zeiten längst hinter sich. Kein Infobüro, keine Tafeln, einfach nix. Die mündlichen Nachfragen scheitern meist an Sprachbarrieren. Irgendwann geht einer, soviel ist fast sicher. Es findet sich ein letzter Platz in einem Kleinbus. Unterwegs füllen sich auch die Stehplätze zwischen den Sitzreihen. Jetzt passt Nichts und Niemand mehr rein. Für die Sicherheit sorgen Heiligenbilder oberhalb der Frontscheibe des Fahrers. Alles gut, zwei Stunden später rollen Rad und Fahrer über die Theiß, gleichzeitig die Grenze zwischen Rumänien und der Ukraine. Der erste Lokalaugenschein des zu bereisenden Flusses. Die Grenzformalitäten sind schell abgehandelt, es fehlen nur noch die letzten rund 50 Kilometer zum Ursprung. Ein Stück mit dem Rad, später kommt dann doch noch ein Mini-Bus. Am späteren Nachmittag ist der Startpunkt der Tour erreicht: Die transkarpatische Kleinstadt Rachiw, dort wo sich die Wasser der Schwarzen und Weißen Theiß vereinigen (siehe Foto) um fortan schlicht als Theiß Richtung Donau zu mäandern. 

Anreise zum Kilometer „Null“


1. Tag: Montag, 1. Juni 2026

Strecke: Wien Hbf (A) – Budapest (HU) – Debrecen – Satu Mare (RO)

Diesmal ist alles anders: Es wird nicht von Wien aus „bromptonisiert“, der Startpunkt muss erst bereist werden. Der Kilometer „Null“ liegt in Rachiw, einer ukrainischen Kleinstadt in Transkarpatien, unweit der rumänischen Grenze. Hier treffen die Schwarze und die Weiße Theiß aufeinander und vermischen sich zur Theiss/Tyssa/Tisa/Tisza.

Aus diesem Anlass finden sich Rad und Fahrer am Wiener Hauptbahnhof ein. Im Speisewagen beginnt und endet die gefühlt endlose, neunstündige Zugfahrt mit dem rumänischen Etappenziel Satu Mare, der „Welt-Hauptstadt“ des Brutalismus. Nicht nur der Baustil ist erbarmungslos auch das Wetter kennt keine Gnade. Es folgt der Rückzug in eine trockene Unterkunft mit gemachtem Bett!

Nachgereichtes Zielfoto, gemma ÖBB und eine Zusammenfassung


11. Tag: Freitag, 27. September 2024

Strecke: Triest – Wien (Zug)

Es war klug das Zielfoto gleich am Ankunftstab bei Kaiserwetter zu erledigen. Dank dem Fotokünstler aus Ulm!

Noch eine letzte Jause mit Blick aufs Meer, dann wartet der Bahnhof. Der von der ÖBB geführte Zug nimmt die selben Wege, die Rad und Fahrer noch vor wenigen Tagen in die Gegenrichtung befahren haben: Opicina (IT), Postojna (SLO), Ljubljana, Maribor, Spielfeld (A), dann trennen sich die Routen. Neu Stunden benötigt die Eisenbahn für fast die selbe Strecke …

Zusammenfassung:

Reisetage: 11

Länder: Österreich, Slowenien, Italien

Gefahrene Kilometer: 684 km (Netto-Kilometerangabe von der Triester Straße nach Triest/Adria, ohne Ausflüge und Stadtrundfahrten.)

Übernachtungen: 10 Zelt-Nächte

Vielen Dank für‘s Mitreisen und Mitfiebern! Nach der Reise ist vor der Reise, zur Auswahl stehen: Von der Venediger Au nach Venedig oder von der Lembergstraße nach Lwiw.

