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  1. Tag: Freitag, 3. Juli

Strecke: Angern an der March – Marchegg (A) – Devín (SK) – Bratislava – Wien

Kilometer: 52 (bis Bratislava)

Das ehemalige Zollhaus von Angern seht auf Stelzen, ist heute ein Lokal und heißt «Das Leben ist schön». Das ist auch so, ein Erfrischungsgetränk in der Hand, die March im Blick und drüben am anderen Ufer Záhorská Ves. Die March formt sich hier zu einer Schlinge um die slovakische Nachbarortschaft. Ein echtes Traumplatzerl! Die beiden Grenzorte sind durch eine kleine Auto-Fähre miteinander verbunden. Nur dieser Tage nicht, die March führt Hochwasser. Das Mobilhaus wird direkt am Flussufer aufgebaut.
Diesmal sind es nicht die Hähne, diesmal ist es ein Gemeindearbeiter der ausgedehntes Schlafen unmöglich macht. Die Wiesen rund ums Zelt wollen gemäht werden. Der eifrige Arbeiter spricht von großem Glück, «manchmal steigt die March binnen weniger Stunden übers Ufer», so wie schon vor ein paar Tagen. Das Glück des Unwissenden. Als Denkzettel beginnt es zu regnen und auch heute kann die Fähre nicht ablegen. Neuer Plan, weiter auf der österreichischen Seite Richtung Schlosshof und über die «Fahrradbrücke der Freiheit» die Seiten gewechselt. Teils Schotter, teils Asphalt führen durch die Aulandschaft mit Abstecher in die jeweiligen Ortschaften. Alles gut ausgeschildert bis kurz nach Marchegg, ab jetzt keine Wegweiser mehr. Was zur Folge hat, dass sich die Räder in den Marchauen verstricken. Die Landkarte am Mobiltelefon rettet Rad und Fahrer. Nächste Hürde, die Freiheitsbrücke über die March ist mit Absperrbändern versperrt. Keine Menschen, keine Info. Keine Grenzen mehr! Die Hindernisse werden ignoriert und überwunden. Inzwischen hat sich der Himmel besonnen und den Regen abgestellt.
Devín liegt an der Mündung von der March in die Donau, besitzt eine Ruine auf einem Hügel, ein Denkmal für die Fluchtopfer des Eisernen Vorhangs (Foto) und eine Fußgängerpromenade. Auch so ein Sehnsuchtsort, gerade quält sich ein Frachtschiff aus Galați, Rumänien gegen den Strom. Die letzten Kilometer nach Bratislava rollen die Räder wie von alleine, die Ufo-Brücke erscheint und kündigt das Ende einer fünftägigen Stadtflucht an. Die Strecke Bratislava – Wien erledigt die ÖBB. Schön war’s, bitte mehr davon!

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  1. Tag: Donnrstag, 2. Juli

Strecke: Valtice – Břeclav (CZ) – Kúty (SK) – Moravský Svätý Ján (SK) – Hohenau an der March (A) – Dürnkrut – Mannersdorf – Angern an der March

Kilometer: 64

Der Campingplatz von Valtice hat den realen Sozialismus noch hautnah miterlebt, die einzigen Zugeständnisse an die moderne Zeit sind ein Kaffee-, sowie ein Jugend-Getränke-Automat. Ost-Romantik pur! Das angesagte Gewitter entlädt sich in der Nacht, dicke Tropfen trommeln auf die Zeltplane und sorgen für einen Dornröschen-Schlaf.
Die Weisheit des noch jungen Tages: «Frage stellt sich, Antwort gibt sich» (© Clemens Denk), heute bedeckt ein Hemd die geschundenen Arme.
Der Weg Richtung Břeclav führt auf verschlungenen Wegen durch den Kulturlandschaftspark Lednice-Valtice. Mitten im Märchenwald verstecken sich verzauberte Baudenkmäler der Familie Lichtenstein: Ein Apollo-Tempel, eine St. Hubertus Kapelle oder der Dianatempel auch «Rendevous» (Foto). In Břeclav gibt es ein Wiedersehen mit der Thaya und im Dreiländereck trennen Thaya und Morava (March) die Nachbarn_innen. Der ehemalige Eiserne Vorhang wird in Folge mehrfach durchtrennt. In der Dreiländercompetition zieht die Heimmannschaft wieder einmal den Kürzeren. Ab Hohenau ist Schluss mit Lustig, ein graues Asphaltband treibt einen Keil durch die Weinviertler Landwirtschaft. Einzige Aufregung der stündliche Railjet in beiden Richtungen. Spärlich verstreute Ortschaften, allesamt blutleer, keine Menschen, keine Erfrischungsstationen. Die erste offene Ausschank befindet sich in Dürnkrut, weltberühmt duch das Thaya-March-Hochwasser von 2006. Den Garten des Zentrum-Pubs beherrschen Stammtischgespräche: Gute Putzfrau/böse Putzfrau, guter Türke/schlechter Türke. Deswegen haben Auswärtsgastspiele einen großen Vorteil, die Resopaltischweisheiten bleiben aus sprachlichem Unvermögen im Verborgenen. Der Spritzwein im großen Gebinde lindert die Ohrenschmerzen.
Eine Abzweigung führt auf den Kamp-Thaya-March-Radweg, ein Schotterpfad entlang der March samt Nebengewässer. Ferdervieh aller Couleur liefert den Soundtrack bis nach Mannersdorf. Ab sofort wächst auch wirklich Wein im Weinviertel. Beim Heurigen dominieren die (Garten)Zaungespräche. In diesem Sinne: «Reißen wir die Zäune ein die uns trennen» (© Ton Steine Scherben)! Den Tagesausklang begleitet eine Winzerhofplatte. War gestern noch pfui, ist heute hui, sprich: «a perfekta dog»!

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  1. Tag: Mittwoch, 1. Juli

Strecke: Brod nad Dyjí – Dolní Dunajovice – Mikulov (CZ) – Drasenhofen (A) – Steinebrunn – Schrattenberg – Valtice (CZ)

Kilometer: 51 Kilometer

Nur die Hähne der Umgebung waren frhhüher wach, die Morgensonne verhindert einen ausgedehnten Schlaf. Der Streckenverlauf wird kurzfristig geändert, nächster Halt Mikulov. Die Grenzstadt liegt am Fuß der Pollauer Berge. Mitten im schmucken Zentrum thront auf einem Felshügel das Lichtenstein-Schloss Mikulov. Bis zur Kaffeepause läuft noch alles nach Plan. Rüber über die Grenze nach Drasenhofen auf der Suche nach der Gedenktafel für die Opfer der aus Brünn vertriebenen Altösterreicher. Eine Expedition beginnt. Die Wirtin im Ortswirtshaus wirkt glaubwürdig sicher: «Das Südmährenkreuz.» Ein Irrtum! Gegen die Fahrtrichtung raus aus der Ortschaft. Die gelbe Sau ist abermals in Bestform, die schon beleidigte Haut brennt wie Hölle. Was folgt ist eine ungewollte Fleißaufgabe. Die kindergerechte Kurzfassung: das Südmährenkreuz wäre ein kleiner Wandertag ohne Rad und die gesuchte Gedenktafel befindet sich unweit der Gaststätte am Drasenhofener Friedhof.
Auf kleinen Landstraße ohne Wegweiser geht es immer entlang der Grenze Richtung Osten. Feld reiht sich an Feld, Hügel an Hügel, dazwischen kleine scheinbar ausgestorbene Ortschaften. Im Ländervergleich zwischen Tschechien und Österreich zieht die Heimat den Kürzeren: Die Radwege jenseits der Grenze sind eindeutiger besser ausgeschildert, darüber hinaus verfügt jede Ansiedlung über mindestens eine Gaststätte. Diesseits der Grenze ist die Dichte an tschechischen Kennzeichen viel höher als die einheimischen Taferln. Die Weinviertler spielen Karten, die Tschech_innen arbeiten.
Bei Schrattenberg geht es wieder über die Grenze. Die ehemalige Übergangsstelle beherbergt ein kleines Eiserner-Vorhang-Museum. Am Hügel über Valtice erhebt sich eine an die Gloriette in Schönbunn angelehnte Reistenkolonnade. Auch Valtice hat sein Lichtenstein-Schloss, rundherum wuchert der Wein. Verweilen oder weiter treten? Die bisherige Kilometerleistung ist bescheiden, die Haut glüht, der Tag dauert noch zu lange und die Lust ist längst beim Teufel! Fortsetzung folgt …

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  1. Tag: Dienstag, 30. Juni