Alles Liebe & Dank

Mario

Locker treten, Prosecco in Prosecco und mit/ohne Plan durch die Stadt


10. Tag: Donnerstag, 26. September 2024

Strecke: Triest

Leichtes ausrollen/-treten für Rad und Fahrer, immer den Bergrücken entlang bis nach Prosecco auf ein gleichnamiges Erfrischungsgetränk. Der kleine Ausflug wird zur Genuss-Runde, in jeder Ortschaft einen Schluck und einen Happen. Nach Santa Croce geht es steil bergab an die Strada Costiera, vorbei am Castello di Miramare, zurück nach Triest. Am grünen Vorplatz der Stazione Centrale lagern die Gestrandeten, keine 300 Meter weiter am Canal Grande zerstreuen sich die Zugereisten bei Aperol Spritz. Die Hafenpromenade entlang, abgebogen in die Oberstadt, ohne Plan und trotzdem zielsicher. Einige Bars der Stadt beherbergen noch eine der berüchtigten „Schifahrer-Toiletten“. Letztendlich übernimmt wieder der öffentliche Bus die letzten Kilometer bis zur Bettstation.

Ein Hoch auf den Bobo-Porsche, weiße Pferde und das Ziel an der Adria


9. Tag: Mittwoch, 25. September 2024

Strecke: Postojna – Senožeče – Lokev – Lipica (SLO)  – Basovizza (IT) – Triest

Streckenlänge: 57 km (gesamt 684 km)

Auch heute Nacht brechen die Wolken, aber schon bei Tagesanbruch ist die Sonne wieder zurück, nur in den Berggipfeln sitzen noch die Wolken am Haupt.

Unterwegs gibt es immer wieder ungläubige Blicke auf den Drahtesel, verbunden mit der Frage: „Mit dem Rad?!“ Daraufhin hält der Fahrer eine Lobeshymne auf seinen Begleiter. Was wiederum zur Folge hat, dass die bekehrten Ungläubigen den Bobo-Porsche (Brompton Faltrad) mit Lob und Anerkennung überschütten.

Heute keine Pflicht, heute nur Kür! Die verbleibenden Kilometer zerrinnen voller Vorfreude am laufenden Band. Es blühen Blumen im Kopf, Gedanken und Ideen überschlagen sich. Kurz vor dem Landeswechsel noch ein kleiner Abstecher nach Lipica, zu den weißen Pferden (Foto). Jetzt sind es nur noch ein paar Umdrehungen bis zur letzten Grenzüberschreitung vor dem Ziel. Nach dem unkontrollierten Übertritt kurz nach den Zwölf-Uhr-Glocken ist vieles anders: die Architektur, die Gerüche und der Himmel ist in Italien immer um das gewisse Etwas blauer.

Der Campingplatz, benannt nach dem nahestehenden Obelisken liegt am Gipfel des triestinischen Hausberges, vom Camping-Wirtshaus fällt der Blick direkt auf‘s offene Meer. Auf Grund des Kaiserwetters wird schon heute die Hafenstadt, am Fuße des Berges, zum Zwecke eines Zielfotos (wird im finalen Blog nachgeliefert) besucht. Eine steile Abfahrt führt von der bergigen Ruhe in den ganz normalen, immer etwas chaotischen, italienischen Alltag. Am Hafen gibt es dann das wohlverdiente Erfrischungsgetränk. Die Rückreise zurück in die Berge erledigt der öffentliche Bus.

Ps: Der heutige Ohrwurm, eine Rio-Reiser-Perle: „Ich hab nix, du hast nix, komm lass uns d‘raus was machen!“

Wetterkapriolen, ein neuer Ohrwurm und ein Bett im Wald


8. Tag: Dienstag, 24. September 2024

Strecke: Ljubljana – Vrhnika – Logatec – Unec – Postojna

Streckenlänge: 58 km

Nach einer durchregneten Nacht, wandert das Zelt waschelnass in die Packtasche. Die Stadtausfahrt wird wieder auf Anhieb erwischt, aber schon bald kehrt der Regen zurück. Das Wetter ist heute äußerst wankelmütig. Und wieder quält Herr Ambros mit einem Ohrwurm, diesmal dafür sehr treffend: „I bin verwahrlost, oba i bin frei!“ Die Höhepunkte unterwegs geizen heute, es bleibt bei einer unspektakulären Zubringerstrecke von Bett zu Bett. Dieses steht heute nahe Postojna mitten im Wald. 