Strecke: Brünn – Rajhradice – Židlochovice – Pohořelice – Ivan – Brod nad Dyjí

Kilometer: 56

Im Garten des Augustinerklosters St. Thomas in Alt-Brünn erinnert ein Gedenkstein an die vertriebenen deutschsprachigen Einwohner_innen der Stadt. Es ist wenig Betrieb im Klostergarten, ein junger Tscheche hinterlegt einen Blumenstrauß mit schwarz-rot-goldener Schleife.
Entlang des Flusses Svratka führt ein gut ausgebauter Radweg raus aus der Stadt. Stadtausfahrten gleichen Stadtzentren, nur anstatt Fleischlaberlkaiser und Designertrash verschandeln Möbelgiganten und Heimwerkertempel die Umgebung. Irgendwann nimmt die Dichte ab und es erstrecken sich Felder bis zum Blickende. Es geht durch verstreute Dörfer, Schrebergärten und tschechische Landwirtschaft. Nach Židlochovice, eine Abzweigung vom EuroVelo 9 (Ostsee-Adria-Radweg) Richtung Pohořelice. Raus aus der Idylle, zurück in die schwarze Zeitgeschichte. Die meisten Gräber des Brünner Todesmarsches sind cht gekennzeichnet, eine Ausnahme machen neun in Dreiergruppen angeordnete Steinkreuze auf einem Acker nahe Pohořelice. Seit 2015 führen Versöhnungsmärsche (www.meetingbrno.cz/de) vom Massengrab in Pohořelice zurück in den Augustinergarten in Alt-Brünn.
Weg vom Tod zurück ins Leben führt eine Schotterstraße über Weinebenen ins Dorf Ivan. Das Weingut Holánek erhellt mit bekömmlichen Tröpferln und einem unvergesslichen Fleisch-Schmalz-Sulz im Einwegglas die angeschlagene Gedankenwelt.
Inzwischen haben alle nicht von Stoff bedeckten Extremitäten eine ungesunde Rotfärbung angenommen. Gestern nicht im Spiel, läuft die gelbe Sau heute zur Bestform auf. Eine gemäßigte Abfahrt führt über Pasohlávky und die Thaya, die sich zum See ausbreitet nach Brod nad Dyjí. Dort steht heute auf einem versteckten Campingplatz das mobile Wohnheim: Die Vogerl zwitschern, die Katzerln streunen, ein Flascherl Veltlínské Zelené steht am Tisch!

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  1. Tag, 29. Juni

Strecke: Wien – Brünn

Schluss mit Einschränkungen, es ist an der Zeit für Ausschweifungen. Eine Stadtflucht! Endlich wieder einmal die Freiheit riechen, auch wenn die Zeit nur eine Kurzstrecke zulässt. Ein zusammengefaltetes Rad und ein Zugbegleiter statt ein Flugbegleiter. Eineinhalb Stunden später ist eine Grenze überschritten und das Brompton rollt über Brünner Asphalt. Die Reisefreuden kann auch der prompt bei Ankunft einsetzende Dauerregen nur marginal trüben. Eine Stadtflanerie dies- und jenseits der klassischen Sehenswürdigkeiten: Stadtzentren sind in kapitalistischen Zeiten austauschbar – Fleischlaberlketten, Designerhütten, Dufttempel, weltweit das gleiche Bild. Rund um die Špilberk Festung breitet sich das historische Zentrum Mährens aus. Hinter den heiligen Türmchen der Innenstadt drängen sich Schlote und auf den umliegenden Hügeln reihen sich Plattenbausiedlungen. An den Rändern präsentiert sich eine Stadt im Wandel, k. u. k. Zeit Architektur vermischt sich mit realsozialistischer Schlichtheit, dazwischen zwängen sich Neubauten. Abseits der ausgetretenen Pfade finden sich lauschige Stilmixecken welche zum Verweilen einladen.
Ab morgen führt die Greenway-Radroute in Etappen retour nach Wien. Romantische Wege führen durch Dörfer, Felder und Weinberge. Dieser grenzüberschreitende Radweg hat aber auch seine historisch tragische Seite. Auf selbiger Strecke wurden am 31. Mai 1945 die deutschsprachigen Bürger_innen Brünns in Richtung österreichischer Grenze vertrieben, eingegangen in die Geschichtsbücher als Brünner Todesmarsch.

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Tag: Montag, 23. Dezember Strecke: Liberec – Prag – Wien Reise, Reise und eine Zusammenfassung Liberec steckt im Nebel, das Wahrzeichen der Stadt der Jeschkenturm auf dem 1.012 Meter hohen Bergrücken des Jeschken bleibt auch heute fest zugedeckt. Zu ebener Erde bilden sich bereits in den Morgenstunden lange Schlangen vor den Weihnachts-Karpfen-Becken. An- und Abreisetage haben selten etwas Lustvolles. Die verflixte Bus-Station wurde gestern noch ausfindig gemacht, es folgt ein reibungsloser Transfer nach Prag. Die einzige Unebenheit im Rückreiseverkehr, die Radkurzstrecke vom Bus- zum Zug-Bahnhof. Einmal das Prager Zentrum streifen, Ticket lösen, Zug fährt ab! Coming Home for Christmas! 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Tag: Sonntag, 22. Dezember Strecke: Zittau (D) – Liberec (CZ) Streckenlänge: 33 km Ein Katzensprung sollte es werden, bis zur Endstation Liberec. Noch einmal durch das noch schlafende Zittau, heute laufen die Uhren langsamer. Das Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien liegt in Greifweite. Ab dem Grenzübertritt ändern sich auch die Verhältnisse, der perfekte Radweg wird zur Rumpelstraße. Aus eigener Blödheit und der Gier nach einer Abkürzung rollen die Räder auf einmal auf einer Hauptverkehrsroute. Nächste Ausfahrt abzweigen! Der vermeintliche Katzensprung wird zur Herausforderung, rauf und runter auf zweifelhaften Untergründen. Die heutige Schlafstation liegt in einem Randbezirk von Liberec, mehrere Versuche führen zum Ziel. Wie immer bei Zieleinläufen lässt auch heute das große Glücksgefühl auf sich warten. Zuerst will die Rückführung nach Wien geplant werden. Die Industriestadt Liberec birgt einen rauen Charme, das Herz will erst entdeckt werden. 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Tag: Samstag, 21. Dezember Strecke: Rothenburg/O.L. – Görlitz – Ostritz – Zittau Streckenlänge: 70 km Wiederholungen am laufenden Band, Görlitz soll Abhilfe schaffen. Die Mittelalterstadt ist im Zweiten Weltkrieg von der großen Zerstörung verschont geblieben und kann deshalb mit einem der besterhaltenen historischen Stadtbildern in ganz Deutschland prahlen. Darüber hinaus hatte Görlitz einen mysteriösen Spender der die Stadt über Jahre mit «Millionen» versorgte, einzige Bedingung: die Restaurierung der Kulturdenkmäler. Also, ein historisches Schmuckkasterl, das Dumme ist nur, das Altstadtparadies ist von einem Mega-Weihnachtsmarkt zugeschissen! Deshalb gibt es heute ein anderes Görlitz-Bild, ein Fundstück auf der Stadtausfahrt, die Fassade des ehemaligen «VEB (Volkseigener Betrieb) Kondensatorenwerk Görlitz», 100 Prozent Weihnachts-resistent! 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Tag: Freitag, 20. Dezember Strecke: Forst – Bad Muskau – Rothenburg/O.L. Streckenlänge: 70 km Hoppala, der Hosenschlitz-Zipp gibt den Geist auf, ein kleines Missgeschick zu Tagesbeginn. Mein Freund Lechner würde sagen – Achtung Herrenwitz! – «Ein gutes Geschäft hat immer offen»! Im Übrigen verläuft der Tag nach Vorgabe: Runter zum Fluss, immer auf der linken Seite, gleich dahinter breitet sich Polen aus und scharfe 70 Kilometer bis zum Tagesziel. Die Bilder wiederholen sich, Natur, Natur, … In der Natur wird auch die innerdeutsche Grenze von Brandenburg nach Sachsen überrollt. Bad Muska, die einzig erwähnenswerte Zwischenstation kennt man wegen des «Fürst-Pückler-Parks» inklusive Teichen, Brücken, Schlössern, wer's mag. Vor der Grenzbrücke macht sich, wie schon in Frankfurt/Oder, die Polizei wichtig, indem sie Menschen mit gesunder Gesichtsfarbe belästigt. Die große Motivation macht heute Pause und in den Pausen wird die Radkarte studiert. 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Tag: Donnerstag, 19. Dezember Strecke: Eisenhüttenstadt – Ratzdorf – Gubin (PL) – Guben (D) – Forst (Lausitz) Streckenlänge: 63 km Gespenstisch! Dichter Nebel verhüllt die Wohnblockschluchten und macht Eisenhüttenstadt noch unwirtlicher. Darüber hinaus hat der «Schluckspecht» seine Wirkung nicht verfehlt, heute sitzen wir zu zweit am Rad, ein Kater fährt mit. Bei Ratzdorf biegt die Oder ab ohne sich zu verabschieden und die Neiße kommt ohne Begrüßung. Der Zusammenfluss lässt sich nur vermuten, die graue Suppe deckt alles zu. Es dauert bis Guben bis sich die Situation wieder normalisiert und sich die Sonne durchsetzt. Guben/Gubin, wieder so eine geteilte Stadt, diesmal liegt der ursprüngliche Stadtkern auf der östlichen, polnischen Seite. Gubin trägt nicht dieses tragische Gesicht der anderen polnischen Grenzstädte. Was ebenfalls freut, auf deutscher Seite sind in der Lausitz fast alle Wegweiser zweisprachig beschriftet. 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Tag: Mittwoch, 18. Dezember Strecke: Kostrzyn nad Odra (PL) – Küstrin-Kietz (D) – Lebus – Frankfurt (Oder) – Eisenhüttenstadt Streckenlänge: 69 km Polnische Grenzstädte haben etwas Tragisches. Eine billige Frisur, noch billigere Tschick, ein voller Bauch um wenig Geld und einen günstigen Rausch in der Birne. Weiter, weiter! Auf die Morgensonne ist Verlass, rauf auf den Damm, der Rest gleicht dem gestrigen Tag – Fluss, Schilf, Asphaltband, Viecher. Glückliche Schafe, glückliche Gänse, glückliche Kühe kauen Grashalme auf ausufernden Au-Weideplätzen. Die Rindviecher tragen sogar, entgegen dem Trend, noch ihren spitzen Kopfschmuck. Das Glück währt solange, bis die Tiere auf unseren Tellern landen. Zum Thema Fleischverzehr kommt mir Kollege Fuzzman in den Sinn: «Ich ess doch keine Leichenteile!» Ich arbeite daran. Frankfurt an der Oder ist wieder eine, als Folge des 2. Weltkrieges, geteilte Stadt. Die ehemalige Dammvorstadt östlich der Oder heißt heute Słubice. Im Lenné-Park steht eine Karl-Marx-Büste, versteinert verzweifelt der Kapitalismus-Kritiker über das Scheitern des realen Sozialismus. An der Brücke über die Oder haben Polizisten einen Flüchtling in der Mangel, eine Fußgeher-Zone ohne Fußgeher, mit leeren Geschäftslokalen und am Brunnenplatz tobt die Weihnachts-Disco. 35 Kilometer weiter oderabwärts in Eisenhüttenstadt ist die Lage wesentlich schlimmer. Es gibt keine Weihnachts-Disco, aber auch keine Gaststätten, keine Kneipen, keine Plätze der Zerstreuung. Was es gibt ist eine Linden-Alle mit dürftigen Einkaufsmöglichkeiten, eine Säule zur Erinnerung an die deutsch-russische Freundschaft, rundherum gleichgeschaltete Wohneinheiten, die «Stalinstadt» und Kaufhallen an den Rändern. Ein tragisches Bild. Was klingt sind die Straßennamen: Friedrich Engels, Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Puschkin, … und selbstredend darf auch der Marx Karl nicht fehlen. 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Tag: Dienstag, 17. Dezember Strecke: Felchow – Alt-Galow – Hohenwutzen – Kienitz (D) – Kostrzyn nad Odra (PL) Streckenlänge: 78 km Was für ein Tagesbeginn, die Morgensonne strahlt, ein Radweg für mich alleine, rechts der Fluss, links endlose Aulandschaften. Komische Vögel mit langen Beinen und langen Hälsen tanzen in den wärmenden Strahlen und sind dabei sehr laut. Anders die unzählbaren Rehe die ihr Frühstück stumm zu sich nehmen. Ebenfalls stumm kreuzen Raubvögel meine Spuren. Nach Lunow biegt die Spur ab vom kleinen Ableger zur großen Oder. Ab jetzt immer den Damm entlang. Alles sehr schön, aber mit steigender Kilometerzahl verliert sich der Zauber. Besonders dann, wenn auch die Sonne sich verabschiedet. Die Trance beim Fahren will sich heute nicht einstellen, wenn die Freude zum Krampf wird hilft der mitgeführte Tee mit Schuss. Die Gastronomie an der Oder ist gerade auf Winterpause, bei Kienitz dann endlich ein geöffnetes Wirtshaus. Was für uns Ösis das Christkind ist für die Ossis der Weihnachtsmann, jede Gaststube hat, wenn geöffnet, mindestens einen. Der Kienitzer «Gasthof zum Hafen» hat sehr viele, darunter auch einen unter Dauerbeschneiung! Kienitz, ursprünglich ein kleines Fischerdorf hatte im Zweiten Weltkrieg unbestellt seinen großen Auftritt. Hier überschritt die Rote Armee am 31. Jänner 1945 erstmals die Oder und befreite uns von dem kleinen Braunauer. Ein russischer Panzer im Ortskern erinnert noch heute an dieses Ereignis. Jetzt ist es nicht mehr weit zur heutigen Bettenstation auf der anderen Seite des Flusses. Kostrzyn, ehemals Küstrin, wurde durch das Potsdamer Abkommen 1945, welches die Westgrenze Polens bis zur Oder verschoben hat, in das polnische Kostrzyn nad Odra und das deutsche Küstrin-Kiez geteilt. 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Tag: Montag, 16. Dezember Strecke: Penkun – Mescherin – Gartz – Schwedt/Oder – Stützkow – Felchow Streckenlänge: 70 km Ich such die DDR. Angefangen hat alles ganz unverfänglich, als Schallplattenunterhalter in einer abgerockten Eckkneipe an der Wiener Augartenmauer, mit einem Musikwunsch: «Spiel mir doch bitte Am Fenster von City!» Am Fenster wo und welche City? Also: City eine der drei großen DDR Bands und Am Fenster ihr größter Hit, erschienen auf dem Staatslabel Amiga. Musik verbunden mit Geschichte(n) und Reisen, ein Feuer war entfacht … Ich suche noch immer. Der Morgenspaziergang durch Penkun wartet auf mit sensationellen Fundstücken – HO Textilien, Haus der Einheit, … – ein inoffizielles DDR-Freilichtmuseum. Bei der Stadtausfahrt, Felder bis zum Horizont, wirbt eine Tafel «kauft bei der heimischen Landwirtschaft» für die lokale Produktion. Ein Hahn schreit, ein Hund bellt auf, kalte Hände, der Wind zieht auf. Hügelige Beton-Plattenwege führen bis zur polnischen Grenze. 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Tag: Sonntag, 15. Dezember Strecke: Heidemühl – Seebad Ueckermünde – Bellin – Ueckermünde (BH) – Pasewalk – Grambow – Penkun Streckenlänge: 104 km «Seemann lass das Träumen …», ein Alleinunterhalter sorgt für Stimmung im Waldgasthof! Außerhalb des Gemäuers grasen Rehe, röhren Hirsche, Wildschweine pflügen den Boden und Wölfe sind auf der Suche nach leichter Beute. «Erst kürzlich haben sie eine wild lebende Herde Mufflons gerissen», berichtet die Wirtin. Aber das bringt die Feierstimmung nicht ins Wanken, sowohl Jubilare als auch Gäste sind ausreichend erfrischt und bei bester Laune. Bei Tagesanbruch, die ersten Kilometer in das sonntäglich verschlafene Fischerdorf Mönkebude rollen sich wie von selbst. Kurz darauf wartet das Seebad Ueckermünde, noch läuft alles nach Plan. Ein Strandblick geht sich noch aus, dann brechen die Wolken. Noch ist der Wille nicht gebrochen, erst im nächsten Dorf. In Bellin hat die Bekleidung ihren Kampf gegen das Wasser verloren. 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Tag: Samstag, 14. Dezember Strecke: Świnoujście (PL) – Seebad Ahlbeck (D) – Usedom – Karnin – Anklam – Bugewitz – Heidemühl Streckenlänge: 78 km Verdammt! Der erste Radreisetag beginnt unrund. Draußen fällt der Regen, drinnen fällt die Tür ins Schloss, die Schlüsselkarte verweilt noch im Zimmer. Die Reiseroutine ist noch nicht angesprungen. Vom polnischen ins deutsche Wunderland, das Seebad Ahlbeck hat seine unvermeidliche Seebrücke und Residenzen mit «klingenden» Namen wie «Germania» oder «Adler». Weg von den Seebädern, rein ins Land. Abseits vom Seebäderparadies lebt der Alltag, viel Landwirtschaft, viel Rindvieh, viel Holz, viel Wasser, viel Schilf. In den Dörfern lebt die Tristesse, bröckelnde Substanz und geschlossene Wirtshäuser. Offiziell existiert die DDR nur noch in den Geschichtsbüchern, unterwegs blitzt sie immer wieder auf, der Kapitalismus hat sich genommen, was er gebraucht hat, der Rest vergammelt. 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Tag: Freitag, 13. Dezember Strecke: Berlin – Stralsund (D) – Świnoujście (PL) Normalerweise sind Zeitangaben Schall und Rauch, vor allem bei Wiedersehensfreuden mit den Berliner Freunden und in Kombination mit Erfrischungsgetränken. Die Nacht kennt keine Stunde. Und manchmal doch, da stockt die Routine, es gibt auch im fortgeschrittenen Alter noch ein erstes Mal: 12. Dezember, 23:21Uhr! Und die Welt ist anders als sie vorher war, der Pepperl ist da, ich bin Opa! Hoch die Tassen, eine feste Umarmung nach Wien, eines geht noch! Ein Valentino oder doch ein Kurtl? Diese Info ist noch nicht in Berlin gelandet, stattdessen wartet der Regionalzug in Richtung Stralsund. Rauf aufs Brompton die Danziger rüber, vorbei am Mauerpark und runter die Bernauer. Zwei Mal über die nicht mehr unüberwindliche, lediglich am Boden markierte Mauer. Dort wo sie noch steht an der Bernauer, schnappschießen Mobiltelefone Selfies am laufenden Band. Kennen Sie den? Ein Opa sitzt im Zug und wartet auf Abenteuer! 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Die letzte ist ein Besuch in der «Bierquelle», meiner Stammkneipe an der Greifswalder Straße, wo die Zeit stecken geblieben ist, in der Vorwendezeit, als Walter Ulbricht das Ruder noch fest in der Hand hatte. Aber das Beste kommt zum Schluss: die Vertiefung einer deutsch-österreichischen Freundschaft beim gemeinsamen Kochen. Am Speiseplan stehen Königsberger Klopse, der Rest würde zu weit führen …!" 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  1. Tag: Freitag, 3. Juli