Vom Belgradplatz nach Belgrad, das Ziel-Foto und eine Zusammenfassung


15. Tag: Freitag, 22. Dezember 2023

Strecke: Wien

Die wahre Herausforderung der Reise war die zehnstündige Bupsfahrt im vollgestopften verflixten Doppeldecker. Und der unwürdige Grenzübertritt von Serbien nach Ungarn dank despotischer, ungarischer „Grenzsoldaten“. Der „Eiserne Vorhang“ lebt!

Zusammenfassung:

Reisetage:

Länder: Österreich, Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien

Kilometer: 1100 Wien, Belgradplatz – Belgrad 837 Kilometer

Vielen Dank für’s Lesen, Mitreisen, Anfeuern und Mitfiebern!

Alles Liebe

Mario

Rauer Charme, Hipster Kneipen und berechnende Tradition


14. Tag: Donnerstag, 21. Dezember 2023

Strecke: Belgrad

Der Morgen auf dem Kalemegdan-Hügel ist wie immer ein Hochgenuss. Die Sonne ist nach der gestrigen Verstimmung auf wieder am Start. Unter der Pobednik (Der Sieger) Säule vereinigen sich Save und Donau, dahinter breitet sich das eher schroffe Novi Belgrad aus.

Belgrad mag beim ersten Kontakt etwas grobschlächtig wirken, der weiche Kern will erarbeitet werden. Die Stadt befindet sich gerade im Umbruch: zahlreiche Baustellen, Stadtviertel verschwinden, neue entstehen. So entsteht, wo sich einmal das schmuddelige, dafür umso lebendigere Viertel Savamala stand, eine von Investoren ausgedachte „Belgrade Waterfront“. Auch der ehrwürdige Hauptbahnhof musste diesem Projekt weichen.

Auch im Zentrum führen die teils schäbigen Fassaden in die Irre, die Dichte an Hipster-Bars/Cafes ist auffällig. Der rauhe Charme der ersten Eindrücke täuscht, Belgrad verordnet sich zeitgeistigen Chic. Im Gegenzug bieten Souvenirläden T-Shits von Attentätern und Kriegsverbrechern zum Kauf an.

Nur in der Skadarlija wird noch, dem Tourismus wegen, die Tradition gepflegt. Viel gegrilltes Fleisch, abends mit Musikbegleitung von Tisch zu Tisch.

Auch beim Belgrader Busbahnhof ist alles beim Alten, große Brummer, ein ständiges Kommen und Abfahren. Um 21 Uhr ist es soweit, ein Doppeldecker, bringt Rad und Fahrer hoffentlich gut nach Hause.

Ein Teufelsritt, eine Zieleinfahrt und ein Ewiges Derby


13. Tag: Mittwoch, 20. Dezember 2023

Strecke: Stari Banovci – Zemun – Belgrad

Streckenlänge: 36 km (837 km)

Die erhoffte, ruhmreiche Spazierfahrt nach Belgrad fällt vorerst aus. Zuerst wird aus Eigenverschulden die Route verändert und endet im schlammigen Nirgends. Später sind es die immer wieder fehlenden Radwegweiser, bleiben nur die stark befahrenen Einfahrtsstraßen. Als Krönung erneut grenzwertige Zwischenfälle mit verhaltensauffälligen Hunden. Ein Teufesritt. Am Rande von Zemun ist von der ruhmreichen Zieleinfahrt wenig über, erst ab Zemun-Zentrum glätten sich die Wellen und ein Radweg neben der Donau führt gelassen nach Novi Belgrad zum Zusammenfluss von Save und Donau. Die Haus-/Vergnügungs-Boote am Fluss sind  allesamt eingewintert, im Wasser dazwischen schwimmen Tonnen von Müll. Am Save-Ufer gegenüber der Kalemegdan-Festung wird auf das Ziel angestoßen. Belgrad zeigt sich von seiner ruhigsten Seite, vereinzelte Flaneure genießen die Stille in der Großstadt. Rad und Fahrer posieren für das Zielfoto.