Strecke: Angern an der March – Marchegg (A) – Devín (SK) – Bratislava – Wien

Kilometer: 52 (bis Bratislava)

Das ehemalige Zollhaus von Angern seht auf Stelzen, ist heute ein Lokal und heißt «Das Leben ist schön». Das ist auch so, ein Erfrischungsgetränk in der Hand, die March im Blick und drüben am anderen Ufer Záhorská Ves. Die March formt sich hier zu einer Schlinge um die slovakische Nachbarortschaft. Ein echtes Traumplatzerl! Die beiden Grenzorte sind durch eine kleine Auto-Fähre miteinander verbunden. Nur dieser Tage nicht, die March führt Hochwasser. Das Mobilhaus wird direkt am Flussufer aufgebaut.
Diesmal sind es nicht die Hähne, diesmal ist es ein Gemeindearbeiter der ausgedehntes Schlafen unmöglich macht. Die Wiesen rund ums Zelt wollen gemäht werden. Der eifrige Arbeiter spricht von großem Glück, «manchmal steigt die March binnen weniger Stunden übers Ufer», so wie schon vor ein paar Tagen. Das Glück des Unwissenden. Als Denkzettel beginnt es zu regnen und auch heute kann die Fähre nicht ablegen. Neuer Plan, weiter auf der österreichischen Seite Richtung Schlosshof und über die «Fahrradbrücke der Freiheit» die Seiten gewechselt. Teils Schotter, teils Asphalt führen durch die Aulandschaft mit Abstecher in die jeweiligen Ortschaften. Alles gut ausgeschildert bis kurz nach Marchegg, ab jetzt keine Wegweiser mehr. Was zur Folge hat, dass sich die Räder in den Marchauen verstricken. Die Landkarte am Mobiltelefon rettet Rad und Fahrer. Nächste Hürde, die Freiheitsbrücke über die March ist mit Absperrbändern versperrt. Keine Menschen, keine Info. Keine Grenzen mehr! Die Hindernisse werden ignoriert und überwunden. Inzwischen hat sich der Himmel besonnen und den Regen abgestellt.
Devín liegt an der Mündung von der March in die Donau, besitzt eine Ruine auf einem Hügel, ein Denkmal für die Fluchtopfer des Eisernen Vorhangs (Foto) und eine Fußgängerpromenade. Auch so ein Sehnsuchtsort, gerade quält sich ein Frachtschiff aus Galați, Rumänien gegen den Strom. Die letzten Kilometer nach Bratislava rollen die Räder wie von alleine, die Ufo-Brücke erscheint und kündigt das Ende einer fünftägigen Stadtflucht an. Die Strecke Bratislava – Wien erledigt die ÖBB. Schön war’s, bitte mehr davon!

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Hochwasser, verschollen in den Marchauen und eine gesperrte Freiheitsbrücke


  1. Tag: Freitag, 3. Juli

Strecke: Angern an der March – Marchegg (A) – Devín (SK) – Bratislava – Wien

Kilometer: 52 (bis Bratislava)

Das ehemalige Zollhaus von Angern seht auf Stelzen, ist heute ein Lokal und heißt «Das Leben ist schön». Das ist auch so, ein Erfrischungsgetränk in der Hand, die March im Blick und drüben am anderen Ufer Záhorská Ves. Die March formt sich hier zu einer Schlinge um die slovakische Nachbarortschaft. Ein echtes Traumplatzerl! Die beiden Grenzorte sind durch eine kleine Auto-Fähre miteinander verbunden. Nur dieser Tage nicht, die March führt Hochwasser. Das Mobilhaus wird direkt am Flussufer aufgebaut.
Diesmal sind es nicht die Hähne, diesmal ist es ein Gemeindearbeiter der ausgedehntes Schlafen unmöglich macht. Die Wiesen rund ums Zelt wollen gemäht werden. Der eifrige Arbeiter spricht von großem Glück, «manchmal steigt die March binnen weniger Stunden übers Ufer», so wie schon vor ein paar Tagen. Das Glück des Unwissenden. Als Denkzettel beginnt es zu regnen und auch heute kann die Fähre nicht ablegen. Neuer Plan, weiter auf der österreichischen Seite Richtung Schlosshof und über die «Fahrradbrücke der Freiheit» die Seiten gewechselt. Teils Schotter, teils Asphalt führen durch die Aulandschaft mit Abstecher in die jeweiligen Ortschaften. Alles gut ausgeschildert bis kurz nach Marchegg, ab jetzt keine Wegweiser mehr. Was zur Folge hat, dass sich die Räder in den Marchauen verstricken. Die Landkarte am Mobiltelefon rettet Rad und Fahrer. Nächste Hürde, die Freiheitsbrücke über die March ist mit Absperrbändern versperrt. Keine Menschen, keine Info. Keine Grenzen mehr! Die Hindernisse werden ignoriert und überwunden. Inzwischen hat sich der Himmel besonnen und den Regen abgestellt.
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Camping wie damals, durch den Märchenwald und Putzfrauengespräche


  1. Tag: Donnrstag, 2. Juli

Strecke: Valtice – Břeclav (CZ) – Kúty (SK) – Moravský Svätý Ján (SK) – Hohenau an der March (A) – Dürnkrut – Mannersdorf – Angern an der March

Kilometer: 64

Der Campingplatz von Valtice hat den realen Sozialismus noch hautnah miterlebt, die einzigen Zugeständnisse an die moderne Zeit sind ein Kaffee-, sowie ein Jugend-Getränke-Automat. Ost-Romantik pur! Das angesagte Gewitter entlädt sich in der Nacht, dicke Tropfen trommeln auf die Zeltplane und sorgen für einen Dornröschen-Schlaf.
Die Weisheit des noch jungen Tages: «Frage stellt sich, Antwort gibt sich» (© Clemens Denk), heute bedeckt ein Hemd die geschundenen Arme.
Der Weg Richtung Břeclav führt auf verschlungenen Wegen durch den Kulturlandschaftspark Lednice-Valtice. Mitten im Märchenwald verstecken sich verzauberte Baudenkmäler der Familie Lichtenstein: Ein Apollo-Tempel, eine St. Hubertus Kapelle oder der Dianatempel auch «Rendevous» (Foto). In Břeclav gibt es ein Wiedersehen mit der Thaya und im Dreiländereck trennen Thaya und Morava (March) die Nachbarn_innen. Der ehemalige Eiserne Vorhang wird in Folge mehrfach durchtrennt. In der Dreiländercompetition zieht die Heimmannschaft wieder einmal den Kürzeren. Ab Hohenau ist Schluss mit Lustig, ein graues Asphaltband treibt einen Keil durch die Weinviertler Landwirtschaft. Einzige Aufregung der stündliche Railjet in beiden Richtungen. Spärlich verstreute Ortschaften, allesamt blutleer, keine Menschen, keine Erfrischungsstationen. Die erste offene Ausschank befindet sich in Dürnkrut, weltberühmt duch das Thaya-March-Hochwasser von 2006. Den Garten des Zentrum-Pubs beherrschen Stammtischgespräche: Gute Putzfrau/böse Putzfrau, guter Türke/schlechter Türke. Deswegen haben Auswärtsgastspiele einen großen Vorteil, die Resopaltischweisheiten bleiben aus sprachlichem Unvermögen im Verborgenen. Der Spritzwein im großen Gebinde lindert die Ohrenschmerzen.
Eine Abzweigung führt auf den Kamp-Thaya-March-Radweg, ein Schotterpfad entlang der March samt Nebengewässer. Ferdervieh aller Couleur liefert den Soundtrack bis nach Mannersdorf. Ab sofort wächst auch wirklich Wein im Weinviertel. Beim Heurigen dominieren die (Garten)Zaungespräche. In diesem Sinne: «Reißen wir die Zäune ein die uns trennen» (© Ton Steine Scherben)! Den Tagesausklang begleitet eine Winzerhofplatte. War gestern noch pfui, ist heute hui, sprich: «a perfekta dog»!

Grenzslalom, Irrfahrten und es fehlt der Plan


  1. Tag: Mittwoch, 1. Juli

Strecke: Brod nad Dyjí – Dolní Dunajovice – Mikulov (CZ) – Drasenhofen (A) – Steinebrunn – Schrattenberg – Valtice (CZ)

Kilometer: 51 Kilometer

Nur die Hähne der Umgebung waren frhhüher wach, die Morgensonne verhindert einen ausgedehnten Schlaf. Der Streckenverlauf wird kurzfristig geändert, nächster Halt Mikulov. Die Grenzstadt liegt am Fuß der Pollauer Berge. Mitten im schmucken Zentrum thront auf einem Felshügel das Lichtenstein-Schloss Mikulov. Bis zur Kaffeepause läuft noch alles nach Plan. Rüber über die Grenze nach Drasenhofen auf der Suche nach der Gedenktafel für die Opfer der aus Brünn vertriebenen Altösterreicher. Eine Expedition beginnt. Die Wirtin im Ortswirtshaus wirkt glaubwürdig sicher: «Das Südmährenkreuz.» Ein Irrtum! Gegen die Fahrtrichtung raus aus der Ortschaft. Die gelbe Sau ist abermals in Bestform, die schon beleidigte Haut brennt wie Hölle. Was folgt ist eine ungewollte Fleißaufgabe. Die kindergerechte Kurzfassung: das Südmährenkreuz wäre ein kleiner Wandertag ohne Rad und die gesuchte Gedenktafel befindet sich unweit der Gaststätte am Drasenhofener Friedhof.
Auf kleinen Landstraße ohne Wegweiser geht es immer entlang der Grenze Richtung Osten. Feld reiht sich an Feld, Hügel an Hügel, dazwischen kleine scheinbar ausgestorbene Ortschaften. Im Ländervergleich zwischen Tschechien und Österreich zieht die Heimat den Kürzeren: Die Radwege jenseits der Grenze sind eindeutiger besser ausgeschildert, darüber hinaus verfügt jede Ansiedlung über mindestens eine Gaststätte. Diesseits der Grenze ist die Dichte an tschechischen Kennzeichen viel höher als die einheimischen Taferln. Die Weinviertler spielen Karten, die Tschech_innen arbeiten.
Bei Schrattenberg geht es wieder über die Grenze. Die ehemalige Übergangsstelle beherbergt ein kleines Eiserner-Vorhang-Museum. Am Hügel über Valtice erhebt sich eine an die Gloriette in Schönbunn angelehnte Reistenkolonnade. Auch Valtice hat sein Lichtenstein-Schloss, rundherum wuchert der Wein. Verweilen oder weiter treten? Die bisherige Kilometerleistung ist bescheiden, die Haut glüht, der Tag dauert noch zu lange und die Lust ist längst beim Teufel! Fortsetzung folgt …

Verstreute Dörfer, dunkle Geschichte, gefährliche Einfärbungen


  1. Tag: Dienstag, 30. Juni

Strecke: Brünn – Rajhradice – Židlochovice – Pohořelice – Ivan – Brod nad Dyjí

Kilometer: 56

Im Garten des Augustinerklosters St. Thomas in Alt-Brünn erinnert ein Gedenkstein an die vertriebenen deutschsprachigen Einwohner_innen der Stadt. Es ist wenig Betrieb im Klostergarten, ein junger Tscheche hinterlegt einen Blumenstrauß mit schwarz-rot-goldener Schleife.
Entlang des Flusses Svratka führt ein gut ausgebauter Radweg raus aus der Stadt. Stadtausfahrten gleichen Stadtzentren, nur anstatt Fleischlaberlkaiser und Designertrash verschandeln Möbelgiganten und Heimwerkertempel die Umgebung. Irgendwann nimmt die Dichte ab und es erstrecken sich Felder bis zum Blickende. Es geht durch verstreute Dörfer, Schrebergärten und tschechische Landwirtschaft. Nach Židlochovice, eine Abzweigung vom EuroVelo 9 (Ostsee-Adria-Radweg) Richtung Pohořelice. Raus aus der Idylle, zurück in die schwarze Zeitgeschichte. Die meisten Gräber des Brünner Todesmarsches sind cht gekennzeichnet, eine Ausnahme machen neun in Dreiergruppen angeordnete Steinkreuze auf einem Acker nahe Pohořelice. Seit 2015 führen Versöhnungsmärsche (www.meetingbrno.cz/de) vom Massengrab in Pohořelice zurück in den Augustinergarten in Alt-Brünn.
Weg vom Tod zurück ins Leben führt eine Schotterstraße über Weinebenen ins Dorf Ivan. Das Weingut Holánek erhellt mit bekömmlichen Tröpferln und einem unvergesslichen Fleisch-Schmalz-Sulz im Einwegglas die angeschlagene Gedankenwelt.
Inzwischen haben alle nicht von Stoff bedeckten Extremitäten eine ungesunde Rotfärbung angenommen. Gestern nicht im Spiel, läuft die gelbe Sau heute zur Bestform auf. Eine gemäßigte Abfahrt führt über Pasohlávky und die Thaya, die sich zum See ausbreitet nach Brod nad Dyjí. Dort steht heute auf einem versteckten Campingplatz das mobile Wohnheim: Die Vogerl zwitschern, die Katzerln streunen, ein Flascherl Veltlínské Zelené steht am Tisch!

Freiheit schnuppern, Regen auf allen Wegen, ein Lokalaugenschein in Brünn


  1. Tag, 29. Juni

Strecke: Wien – Brünn

Schluss mit Einschränkungen, es ist an der Zeit für Ausschweifungen. Eine Stadtflucht! Endlich wieder einmal die Freiheit riechen, auch wenn die Zeit nur eine Kurzstrecke zulässt. Ein zusammengefaltetes Rad und ein Zugbegleiter statt ein Flugbegleiter. Eineinhalb Stunden später ist eine Grenze überschritten und das Brompton rollt über Brünner Asphalt. Die Reisefreuden kann auch der prompt bei Ankunft einsetzende Dauerregen nur marginal trüben. Eine Stadtflanerie dies- und jenseits der klassischen Sehenswürdigkeiten: Stadtzentren sind in kapitalistischen Zeiten austauschbar – Fleischlaberlketten, Designerhütten, Dufttempel, weltweit das gleiche Bild. Rund um die Špilberk Festung breitet sich das historische Zentrum Mährens aus. Hinter den heiligen Türmchen der Innenstadt drängen sich Schlote und auf den umliegenden Hügeln reihen sich Plattenbausiedlungen. An den Rändern präsentiert sich eine Stadt im Wandel, k. u. k. Zeit Architektur vermischt sich mit realsozialistischer Schlichtheit, dazwischen zwängen sich Neubauten. Abseits der ausgetretenen Pfade finden sich lauschige Stilmixecken welche zum Verweilen einladen.
Ab morgen führt die Greenway-Radroute in Etappen retour nach Wien. Romantische Wege führen durch Dörfer, Felder und Weinberge. Dieser grenzüberschreitende Radweg hat aber auch seine historisch tragische Seite. Auf selbiger Strecke wurden am 31. Mai 1945 die deutschsprachigen Bürger_innen Brünns in Richtung österreichischer Grenze vertrieben, eingegangen in die Geschichtsbücher als Brünner Todesmarsch.

Reise, Reise und eine Zusammenfassung


12. Tag: Montag, 23. Dezember

Strecke: Liberec – Prag – Wien

Reise, Reise und eine Zusammenfassung

Liberec steckt im Nebel, das Wahrzeichen der Stadt der Jeschkenturm auf dem 1.012 Meter hohen Bergrücken des Jeschken bleibt auch heute fest zugedeckt. Zu ebener Erde bilden sich bereits in den Morgenstunden lange Schlangen vor den Weihnachts-Karpfen-Becken.
An- und Abreisetage haben selten etwas Lustvolles. Die verflixte Bus-Station wurde gestern noch ausfindig gemacht, es folgt ein reibungsloser Transfer nach Prag. Die einzige Unebenheit im Rückreiseverkehr, die Radkurzstrecke vom Bus- zum Zug-Bahnhof. Einmal das Prager Zentrum streifen, Ticket lösen, Zug fährt ab! Coming Home for Christmas!

Zusammenfassung:

Reisetage: 12
Radtage: 9
Anreise: Wien – Berlin – Stralsund (D) – Świnoujście (PL) mit der Bahn
Radreise: Świnoujście (PL) – Seebad Ahlbeck (D) – Anklam – Seebad Ueckermünde – Penkun – Schwedt/Oder – Felchow – Kostrzyn nad Odra (PL) – Frankfurt/Oder (D) – Eisenhüttenstadt – Forst/Lausitz – Rothenburg/O.L. – Görlitz –
Zittau – Liberec
Kilometer: 635
Abreise: Liberec – Prag – Wien mit Bus und Bahn

Vielen Dank für’s Mitreisen!
Alles Liebe
MaRio

Doch keine Kleinigkeit, rauer Charme und Kübelkarpfen


11. Tag: Sonntag, 22. Dezember

Strecke: Zittau (D) – Liberec (CZ)

Streckenlänge: 33 km

Ein Katzensprung sollte es werden, bis zur Endstation Liberec. Noch einmal durch das noch schlafende Zittau, heute laufen die Uhren langsamer. Das Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien liegt in Greifweite. Ab dem Grenzübertritt ändern sich auch die Verhältnisse, der perfekte Radweg wird zur Rumpelstraße. Aus eigener Blödheit und der Gier nach einer Abkürzung rollen die Räder auf einmal auf einer Hauptverkehrsroute. Nächste Ausfahrt abzweigen! Der vermeintliche Katzensprung wird zur Herausforderung, rauf und runter auf zweifelhaften Untergründen. Die heutige Schlafstation liegt in einem Randbezirk von Liberec, mehrere Versuche führen zum Ziel. Wie immer bei Zieleinläufen lässt auch heute das große Glücksgefühl auf sich warten. Zuerst will die Rückführung nach Wien geplant werden. Die Industriestadt Liberec birgt einen rauen Charme, das Herz will erst entdeckt werden. Bei aller Sympathie es gelingt nicht. Ehemaliger Ostblock gepaart mit billigem Kapitalismus, keine Stadt für zarte Gemüter. Beim ersten Erfrischungsgetränk in einer versteckten Innenstadt-Kneipe, deuten Blicke und Gesten der Stammgäste hin auf einen Wickel (= Probleme). Austrinken, gehen!
Auf den Straßen schwimmen die Weihnachts-Karpfen in großen Kübeln, vor dem Rathaus werden Glüh-Getränke gebürschtelt (= gesoffen) und den Einkaufstempeln sind Sonntagsruhezeiten ein Fremdwort. Und wo ist die verflixte Bus-Station für den morgigen Prag-Transfer!