Mit der Überquerung der Brankov Most ist es vorbei mit der Ruhe. Belgrad pulsiert.

Der heutige Tag ist kein Tag wie jeder andere, heute steigt das Belgrader Derby zwischen Partizan und Roter Stern. Das „Ewige Derby“ gilt als hitzigstes Stadt-Derby Südosteuropas.

Vor dem Stadion herrscht gespannte Ruhe, keine Gegänge, keine Pöbeleien, kleine Grüppchen, eine Übermacht an Polizei. Die Ordnungshütern in voller Montur, mit Schildern, zu Pferd und zu Fuß. Im nicht überdachten Stadion von Partizan ist noch genügend Platz, nur im Gästesektor von Roter Stern wird es eng. Zum Spielanpfiff glänzen die Roten Sterne mit einer gut vorbereiteten Choreografie, die Partisanen belassen es bei schlichten Gesängen. In der ersten Spielhälfte ist von „hitzig“ noch keine Spur, es ist bitter kalt im Oval. Ein gegebener Elfmeter und das darauffolgende Tor für Partizan bringt einen kleinen Energieschub, der zur Pause wieder verpufft. Nach dem Wiederanpfiff sorgt der Roter-Stern-Sektor für Unterhaltung mit einer Feuer-Show. Da Stadion verschwindet im Pyro-Nebel. Spielunterbrechung. Die gegenseitigen Schmähungen in den Gesängen zielen bei unverständigen Ohren ins Leere und so ist nur an den Gesten zu erkennen, dass es sich nicht um Freundlichkeiten handelt. Auch am Spielfeld wird gestänkert, es fallen noch zwei Tore und Partizan gewinnt mit 2:1.

Eine nette Unterhaltung zum Tourabschluss und nach einer Stunde Heimweg ist auch der tiefgefrorene Körper wieder nahezu aufgetaut.

Schweißtreibende Gebirge, lästige Hunde und köstliche Sarma



12. Tag: Dienstag, 19. Dezember 2023

Strecke: Novi Sad – Sremski Karlovci – Stari Slankamen – Stari Banovci

Streckenlänge: 74 km (801 km)

Die vorletzte Etappe beginnt schweißtreibend, die Ausläufer der Fruška Gora, kleines Mittelgebirge in der Vojvodina, schrauben die Bundesstraße steil nach oben. Immer noch eine Kehre und die nächste. Am Zenit wird die Hauptroute durch eine Nebenroute ersetzt. Diesmal ist es nicht der Verkehr der nervt, diesmal sind es lästige Hunde, die das Zweirad hetzen. Drei Verfolgungsjagden, drei Mal abgehängt, aber stressfrei geht anders.
Wieder unten am Fluss wird einer weiteren Herzstation ein Besuch abgestattet. Stari Slankamen ist ein verschlafenes Nest am Wasser. Eine steile Straße mit vielen Windungen führt runter zur Donau. Es gibt zwei Wirtshäuser und am gegenüberliegenden Ufer mündet die Theiß. Keine weiteren Aufregungen, in der Gaststätte sitzen, den Blick auf den Schdrom genießen und die Gedanken plätschern lassen. Nur für zu viel Plätschern ist zu wenig Zeit vorhanden. 
Wieder zurück auf die Route die an das Marchfeld erinnert, endlose Geraden und Ackerland nach allen Richtungen.
Abseits der Reise hat Serbien am Sonntag ein neues Parlament gewählt. Die SNS, die Partei des Präsidenten Aleksandar Vucic hat erneut die Wal für sich entschieden, das Oppositionsbündnis wittert Wahlbetrug und demonstriert.
Das gemachte Bett steht diesmal in Stari Banovci, einer Vorstadtsiedlung mit Wasserzugang. Reizvoll wäre schwer übertrieben, dafür springen die „Sarma“-Krautrouladen ein und retten den Abend.