Ein verseuchtes Schmuckkasterl, harte Arbeit und ein eindeutiger Sieger im Sachsen-Städte-Duell


10. Tag: Samstag, 21. Dezember

Strecke: Rothenburg/O.L. – Görlitz – Ostritz – Zittau

Streckenlänge: 70 km

Wiederholungen am laufenden Band, Görlitz soll Abhilfe schaffen. Die Mittelalterstadt ist im Zweiten Weltkrieg von der großen Zerstörung verschont geblieben und kann deshalb mit einem der besterhaltenen historischen Stadtbildern in ganz Deutschland prahlen. Darüber hinaus hatte Görlitz einen mysteriösen Spender der die Stadt über Jahre mit «Millionen» versorgte, einzige Bedingung: die Restaurierung der Kulturdenkmäler. Also, ein historisches Schmuckkasterl, das Dumme ist nur, das Altstadtparadies ist von einem Mega-Weihnachtsmarkt zugeschissen! Deshalb gibt es heute ein anderes Görlitz-Bild, ein Fundstück auf der Stadtausfahrt, die Fassade des ehemaligen «VEB (Volkseigener Betrieb) Kondensatorenwerk Görlitz», 100 Prozent Weihnachts-resistent! Die restliche Strecke ist harte Arbeit: den Stille-Nacht-Schlager im Ohr, die Sonne meldet sich ab, die Wegweiser spinnen, ein trostloses Ostritz ohne Verpflegung, Beine die nicht mehr treten wollen und, und, und. Jetzt muss Zittau der südöstlichste deutsche Außenposten im Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien für alles herhalten. Im Vergleich mit Görlitz ist Zittau nicht so herausgeputzt dafür punktet Zittau mit einer romantisch bröckelnden Innenstadt, mit charmanten DDR-Überbleibsel (unter anderem ein heruntergekommenes Eingangsportal mit einer gerade noch lesbaren Aufschrift: «Grüner Ring – Jugend Tanz») und mit nur einer Punschausschank am zentralen Platz. Das innersächsische Städte-Duell geht somit mit 3:1 an Zittau.

Gleiche Bilder, ein Pilgerreisen-Tourbegleiter und ein Gesamtkunstwerk in Buchform


9. Tag: Freitag, 20. Dezember

Strecke: Forst – Bad Muskau – Rothenburg/O.L.

Streckenlänge: 70 km

Hoppala, der Hosenschlitz-Zipp gibt den Geist auf, ein kleines Missgeschick zu Tagesbeginn. Mein Freund Lechner würde sagen – Achtung Herrenwitz! – «Ein gutes Geschäft hat immer offen»! Im Übrigen verläuft der Tag nach Vorgabe: Runter zum Fluss, immer auf der linken Seite, gleich dahinter breitet sich Polen aus und scharfe 70 Kilometer bis zum Tagesziel. Die Bilder wiederholen sich, Natur, Natur, … In der Natur wird auch die innerdeutsche Grenze von Brandenburg nach Sachsen überrollt. Bad Muska, die einzig erwähnenswerte Zwischenstation kennt man wegen des «Fürst-Pückler-Parks» inklusive Teichen, Brücken, Schlössern, wer’s mag. Vor der Grenzbrücke macht sich, wie schon in Frankfurt/Oder, die Polizei wichtig, indem sie Menschen mit gesunder Gesichtsfarbe belästigt.
Die große Motivation macht heute Pause und in den Pausen wird die Radkarte studiert. Wie auch schon entlang des «Eisernen Vorhangs» ist ein «bikeline» Tourenbuch mein täglicher Begleiter. Eine Hass-Liebe verbindet uns, immer wieder tauchen Ungereimtheiten auf. Die Karten sind hilfreich, die geschriebenen Wegbeschreibungen mitunter irreführend und die Infos sehr kirchenlastig, ein Pilger-Radreiseführer. Die bessere Lektüre ist heute mein Betthupferl: «Die Nacht ist Leben», die Autobiographie von Sven Marquardt, schwuler Punk zu DDR-Zeiten, Fotograf, ganzkörpertätowiert und die Türe zum Techno-Schuppen Berghain – ein Gesamtkunstwerk!

Stadt im Nebel, ein Kater fährt mit und auf Rausch folgt Erholung


8. Tag: Donnerstag, 19. Dezember

Strecke: Eisenhüttenstadt – Ratzdorf – Gubin (PL) – Guben (D) – Forst (Lausitz)

Streckenlänge: 63 km

Gespenstisch! Dichter Nebel verhüllt die Wohnblockschluchten und macht Eisenhüttenstadt noch unwirtlicher. Darüber hinaus hat der «Schluckspecht» seine Wirkung nicht verfehlt, heute sitzen wir zu zweit am Rad, ein Kater fährt mit.
Bei Ratzdorf biegt die Oder ab ohne sich zu verabschieden und die Neiße kommt ohne Begrüßung. Der Zusammenfluss lässt sich nur vermuten, die graue Suppe deckt alles zu. Es dauert bis Guben bis sich die Situation wieder normalisiert und sich die Sonne durchsetzt. Guben/Gubin, wieder so eine geteilte Stadt, diesmal liegt der ursprüngliche Stadtkern auf der östlichen, polnischen Seite. Gubin trägt nicht dieses tragische Gesicht der anderen polnischen Grenzstädte. Was ebenfalls freut, auf deutscher Seite sind in der Lausitz fast alle Wegweiser zweisprachig beschriftet. Am Weg folgt Brücken-Ruine auf Brücken-Ruine, beim Rückzug wurden fast alle Verbindungen über die Neiße von der deutschen Wehrmacht gesprengt. Später bei Grießen breitet sich eine riesige Kraterlandschaft aus, der Braunkohle Tagebau Jänschwalde.
Irgendwann steigt auch der Kater ab und Forst wird noch bei Tageslicht erreicht. Ein Bett, eine Mahlzeit, ein Reparier-Bier und ab in die Kiste!

Glückliches Vieh, unglücklicher Karl Marx und die Stalinstadt


7. Tag: Mittwoch, 18. Dezember

Strecke: Kostrzyn nad Odra (PL) – Küstrin-Kietz (D) – Lebus – Frankfurt (Oder) – Eisenhüttenstadt

Streckenlänge: 69 km

Polnische Grenzstädte haben etwas Tragisches. Eine billige Frisur, noch billigere Tschick, ein voller Bauch um wenig Geld und einen günstigen Rausch in der Birne. Weiter, weiter! Auf die Morgensonne ist Verlass, rauf auf den Damm, der Rest gleicht dem gestrigen Tag – Fluss, Schilf, Asphaltband, Viecher. Glückliche Schafe, glückliche Gänse, glückliche Kühe kauen Grashalme auf ausufernden Au-Weideplätzen. Die Rindviecher tragen sogar, entgegen dem Trend, noch ihren spitzen Kopfschmuck. Das Glück währt solange, bis die Tiere auf unseren Tellern landen. Zum Thema Fleischverzehr kommt mir Kollege Fuzzman in den Sinn: «Ich ess doch keine Leichenteile!» Ich arbeite daran.
Frankfurt an der Oder ist wieder eine, als Folge des 2. Weltkrieges, geteilte Stadt. Die ehemalige Dammvorstadt östlich der Oder heißt heute Słubice. Im Lenné-Park steht eine Karl-Marx-Büste, versteinert verzweifelt der Kapitalismus-Kritiker über das Scheitern des realen Sozialismus. An der Brücke über die Oder haben Polizisten einen Flüchtling in der Mangel, eine Fußgeher-Zone ohne Fußgeher, mit leeren Geschäftslokalen und am Brunnenplatz tobt die Weihnachts-Disco.
35 Kilometer weiter oderabwärts in Eisenhüttenstadt ist die Lage wesentlich schlimmer. Es gibt keine Weihnachts-Disco, aber auch keine Gaststätten, keine Kneipen, keine Plätze der Zerstreuung. Was es gibt ist eine Linden-Alle mit dürftigen Einkaufsmöglichkeiten, eine Säule zur Erinnerung an die deutsch-russische Freundschaft, rundherum gleichgeschaltete Wohneinheiten, die «Stalinstadt» und Kaufhallen an den Rändern. Ein tragisches Bild. Was klingt sind die Straßennamen: Friedrich Engels, Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Puschkin, … und selbstredend darf auch der Marx Karl nicht fehlen. Eisenhüttenstadt hat nach der Wende rund die Hälfte seiner Bewohner_innen verloren und ist total überaltert. Wer flüchten kann, der flüchtet. Blöd gesprochen, Parkplatzproblem gibt es hier keines.
Nach einem atemraubenden Fußmarsch findet sich doch noch eine Kneipe, sehr urig, wie der Name vermuten lässt: «Schluckspecht»! Es wird politisch kluggeschwätzt und Freundschaften für einen Abend geschlossen. Ein weiterer Höhepunkt ist die heutige Schlafstation oberhalb von einem Balkan-Grill. Zoran, der Inhaber hat in den 80er Jahren für den Wiener Sportklub gekickt, später für Eisenhüttenstadt und hier ist er auch hängen geblieben. Heute steht mir der Sinn nach Ausschweifung!

Komische Vögel, beschneite Weihnachtsmänner und der Polenmarkt


6. Tag: Dienstag, 17. Dezember

Strecke: Felchow – Alt-Galow – Hohenwutzen – Kienitz (D) – Kostrzyn nad Odra (PL)

Streckenlänge: 78 km

Was für ein Tagesbeginn, die Morgensonne strahlt, ein Radweg für mich alleine, rechts der Fluss, links endlose Aulandschaften. Komische Vögel mit langen Beinen und langen Hälsen tanzen in den wärmenden Strahlen und sind dabei sehr laut. Anders die unzählbaren Rehe die ihr Frühstück stumm zu sich nehmen. Ebenfalls stumm kreuzen Raubvögel meine Spuren.
Nach Lunow biegt die Spur ab vom kleinen Ableger zur großen Oder. Ab jetzt immer den Damm entlang. Alles sehr schön, aber mit steigender Kilometerzahl verliert sich der Zauber. Besonders dann, wenn auch die Sonne sich verabschiedet. Die Trance beim Fahren will sich heute nicht einstellen, wenn die Freude zum Krampf wird hilft der mitgeführte Tee mit Schuss. Die Gastronomie an der Oder ist gerade auf Winterpause, bei Kienitz dann endlich ein geöffnetes Wirtshaus. Was für uns Ösis das Christkind ist für die Ossis der Weihnachtsmann, jede Gaststube hat, wenn geöffnet, mindestens einen. Der Kienitzer «Gasthof zum Hafen» hat sehr viele, darunter auch einen unter Dauerbeschneiung! Kienitz, ursprünglich ein kleines Fischerdorf hatte im Zweiten Weltkrieg unbestellt seinen großen Auftritt. Hier überschritt die Rote Armee am 31. Jänner 1945 erstmals die Oder und befreite uns von dem kleinen Braunauer. Ein russischer Panzer im Ortskern erinnert noch heute an dieses Ereignis. Jetzt ist es nicht mehr weit zur heutigen Bettenstation auf der anderen Seite des Flusses. Kostrzyn, ehemals Küstrin, wurde durch das Potsdamer Abkommen 1945, welches die Westgrenze Polens bis zur Oder verschoben hat, in das polnische Kostrzyn nad Odra und das deutsche Küstrin-Kiez geteilt. Soviel zur Geschichte, wird die Oder überquert warten eine teilweise rekonstruierte Festung, viel mehr aber Tankstellen, Tabakläden, ein kapitalistischer Fleischlaberlhersteller, ein zweifelhaftes Einkaufsparadies, der Polenmarkt und ein XXL-Transparent: «Brauchst du einen Mitarbeiter ruf bei uns an!» Für heute sind alle Ausschweifungen abgesagt!

Ich such die DDR, endlich Oder und immer wieder Schlafplatz-Troubles


5. Tag: Montag, 16. Dezember

Strecke: Penkun – Mescherin – Gartz – Schwedt/Oder – Stützkow – Felchow

Streckenlänge: 70 km

Ich such die DDR. Angefangen hat alles ganz unverfänglich, als Schallplattenunterhalter in einer abgerockten Eckkneipe an der Wiener Augartenmauer, mit einem Musikwunsch: «Spiel mir doch bitte Am Fenster von City!» Am Fenster wo und welche City? Also: City eine der drei großen DDR Bands und Am Fenster ihr größter Hit, erschienen auf dem Staatslabel Amiga. Musik verbunden mit Geschichte(n) und Reisen, ein Feuer war entfacht …
Ich suche noch immer. Der Morgenspaziergang durch Penkun wartet auf mit sensationellen Fundstücken – HO Textilien, Haus der Einheit, … – ein inoffizielles DDR-Freilichtmuseum. Bei der Stadtausfahrt, Felder bis zum Horizont, wirbt eine Tafel «kauft bei der heimischen Landwirtschaft» für die lokale Produktion. Ein Hahn schreit, ein Hund bellt auf, kalte Hände, der Wind zieht auf. Hügelige Beton-Plattenwege führen bis zur polnischen Grenze. Endlich Oder! Nicht der Hauptstrom, ein Nebenzweig. Mescherin liegt bereits im Winterschlaf, nur die Vogelwelt tönt lebendig. Ein Asphaltband durch den Nationalpark «Unteres Odertal». Wälder, Auen, Sumpflandschaften, abgeknickte Bäume – die Biber sind ganzjährig aktiv. Auf die Idylle folgt die Industriestadt Schwedt. Ein kleiner Stadtkern mit einer Fußgängerzone ohne Fußgeher_innen und viel «Platte» (Fertigteilbauwohneinheiten) rundherum. Kein Platz zum Verweilen. Mit dem Stadtende kehrt auch die Idylle zurück. Gänsekolonien campen neben dem Fluss, Rindviecher genießen die satten Wiesen und die Rehe den Sonnenuntergang. Jetzt fehlt nur noch ein Bett. Und auch heute geht es nicht ganz ohne Intervention von außen. Nach mehreren Fehlschlägen führt eine Empfehlung der Nationalparkverwaltung wieder weg vom Fluss zurück ins Land nach Felchow, dort warten ein gemachtes Bett und eine warme Mahlzeit.

Böser Wolf, ein Bahnintermezzo und auf der Suche nach blühenden Dörfern


4. Tag: Sonntag, 15. Dezember

Strecke: Heidemühl – Seebad Ueckermünde – Bellin – Ueckermünde (BH) – Pasewalk – Grambow – Penkun

Streckenlänge: 104 km

«Seemann lass das Träumen …», ein Alleinunterhalter sorgt für Stimmung im Waldgasthof! Außerhalb des Gemäuers grasen Rehe, röhren Hirsche, Wildschweine pflügen den Boden und Wölfe sind auf der Suche nach leichter Beute. «Erst kürzlich haben sie eine wild lebende Herde Mufflons gerissen», berichtet die Wirtin. Aber das bringt die Feierstimmung nicht ins Wanken, sowohl Jubilare als auch Gäste sind ausreichend erfrischt und bei bester Laune.
Bei Tagesanbruch, die ersten Kilometer in das sonntäglich verschlafene Fischerdorf Mönkebude rollen sich wie von selbst. Kurz darauf wartet das Seebad Ueckermünde, noch läuft alles nach Plan. Ein Strandblick geht sich noch aus, dann brechen die Wolken. Noch ist der Wille nicht gebrochen, erst im nächsten Dorf. In Bellin hat die Bekleidung ihren Kampf gegen das Wasser verloren. Rückzug nach Ueckermünde und der Wechsel vom Fahrrad auf die Deutsche Bahn. Mit der Bahn kommt auch die Sonne wieder zurück, zu spät. Eine Kurzstrecke mit Umstieg in Pasewalk. Ein stattlicher Bahnhof ohne Alles. Leere, auf Mieter wartende Hallen, den per Werbetafel angekündigten Imbiss gibt es nicht mehr, einzig eine Spielhalle verspricht bessere Zeiten. Von der Wendeeuphorie ist hier nichts mehr übriggeblieben, wo sind die versprochenen «blühenden Dörfer»?
Bei Abendrot kommt Penkun in Reichweite. Umgeben von mehreren Seen zu ebener Erde, liegt die Kleinstadt auf einem Hügel, oben drauf ein Schloss. Das angepeilte Stadt-Gasthaus mit Bettenstation macht heute Abend Pause. Das übrige Zentrum ist ausgestorben, menschenleere Gehsteige und bis auf die Straßenbeleuchtung, alles finster. Aus eigener Kraft ist auch heute kein Bett aufzutreiben. Im entscheidenden Moment verirrt sich doch wer auf die Straße, die Vizepräsidentin des örtlichen Fischerei-Vereins, und vermittelt mir «Günter’s Bierstübchen» für Bett und Abendbrot. Ein Happy-End in letzter Minute!

Startschwierigkeiten, Vogelwelten und ein DDR-Stammtisch


3. Tag: Samstag, 14. Dezember

Strecke: Świnoujście (PL) – Seebad Ahlbeck (D) – Usedom – Karnin – Anklam – Bugewitz – Heidemühl

Streckenlänge: 78 km

Verdammt! Der erste Radreisetag beginnt unrund. Draußen fällt der Regen, drinnen fällt die Tür ins Schloss, die Schlüsselkarte verweilt noch im Zimmer. Die Reiseroutine ist noch nicht angesprungen. Vom polnischen ins deutsche Wunderland, das Seebad Ahlbeck hat seine unvermeidliche Seebrücke und Residenzen mit «klingenden» Namen wie «Germania» oder «Adler». Weg von den Seebädern, rein ins Land. Abseits vom Seebäderparadies lebt der Alltag, viel Landwirtschaft, viel Rindvieh, viel Holz, viel Wasser, viel Schilf. In den Dörfern lebt die Tristesse, bröckelnde Substanz und geschlossene Wirtshäuser. Offiziell existiert die DDR nur noch in den Geschichtsbüchern, unterwegs blitzt sie immer wieder auf, der Kapitalismus hat sich genommen, was er gebraucht hat, der Rest vergammelt.
Eine Brücke führt über den Peenestrom zurück auf das vorpommersche Festland. Der Peenestrom geht über in das Stettiner Haff, wildromantische Wasser- und Sumpflandschaften. Das Peenethal der «Amazonas des Nordens» ist eines der letzten Urstomtäler Mitteleuropas. Nach Anklam ist Schluss mit asphaltierten Radwegen, DDR-Plattenpisten rütteln aus den Gedanken, später führt ein wassertriefender Schotterstreifen durch Schilfgebiete. Die Radgeräusche schrecken Wasservögel aus ihrer Deckung. Federvieh rundherum so weit das Auge reicht, lange Hälse, kurze Hälse, in allen Farbschattierungen und an den Bäumen nagen die Bieber. Bei Bugewitz geht dem Tag das Licht aus und noch immer kein Bett in Sicht. Ein Insidertipp führt mich ins einzige Wirtshaus im Umkreis, das wunderbare «Waldrestaurant Heidemühl». Hier wird gerade eine Diamanthochzeit gefeiert und an der Theke findet sich ein DDR-Stammtisch zusammen. Es wird in realsozialistischen Zeiten geschwelgt – «wir haben aus Kuhscheiße Bonbons gemacht» – und unterm Strich sind sich alle einig: «Nicht alles was der Westen gebracht hat ist der Weisheit letzter Schluss!»

Was für eine Nacht, auf Schienen durchs Land und auf’s Pepperl!


2. Tag: Freitag, 13. Dezember

Strecke: Berlin – Stralsund (D) – Świnoujście (PL)

Normalerweise sind Zeitangaben Schall und Rauch, vor allem bei Wiedersehensfreuden mit den Berliner Freunden und in Kombination mit Erfrischungsgetränken. Die Nacht kennt keine Stunde. Und manchmal doch, da stockt die Routine, es gibt auch im fortgeschrittenen Alter noch ein erstes Mal: 12. Dezember, 23:21Uhr! Und die Welt ist anders als sie vorher war, der Pepperl ist da, ich bin Opa! Hoch die Tassen, eine feste Umarmung nach Wien, eines geht noch!
Ein Valentino oder doch ein Kurtl? Diese Info ist noch nicht in Berlin gelandet, stattdessen wartet der Regionalzug in Richtung Stralsund. Rauf aufs Brompton die Danziger rüber, vorbei am Mauerpark und runter die Bernauer. Zwei Mal über die nicht mehr unüberwindliche, lediglich am Boden markierte Mauer. Dort wo sie noch steht an der Bernauer, schnappschießen Mobiltelefone Selfies am laufenden Band.
Kennen Sie den? Ein Opa sitzt im Zug und wartet auf Abenteuer! Draußen verschwindet die Stadt, Oranienburg, die Uckermark, Neubrandenburg fliegen vorbei und irgendwann ist das Festland zu Ende und die Ostsee breitet sich aus, Stralsund ist erreicht. Von hier aus rollt die Bäderbahn, setzt bei Wolgast auf die deutsch-polnische Insel Usedom über, klappert die Seebäder ab und hat seine Endstation im polnischen Świnoujście. Hier hat schon der deutsche Kaiser Wilhelm II. seine Zehen in der Ostsee erfrischt. Der erste Ostsee-Blick geht sich nur mehr im Kunstlicht aus, die Strandpromenade befindet sich gerade im Umbau und das Schuhwerk versinkt im Gatsch. Der heutige Abend wird ein kurzer, noch ein Żywiec auf den Pepperl, dann werden für heute die Kerzen ausgeblasen, morgen geht’s los, es wird wieder bromptonisiert!

Keine Angst, ein anderes Berlin und Königsberger Klopse


1. Tag: Donnerstag, 12. Dezember

Strecke: Nachtzug Wien – Berlin

«Wir haben nichts zu verlieren außer unsre Angst», ein unzerstörbarer Satz der Ton Steine Scherben Hymne «Der Traum ist aus»! Vorgestern noch auf der ebenerdigen Bühne des Gasthauses Praschl im zehnten Wiener Hieb (Anm. Gemeindebezirk), gemeinsam mit meinen Kollegen von Die Rio-Reiser. Band und Publikum verschmelzen zu einer unüberhörbaren Stimme – «Macht euch bereit, für den Kampf ums Paradies»! Einen kapitalen Rausch, einen Reparaturtag und eine Nachtbahnfahrt später zu Besuch am Grab des 1996 verstorbenen Sängers und Autors eingangs zitierter Zeilen.
Berlin ist verschnupft, der Fernsehturm versteckt sein Haupt im dichten Nebel. Der Hauptstadtbesuch ist nur ein Zwischenstopp einer Stadtflucht auf der Suche nach Ruhe und Gelassenheit. Die eigentliche Reise, der Oder-Neiße-Radweg von Świnoujście (Polen) der deutsch-polnischen Grenze entlang bis nach Tschechien und weiter zurück nach Hause. Mit dem Faltrad. Coming Home for Christmas!
Im Städtevergleich ist Radfahren in Wien ein Wellnesstrip. Die Stadtausfahrt führt zu Nebenschauplätzen der Metropole: In die Chausseestraße 131, wo Wolf Biermann bis zu seiner Ausbürgerung aus der DDR wohnte und arbeitete. In eine Altberliner Eckkneipe am Mariannenplatz wo die Kundschaft noch richtig «berlinert». Ans Tempelhofer Ufer, wo die Scherben-Familie in den frühen 70er Jahren gemeinsames wohnen übte. Zum Alten St. Matthäus Kirchhof wo Rio Reiser unter der Erde liegt. An das ehemalige Lenné-Dreieck, auf der Westseite gelegen und trotzdem Teil der DDR. Dieser nicht mehr existierende Wildwuchsstreifen erzählt eine andere Flucht-Geschichte. 1988 flüchteten die Besetzter dieses Grün-Dreiecks vor der Polizei über die Mauer nach Ost-Berlin, wurden dort von der Volkspolizei abgeholt, verpflegt und wieder zurückgeschickt. Die vorletzte Station ist der Ernst Thälmann Park, wo der Ernstl noch immer seinen rechten Arm zum kommunistischen Gruß erhebt. Rot Front Genosse! Die letzte ist ein Besuch in der «Bierquelle», meiner Stammkneipe an der Greifswalder Straße, wo die Zeit stecken geblieben ist, in der Vorwendezeit, als Walter Ulbricht das Ruder noch fest in der Hand hatte.
Aber das Beste kommt zum Schluss: die Vertiefung einer deutsch-österreichischen Freundschaft beim gemeinsamen Kochen. Am Speiseplan stehen Königsberger Klopse, der Rest würde zu weit führen …!

Umso dünner die Brieftaschen werden, umso weiter werden die Herzen!


Freies Radio Freistadt strahlt im Rahmen seiner Sendereihe 30 Jahre Fall des Eisernen Vorhangs – Über die Grenze
in den kommenden Tagen das Interview mit Mario Lang zu seiner rund 10.000 Kilomter langen Reise entlang des Eisernen Vorhangs aus!
Sendezeiten:
Di 10.12. um 18:00
Mi 11.12. um 13:00
Sa 14.12. um 10:00

Es ist aber auch in der Radiothek nachzuhören!

„Umso dünner die Brieftaschen werden, umso weiter werden die Herzen!“

Fotoserie im Falter


Am Mittwoch (27.3.2019) ist bereits der 5. Teil meiner Fotoserie «Vorhangauf» in der Wiener Wochenzeitung Falter erschienen. Das Rad dreht sich weiter, die Serie auch …

12. März 2019 @ Aktionsradius Wien Iron Curtain Tour – Fotos und Reiseblog


Großes Land mit wenigen, im nüchternen Zustand sprachlosen Menschen. Viel Wasser und ganz, ganz viel Holz. Viele Rentiere, ein Vogelparadies, nur das mit den wilden Elchen und Bären ist eine Erfindung der Tourismus-Industrie. Dafür sind alle Horror-Geschichten über Gelsen und Schlechtwetter nicht nur wahr, sondern flächendeckend untertrieben! Trotzdem, es war jeden Kilometer wert zu fahren und am aufregendsten war es in Lappland bei den «Gscherten im Pelz» (© Helmut Qualtinger).

Am 14. Juli dieses Jahres beendete der Fotograf der Straßenzeitung Augustin, Mario Lang, seine Iron Curtain Tour mit dem Fahrrad. Die Strecke entlang des Eisernen Vorhangs zwischen dem Schwarzen Meer und der Barentssee, die er in mehreren Etappen zurücklegte, ist mehr als 10.000 Kilometer lang. Das Zitat oben, seinem Reise-Blog http://www.vorhangauf.international/ entnommen, bezieht sich auf eine der letzten Strecken des Abenteuers: die Tour von Helsinki über Virolahti zum Campingplatz Vaalimaa. Mario Langs Foto-Show im Aktionsradius dokumentiert, wie der Spalt, den der Kalte Krieg quer durch Europa zog, überwunden geglaubte gesellschaftliche, geografische, städtebauliche Zustände bis heute konservierte. Künftige Iron Curtain-BikerInnen werden schon «reformierte» Zustände kennen lernen. Die Schlaglöcher werden bleiben, aber nach jedem zehnten Schlagloch wird globalisierte Systemgastronomie zur Einkehr locken. Denn die kommunistische Vision der Gleichheit wird auf paradoxe Weise realisiert sein: Jedem Menschen, ob arm oder reich, ob russisch oder antirussisch, das gleiche Fastfood aus der argentinischen Pampa!

Dienstag, 12. März

Aktionsradius Wien , Gaußplatz 11, 1200 Wien

Infos: https://aktionsradius.at

E: office@aktionsradius.at

T: +43 1 332 26 94